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Der „Israel-ist-schuld“-Reflex

Der „Israel-ist-schuld“-Reflex

Antizionismus
Prof. Dr. Michael Wolffsohn
Jerusalemstein _ Klagemauer - Beitragsbild

Wenn es um den jüdischen Staat geht, haben Ahnungslosigkeit und gezielte Fehlinformation in Deutschland Hochkonjunktur.

Ruhestörer

Ruhestörer – als solche wurden Juden seit jeher wahrgenommen. Früher: „Die Juden sind schuld!“, heute: „Israel ist schuld!“. Antizionismus und Antiisraelismus sind lediglich die aktualisierten Varianten des nicht wirklich „Guten alten Rischess“ (Judenhasses). Diese Mechanik funktioniert immer noch, wieder und sicher auch weiter. In Anlehnung an den verstorbenen Religionswissenschaftler Jan Assmann könnte man vom „Kulturellen Gedächtnis“ sprechen. Dazu gehören zwei anthropologische und historisch nachweisbare Konstanten.

Faktor eins: Undankbarkeit. Dankbarkeit ist selten. Oft schlägt sie in Polemik, Hass, Diskriminierung oder gar Liquidierung um. Beispiel Religion. Ohne das Judentum gäbe es weder Christentum noch Islam. Doch in der christlichen sowie islamischen Welt war und ist (!) jüdisches Leben Existenz auf Widerruf.

Faktor zwei hat der französische Meisterdenker François de La Rochefoucauld ganz ohne Judenbezug benannt: Der Täter kann seinem Opfer seine Tat nicht vergeben. Böse Zungen übertragen das so: „Auschwitz werden die Deutschen den Juden nie verzeihen.“ Das kollektive Gedächtnis wirkt hierbei von Generation zu Generation, obwohl (gerade weil?) die Nachfahren der Täter keine Täter sind.

Der Tod war „ein Meister aus Deutschland“, aber er hatte in Europa sowie in der islamischen Welt „willige Gesellen“. Bei ihnen wirkt das kollektive Gedächtnis ebenfalls. Jenseits jener Urfaktoren gibt es weitere: Subjektiv sind sie im Sinne der jeweiligen Akteure nicht antisemitisch, sie sind es aber objektiv, besser: objektivierbar in ihrer Wirkung.

Vatermord

Die teils epochalen Beiträge von Juden zur Fortentwicklung von Kultur, Gesellschaft oder Wissenschaft sind Legion. Gerade deshalb führten und führen sie zu einer Art Vatermord an „den“ Juden, zumal auch die Nachfahren der einstigen Innovatoren innovativ wirken, erfolgreich sind und deshalb beiseite geschubst werden sollen.

Historisch: die bereits ab 1933 rigorose Vertreibung jüdischer Gelehrter aus deutschen Universitäten. Aktuell: die Attacken auf Juden an den US-Elite-Universitäten, von wo aus das Phänomen sich weltweit verbreitet.

Besonders beliebt ist heute diese Variante: Juden als Rechtfertiger des Judenhasses. Dieses Modell wenden Medien gern an. Jüdische Israelfeinde finden landauf, landab überproportional Gehör. Die feinere Art bedient sich der an Israel wirklich leidenden Israelis wie Moshe Zimmermann, der als Historiker kontrafaktisch erklärt, der Zionismus hätte versagt, weil er den Juden durch den jüdischen Staat Sicherheit versprochen hätte. Irrtum!

Zweck des Zionismus

Zionismus und Israel versprachen den Juden nie außenpolitische, sondern allein innenpolitische Sicherheit im eigenen Staat. Nicht länger sollte das Leben der Juden von der Gnade der nichtjüdischen Mehrheit abhängen. Dieses Versprechen wurde eingelöst.

Was steckt eigentlich hinter …

Zionismus

Das Streben nach einem unabhängigen jüdischen Staat im uralten Heimatland. Der Begriff wurde 1890 geprägt. Die zionistische Bewegung einte Juden über politische und religiöse Unterschiede hinweg und mündete am 14. Mai 1948 in der Gründung des demokratischen Staates Israel. „Zion“ lautet der Name des Tempelberges in Jerusalem.

Biblischer Zionismus

Biblischer oder christlicher Zionismus unterstützt das Rückkehrrecht des jüdischen Volkes in das verheißene Land auf biblischer Grundlage. Die Propheten verkündigen übereinstimmend, dass Israel nach langem Exil wieder in das Heilige Land zurückkehren wird.

Zionismus vs. Ersatztheologie

Der biblische Zionismus steht im Gegensatz zur stark antisemitisch geprägten Ersatztheologie, die lange Zeit in Kirchen gelehrt wurde (und sich in manchen Gemeinden bis heute hartnäckig hält). Laut Ersatztheologie hat Israel die Beziehung zu Gott und zum verheißenen Land verloren. Als „neues Israel“ habe die christliche Kirche alle Verheißungen geerbt, die ursprünglich Israel galten. Abgesehen von Gericht und Fluch – die sollen weiterhin dem jüdischen Volk gelten.

Auszug aus der Sonderausgabe Wort aus Jerusalem: "Israel im Faktencheck"

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