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Die fünfziger Jahre – Staatsaufbau und Einwanderung

Die fünfziger Jahre – Staatsaufbau und Einwanderung

Staatsaufbau trotz ständiger Bedrohung - Integration von einer Million Flüchtlinge
Stephan Lehnert
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Staatsaufbau trotz ständiger Bedrohung

Der junge, unabhängige Staat Israel hatte in den frühen 50er Jahren zwei Prioritäten. Während arabische Länder Gewaltakte gegen das verhasste „zionistische Gebilde“ und grenzüberschreitende Terrorattacken auf israelische Zivilisten förderten, baute Israel seine Wirtschaft, seine Armee und seine Verteidigung auf und stärkte seine Stellung in Jerusalem. 1950 machten die Israelis Jerusalem zu ihrer Hauptstadt und verlegten ihre Regierungsinstitutionen dorthin, darunter den Sitz des Präsidenten, den Sitz des Ministerpräsidenten, die Knesset (das Parlament) und den Obersten Gerichtshof. 1951 wurde der jordanische König Abdallah I., der 1948 das Westjordanland besetzte, in Jerusalem von einem arabischen Attentäter erschossen, der fürchtete, dass Abdallah Friedensgespräche mit Israel plante.

Integration von einer Million Flüchtlinge

Das zweite dringliche Anliegen war es, alle bedrängten jüdischen Flüchtlinge ins Land zu bringen, denen die britische Mandatsmacht die Einreise verwehrt hatte. Zu Beginn lag der Fokus auf den 250.000 Holocaust-Überlebenden, die in Europa noch immer in Flüchtlingslagern festsaßen. Diese europäischen Juden hatten alles im Holocaust verloren – ihre Heimat, ihren Besitz und auch ihre Familien. Viele hatten keinen einzigen lebenden Verwandten mehr. So wurde eine Welle mittelloser Waisen in das ums Überleben kämpfende Land mit 660.000 Bewohnern gespült. Die „einheimischen“ Israelis waren größtenteils aschkenasische Juden mit sozialistischen Tendenzen. Sie waren in den Jahrzehnten vor der Staatsgründung gekommen und verfolgten den utopischen Traum, eine egalitäre Gesellschaft aufzubauen. Nun standen sie vor der Herausforderung, für die Überlebenden der Schoah zu sorgen.

Vertreibung sephardischer Juden

Nach Israels Sieg im Unabhängigkeitskrieg 1948 vertrieben viele arabische und islamische Staaten die jüdischen Gemeinden, die seit mehr als 2.000 Jahren in ihren Ländern gelebt hatten. Anfang der 50er Jahre kamen mehr als 800.000 sephardische Juden (spanischer und orientalischer Herkunft) nach Israel, viele zu Fuß. Von Marokko bis in den Iran mussten Juden ihre Habe zurücklassen und gehen. Viele lebten in Israel jahrelang in Zelten. Schon früh gab es soziale Spannungen zwischen aschkenasischen und sephardischen Juden, die bis heute andauern. Doch die Nation schaffte es, diese gewaltige Einwanderungswelle erfolgreich zu integrieren.

Der Kalte Krieg

Im Kalten Krieg verbündete Israel sich trotz vieler russischer Einwanderer mit den Westmächten. Die wichtigsten arabischen Staaten wurden Alliierte der Sowjetunion. Frankreich lieferte Israel Waffen und half beim Aufbau seines nuklearen Forschungsprogramms, während der Kreml die arabischen Armeen bewaffnete und ausbildete.

Die Suez-Krise

Der von den Sowjets unterstützte ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser verstaatlichte den von den Briten und Franzosen gebauten Suezkanal und blockierte den Seeweg. Großbritannien und Frankreich verbündeten sich mit Israel, um den Seetransportweg zurückzugewinnen. Im Oktober 1956 brach der Suezkrieg aus, in dem Israels Militär schnell vorstoßen konnte. Aus Angst vor einem nuklearen Kräftemessen zwischen Ost und West drängten die USA Frankreich und Großbritannien dazu, das Waffenstillstandsabkommen der Vereinten Nationen zu akzeptieren und sich aus der Region zurückzuziehen. Unter internationalem Druck musste sich auch Israel aus eroberten Gebieten wieder zurückziehen – ein Muster, das sich in den vielen folgenden Konflikten wiederholen sollte.

Annäherung zwischen Israel und Deutschland

Die Beziehungsanbahnung zwischen dem jüdischen Staat und der Bundesrepublik Deutschland war mühsam, schmerzhaft, teilweise abenteuerlich und hoch emotional. Historiker und Experten bezeichnen die heute recht entspannten Beziehungen beider Länder angesichts der schwierigen Anfänge als ein Wunder. Bundeskanzler Konrad Adenauer übernahm 1951 vor dem Deutschen Bundestag Verantwortung für die Verbrechen Nazi-Deutschlands am jüdischen Volk. Gegen große Widerstände schlossen Israel und Deutschland 1953 das Luxemburger Abkommen („Wiedergutmachungsabkommen“). Die Bundesrepublik Deutschland verpflichtete sich darin zu moralischer und materieller Wiedergutmachung. Das Abkommen stellte den ersten Meilenstein auf dem schwierigen Weg der Aufnahme diplomatischer Beziehungen beider Länder im Jahr 1965 dar.

Der Artikel „Beziehungsanbahnung mit Höhen und Tiefen“ auf www.icej.de gibt einen ausführlicheren Einblick in die Anfänge der deutsch-israelischen Beziehungen.

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