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Yair Jablinowitz ist Major der israelischen Armee. Über seine Erfahrungen berichtete er bei der Israel-Gebetskonferenz der ICEJ und für die Fernsehserie Faszination Israel.
Yair hatte nichts gehört. Was soll passiert sein? Seine vier kleinen Kinder spielen friedlich im Zimmer hinter ihm. Seine Frau schläft noch. Jerusalem döst in der warmen Morgensonne.
Erste Gerüchte „Etwas Schlimmes ist passiert im Süden“, behauptet der Nachbar und gibt die ersten Gerüchte weiter: „In Sderot sind wohl 12 Leute ermordet worden. Mach dein Telefon an. Vielleicht wirst du einberufen.“ Wie bei den meisten gläubigen Juden bleiben auch bei Yair an Schabbat Telefon, Radio und Fernseher stumm.
12 Tote? Das ist wirklich schlimm. Aber Yair glaubt nicht, dass er einberufen wird. Er ist Fallschirmjäger in Reserve, sein Wehrdienst liegt viele Jahre zurück. „Wenn sie mich rufen, müsste es schon sehr brenzlig um Israel stehen“, wehrt er ab. Aber er macht sein Handy an. Da ploppt bereits Code Red auf – der Einberufungsbefehl, höchster Dringlichkeit.
Raketenbeschuss Yair weckt seine Frau, versucht ihr schonend beizubringen, dass er sofort einrücken muss. „Irgendwas ist im Süden“, beschwichtigt er, „wohl eine Terroristenattacke.“ Da heulen ringsum die Sirenen auf. „In diesem Moment war klar, dass etwas wirklich Schreckliches vor sich geht. Denn wir hatten bis dahin praktisch nie Raketenangriffe auf Jerusalem.“
Die Hamas feuert an diesem Tag binnen weniger Stunden über 3.000 Raketen auf Ortschaften in ganz Israel ab. Doch der Raketenterror ist nur die Ablenkung für ein noch weitaus größeres Verbrechen: Die Hamas massakriert an diesem Tag über 1.200 Menschen, Männer, Frauen, Kinder, verschleppt 251 Personen in den Gazastreifen.
Schwerer Abschied Doch davon ahnt Yair nichts, als er seine Frau und seine vier Kinder noch einmal in die Arme nimmt – und dann allein lassen muss in dieser ungewissen Situation. Er rechnet damit, am Abend wieder zuhause zu sein. Er trägt jetzt seine Militäruniform, steckt vorsichtshalber aber eine zweite Garnitur Unterwäsche ein, falls er über Nacht bleiben muss – es werden über 150 Nächte, ehe er aus dem Reservedienst zurückkehren kann.
Zweiter Einsatz Als das Filmteam von Faszination Israel sich über ein Jahr nach dem Hamas-Angriff mit Yair trifft, ist der Familienvater erneut im Einsatz, diesmal in einem Militärlager im Norden des Landes, um Israel gegen die Hisbollah-Angriffe aus dem Libanon zu verteidigen. Yair führt Moderator Gottfried Bühler und sein Kamerateam durch die streng geschützte Armeestation. Panzer stehen abfahrtsbereit, dazwischen Soldaten, natürlich in Uniform.
Die Terroristen hingegen kämpfen in zivil – und das ist ein großes Problem, erläutert Yair. „Ihre Strategie ist es, sich mit der Zivilbevölkerung zu vermischen.“ Junge Terroristen in Jeans und T-Shirt feuern aus zivilen Gebäuden auf die Soldaten, schießen Raketen aus Wohnhäusern, Kindergärten, Kliniken ab. „Schießen unsere Soldaten zurück, heißt es, unschuldige Zivilisten wurden ermordet.“
Recht auf Verteidigung Man vermutet, dass bis Ende 2024 über 17.000 Terroristen eliminiert wurden. Yair bestreitet nicht, dass auch Zivilisten im Gazastreifen sterben. „Wir befinden uns in einem Krieg“, gibt er zu Bedenken. „Krieg ist immer schrecklich und natürlich kommen dabei auch Zivilisten um. Aber wir haben diesen Krieg nicht begonnen“, erinnert der Major. „Wenn man den schlimmsten Angriff auf Juden seit dem Holocaust durchführt, sollte man besser damit rechnen, dass wir uns wehren und unsere Geiseln zurückholen möchten.“
Zum Schutz der Zivilisten warnt die israelische Armee die Bevölkerung, Gebäude oder Gebiete zu verlassen, bevor sie angegriffen werden – oft ganz direkt per Smartphone. Über 100.000 Telefonate hat die IDF dafür bis Ende 2024 getätigt, fünf Millionen Textnachrichten und 17 Millionen Sprachnachrichten versandt. Außerdem wurden 9,3 Millionen Flugblätter über den Zielgebieten abgeworfen. „Deshalb dauert der Krieg auch so lange“, erklärt Yair. „Denn die Vorwarnung gibt natürlich auch den Terroristen Zeit zur Flucht.“
Hoher Preis Diese Vorgehensweise der israelischen Armee ist weltweit einmalig. Militärexperten bezeichnen die IDF deshalb als humanste Armee der Welt. Doch Israel bezahlt die Vorwarnungen mit dem Leben seiner oft sehr jungen Soldaten, denn die Ziel-Ankündigungen erleichtert es der Hamas, tödliche Fallen vorzubereiten.
Seit dem 7. Oktober bis Ende 2024 starben 921 israelische Soldaten im Einsatz, 5.569 wurden verletzt. Auch die psychische Belastung ist groß. 38 Soldaten setzten ihrem Leben selbst ein Ende.
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