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Das Vaterunser bildet das geistliche Zentrum der Bergpredigt. Warum stellt Matthäus gerade ein Gebet in die Mitte dieser Verse? Weil Gebet das ist, was uns mit dem Himmel verbindet!
Das Vaterunser ist ein durchweg jüdisches Gebet. Selbst die Struktur dieses Gebets ist durch und durch jüdisch: Zuerst kommt die Anbetung. Jesus weist uns darauf hin, dass wir zuerst die Prioritäten Gottes suchen müssen. Einer der folgenden Verse bestätigt dies: „Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit! Und dies alles wird euch hinzugefügt werden.“ (Matthäus 6,33) Erst nach diesem Teil werden die persönlichen Bitten vorgetragen. Zum Schluss kommen Lobpreis und Danksagung. Die meisten jüdischen Gebete haben eine ähnliche Form. Des Weiteren identifiziert sich der Betende im jüdischen Glaubensleben mit der ganzen Gemeinde: Es heißt „unser Vater“ und nicht „mein Vater“. Dieser kollektivistische Gedanke ist fest im jüdischen Denken verankert. Das Leben wird von Anfang an geteilt und getragen vom Schöpfer, aber auch von den Mitmenschen. Daraus lehren die jüdischen Weisen: „Kulam arewim säh le-säh“ – Alle Juden sind füreinander verantwortlich!
Das Ziel Gottes war es, das Volk Israel auszusondern und zu heiligen. „Und nun, wenn ihr willig auf meine Stimme hören und meinen Bund halten werdet, dann sollt ihr aus allen Völkern mein Eigentum sein; denn mir gehört die ganze Erde. Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation sein. Das sind die Worte, die du zu den Söhnen Israel reden sollst.“ (2. Mose 19,5-6) Die Tora und die Propheten sprechen aber auch konkret von der Heiligung des Namens (2. Mose 20,7; 3. Mose 22,32; Jesaja 29,23). Im Buch des Propheten Hesekiel sagt Gott, dass er seinen Namen heilig machen will: „Und ich werde meinen großen, unter den Nationen entweihten Namen heiligen, den ihr mitten unter ihnen entweiht habt. Und die Nationen werden erkennen, dass ich der HERR bin, spricht der Herr, HERR, wenn ich mich vor ihren Augen an euch als heilig erweise.“ (Hesekiel 36,23)
Der Name Gottes wird „entheiligt“, wenn Menschen gegen die Weisungen und den Willen Gottes handeln. Gottes Kawod(Herrlichkeit), seine Ehre und Macht werden unter den Menschen sichtbar durch sein Tun, wie dieser Text zeigt, aber auch durch das Tun der Menschen. Die Israeliten heiligten Gott durch die Befolgung der Tora, der Gebote, die Gott seinem Volk gegeben hat. Wenn das Volk Gottes nach seinem Willen lebt, dann wird er geheiligt! Jedes jüdische Gebet beginnt mit den gleichen Worten: „Gelobt seist du, Herr, unser Gott, König der Welt, der uns geheiligt hat durch seine Gebote und uns befohlen hat, … zu tun“. Daraus lernen wir, dass es sehr wichtig ist, dass das jüdische Volk nach der Tora Gottes lebt, dass messianische Juden toratreu bleiben und nicht die Gebote Gottes über Bord werfen. Das Mustergebet Jesu beginnt ja gerade mit dieser Bitte: „Geheiligt werde dein Name!“
Gottes Name steht immer in Gefahr, missbraucht zu werden. Es ist kein Zufall, dass das zweite Gebot lautet: „Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht zu Nichtigem aussprechen, denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen zu Nichtigem ausspricht.“ (2. Mose 20,7) Der Name Gottes hat in der jüdischen Tradition eine besondere Bedeutung. Am brennenden Dornbusch zeigt sich Gott Mose als empathischer Gott, der den Ruf der leidenden Israeliten gehört hat. Er stellt sich vor als Gott der Väter und verheißt Mose – und allen Israeliten – seine Gegenwart. „Ich bin, der ich bin“ (2. Mose 3,14). So schreibt ein moderner Rabbiner: „In seinem Namen zeigt Gott sich als ein Gegenüber in einer Beziehung: ein wandelbarer, agierender und reagierender Gott. Ein Gott mit Gefühlen, einer, der rationaler Argumentation zugänglich ist, einer, der bereuen kann.“[i]
Die Anrufung des Namens in der jüdischen Tradition bedeutet, Zugang zu einer Person zu haben. Um den Namen Gottes nicht zu missbrauchen, haben Juden aufgehört, die vier heiligen Buchstaben: JHWH als den Namen Gottes auszusprechen, und sagen stattdessen Adonaj oder HaSchem. Zur Zeit des ersten Tempels wurde das Tetragramm (JHWH) nur einmal im Jahr vom Hohepriester am Versöhnungstag im Allerheiligsten ausgesprochen. Dieser Brauch diente dazu, die Beziehung zwischen Gott und den Israeliten wieder ins rechte Lot zu bringen. In der jüdischen Tradition ist die „Heiligung des Namens“ etwas, woran auch Menschen beteiligt sind. „Heiligen“ bedeutet, die verborgene Herrlichkeit Gottes offenbar werden zu lassen.
Rabbiner Esriel Tauber bringt es auf den Punkt: „Kiddusch HaSchem heißt so zu handeln, dass es mit der himmlischen Ordnung vereinbar ist und damit das Leben auf der Erde als eine Reflexion des Himmels zu gestalten. So wie im Himmel, so auf der Erde. Von der ganzen Menschheit wird erwartet, so zu handeln. Inmitten der ganzen Menschheit gibt es aber ein Volk, das dazu bestimmt wurde, den Weg zu zeigen: Israel, das jüdische Volk.“[ii] In der Liturgie zu Rosch HaSchana und Jom Kippur heißt es: „Nikdaschti betoch bne Jisrael“ – „Ich werde in der Mitte des jüdischen Volkes geheiligt werden.“[iii] Dieser Satz beinhaltet mindestens zwei Dimensionen: sowohl in der Mitte Israels als auch durch das Volk Israel. Praktisch bedeutet „Geheiligt werde dein Name“, dass wir unser Leben so leben, dass die Welt Gottes Heiligkeit in unserem Lebensstil erkennen kann. Wir versprechen Gott damit, so zu leben, dass die Menschen um uns herum merken, dass in unserem Leben Gott wirkt.
Ich habe oft Predigten zum Thema gehört, warum Jesus auf diese Welt kam. Christliche Publikationen und Vorträge geben unterschiedliche Antworten darauf, zum Beispiel um uns zu erlösen oder um zu sterben. Eine wichtige Dimension seines ersten Kommens erklärt Jesus selbst: „Ich habe dich verherrlicht auf der Erde; das Werk habe ich vollbracht, das du mir gegeben hast, dass ich es tun sollte. … Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast.“ (Johannes 17,4+6) Mit anderen Worten: Jesus kam, um den Namen Gottes zu heiligen, er zeigte den Menschen den Charakter Gottes.
Salomo ließ den ersten Tempel bauen. Zweitausend Jahre zuvor war bereits Abraham an diesen Platz gekommen, um den Namen Gottes zu heiligen. Er war bereit, seinen Sohn auf den Altar zu legen und dadurch legte er den Grundstein der jüdischen Tradition Kiddusch HaSchem (Heiligung des Namens Gottes). Dreihundert Jahre nach Salomo kam der Prophet Jesaja in den Tempel und hatte eine Vision: Er sah den Herrn auf dem Thron. Als er die Frage hörte: „Wen soll ich senden, und wer wird für uns gehen?“, antwortete er: „Hier bin ich, sende mich!“ (Jesaja 6,8) Mit anderen Worten sagte Jesaja: „Gebrauche mich, mein Gott!“ Das war wieder ein Akt der Heiligung des Namens Gottes.
Siebenhundert Jahre nach Jesaja brachten die jüdischen Eheleute Joseph und Mirjam (Maria) ihren Sohn Jeschua, ihren Erstling, vor Gott: „Und als die Tage ihrer Reinigung nach dem Gesetz Moses vollendet waren, brachten sie ihn nach Jerusalem hinauf, um ihn dem Herrn darzustellen.“ (Lukas 2,22) Das ganze Leben von Jesus wird zu einer totalen Hingabe und Heiligung des Namens Gottes. Wenn wir es ernst meinen, den Namen Gottes mit unserem Lebensstil zu heiligen, wenn unser Alltag ein Zeugnis für den Herrn ist, dann realisiert Gott seine Pläne durch uns. Unser Akt der Heiligung öffnet den Weg für Gottes Wirken in dieser Welt!
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