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Bei den diesjährigen Gedenkveranstaltungen zum israelischen Holocaustgedenktag, dem Jom Haschoa am 08. April, kam mir ein äußerst interessanter Besuch in Chambon sur Lignon in Südfrankreich wieder in den Sinn. Dieses Dorf besuchte ich vor mehreren Jahren. Der gesamte Ort hat von Yad Vashem den Ehrentitel „Gerechte unter den Völkern“ erhalten, denn die ganze Dorfgemeinschaft beteiligte sich an der Rettung von Juden während des Holocaust. 5000 Juden, hauptsächlich Kinder, wurden von dieser kleinen Gemeinschaft überwiegend protestantischer Christen vor den Nazis versteckt.
Die Geschichte von Chambon sur Lignon ist eine Geschichte einfacher Leute, die Mut und Geradlinigkeit zeigten – Mut und Geradlinigkeit, die dringend benötigt wurden und doch insgesamt Mangelware zu sein schienen. Jeder im Dorf wusste, was auf dem Spiel stand. Wenn die Deutschen die Juden entdeckt hätten, wäre das gesamte Dorf wahrscheinlich ausgelöscht worden.
Wochen nach meinem Besuch dort sah ich einen Dokumentarfilm über diesen einzigartigen französischen Ort und seine „Verschwörung zum Guten“. Ich erinnere mich noch gut an die Aussage einer älteren Dame, die vielen Juden geholfen hatte zu überleben. Als sie gefragt wurde, warum sie das getan hätte, schaute sie den Interviewpartner verblüfft an und rief dann aus: „Aber war es nicht genau das, was wir alle tun sollten?“ Diese liebenswürdige Frau war mit einem geschärften Gewissen aufgewachsen, das nicht lange darüber nachdenken musste, was in der gegebenen Situation das Richtige war. Bedürftigen Menschen zu helfen, selbst wenn es ihr Leben kosten könnte, war einfach das, was sie von sich selbst erwartete. Als ich ihre Geschichte hörte, begann ich intensiv darüber nachzudenken, was in meinem Heimatland Deutschland schief gelaufen war.
Wie konnte es sein, dass so viele Millionen Christen während der Nazizeit nicht wussten, was sie tun sollten? Ein Grund dafür lag darin, dass viele Christen in Deutschland zuallererst Deutsche waren und erst dann Christen. Ihre ethnische und nationale Gesinnung verdrängte jegliche biblische Werte, die in ihnen vorhanden gewesen sein mochten. Aus diesem Grund nannte sich der offizielle Teil der Kirche, der offen mit den Nazis kollaborierte „Die Deutschen Christen“; zuerst kam das Deutschtum, dann das Christsein.
Die Dorfbewohner von Chambon sur Lignon waren überwiegend hugenottische Christen mit ihrer eigenen Verfolgungsgeschichte. Sie sahen ihre Identität weniger in ihrer Nationalität als in ihrem Glauben und ihren Werten, die ihre Gemeinschaft seit Generationen geprägt hatten.
Doch noch etwas anderes passierte in Deutschland Jahrzehnte vor der Machtergreifung Hitlers. Deutsche Universitäten wurden zum Nährboden dessen, was wir unter „liberaler Theologie“ verstehen. Die Gelehrten arbeiteten ganz bewusst daran, die Bibel ihrer göttlichen Urheberschaft zu entkleiden. Gestalten wie Abraham oder Mose wurden zu reinen Legenden erklärt.
Aus Wundern wurden Märchen, und diese Theologen entwickelten ein flexibles Konzept von Gott, der im eigenen Bilde eines jeden Menschen geschaffen wurde – ganz im Gegensatz zur biblischen Sichtweise, dass alle Menschen nach dem Bilde Gottes geschaffen sind. Sowohl die hebräischen Schriften der Bibel als auch das Neue Testament wurden aller übernatürlichen und göttlichen Aspekte entkleidet. Dies öffnete dem Missbrauch und Unglauben Tür und Tor. Gleichzeitig mit der Herabstufung der Bibel zu einem rein menschlichen Buch statt einer von Gott inspirierten Heiligen Schrift, „säuberten“ die Deutschen Theologen die Bibel auch von allem Jüdischen.
Ein ganzes Institut wurde in Erfurt eingerichtet, das sog. Entjudungsinstitut. Sein einziges Ziel war es, die Bibel zu „entjudaisieren“. Christus wurde von einem jüdischen Nachkommen Davids zu einem blonden arischen nationalen Befreier. Während die meisten liberalen Theologen der damaligen Zeit nicht notwendigerweise Anhänger der Nazi-Ideologie waren, untergruben sie doch die Grundlagen der jüdisch-christlichen Ethik, welche die Gesellschaft moralisch abgesichert hatte.
Heute sehen wir, wie sich die Gesellschaften in Westeuropa immer mehr von den biblischen Werten entfernen. Das macht selbst säkulare Intellektuelle besorgt, wie beispielsweise den deutschen Philosophen Jürgen Habermas von der Frankfurter Schule. Nach seiner Ansicht garantiert die Annahme, dass der Mensch nach dem Bilde Gottes geschaffen ist, die Freiheit einer Gesellschaft. So kann selbst der glühendste Atheist Gott öffentlich kritisieren und in Frage stellen und doch gleichzeitig Würde und Respekt von anderen Menschen erfahren, die auch nach Gottes Bild geschaffen sind.
In meiner eigenen Familie galten diese Prinzipien noch, als die Nazis in Deutschland die Macht ergriffen. Es war der starke biblische Glaube meiner Großmutter, Rosa Bühler, der sie dazu bewog, in kleinem Rahmen ihren jüdischen Mitbürgern Gutes zu tun.
Als die Läden in ihrer Heimatstadt sich weigerten, den Juden Lebensmittel zu verkaufen, übernahm sie die Einkäufe für ihre jüdischen Nachbarn. Als die Gestapo schließlich kam, um Juden abzuholen, stand mein Großvater mitten auf der Straße und erklärte: „Wir sollten uns schämen, dass sich so etwas in Deutschland zuträgt.“ Als Folge dieser Handlungen besuchte die Gestapo oft ihr Haus und wies meine Großeltern für ihr christliches Verhalten und ihre Hilfe an den Juden zurecht. Ende 1944 kam die Gestapo ein letztes Mal und warnte: „Wenn Sie ihre Aktionen nicht beenden, werden auch Sie in einem Konzentrationslager enden!“ Doch meine Großmutter antwortete mutig: „Herr Schmid, auch Sie haben eine ewige Seele, und eines Tages müssen Sie sich vor Gott dafür verantworten, was Sie unserem Land angetan haben.“ Die Gestapo kam nie wieder zurück.
Es war der starke Glaube meiner Großeltern an einen Gott im Himmel, der ihnen den Mut schenkte, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Es gab Tausende weitere deutsche Christen, die zu den Juden hielten. Einige landeten im Konzentrationslager und bezahlten dafür mit ihrem Leben. Doch am Ende gab es zu wenige von ihnen.
Wenn ich heute ein immer weltlicher werdendes Europa betrachte, dann bete ich für eine geistliche Erneuerung. In unserer christlichen Bibel lesen wir: „Das Endziel des Gebotes (der Torah) aber ist Liebe aus reinem Herzen und gutem Gewissen.“ (1. Timotheus 1,5)
In Europa müssen wir uns unser Gewissen erneut schärfen lassen.
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