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Es fällt heute, fünfzig Jahre später, schwer, sich die schmerzhafte Teilung Jerusalems zwischen 1948 und 1967 vorzustellen. Gegenwärtig strotzt die israelische Hauptstadt nur so vor Geschäftigkeit und Lebensfreude. Doch Alteingesessene berichten, dass das Leben während der neunzehnjährigen Teilung extrem schwierig war – dabei standen sich die Israelis auf der einen und die Jordanier auf der anderen Seite gegenüber.
Die jüdischen Bewohner der Stadt waren 1948 natürlich sehr erleichtert, als die Ankunft der Hilfskonvois auf der alternativen „Burma-Route“ die Blockade Westjerusalems beendete. Doch in den folgenden zwei Jahrzehnten blieb die jüdische Hälfte der Stadt auf drei Seiten bedrohlich umlagert – von arabischen Truppen. Nur ein schmaler Korridor durch die Hügel verband Jerusalem mit dem Rest des Landes. Die Bewohner der Hauptstadt sahen sich immer noch durch Scharfschützenfeuer jordanischer Soldaten bedroht, die sich auf den Altstadtmauern niedergelassen hatten. Arabische Artilleriestellungen dominierten die Hügel um die jüdische Stadthälfte. Viele Häuser und Geschäfte ließen ihre Fenster zugenagelt. In einigen Stadtteilen gab es immer noch nächtliche Sperrstunden.
Die größte Not der jüdischen Bevölkerung bestand darin, dass sie weder die Altstadt noch die Westmauer erreichen konnte. Jordanische Soldaten hatten das jüdische Altstadtviertel während der Kämpfe 1948 mit vorgehaltener Waffe ethnisch gesäubert. Jüdische Gräber wurden entweiht und Synagogen zerstört. Illegale arabische Siedler errichteten Wellblechhütten vor der Westmauer. Unzählige Bunker, Betonmauern, Minenfelder und Stacheldrahtzäune reihten sich im Niemandsland aneinander und durchschnitten die Stadt in zwei Hälften. Die Hauptstraße zum Jaffa-Tor endete in einer Sackgasse mitten im Kriegsgebiet.
Auch die alteingesessenen christlichen Gemeinschaften Jerusalems sahen sich unter jordanischer Herrschaft Repressalien ausgesetzt. Christen durften die Altstadt Jerusalems und Bethlehems nur zu Weihnachten und Ostern betreten. Sie konnten kein Land erwerben. Christliche Schulen mussten Koran-Unterricht erteilen. Über die Hälfte der 25 000 arabischen Christen in Ostjerusalem verließ aufgrund dieser Repressalien zwischen 1949 und 1967 die Stadt.
Doch dann kam der Sechstagekrieg. Israelische Truppen errangen einen überraschend schnellen und vollständigen Sieg über fünf arabische Armeen und befreiten ihre geliebte Stadt Jerusalem. Nach zwei Jahrzehnten der Teilung, der Isolation und der Vernachlässigung konnte das wiedervereinigte Jerusalem erneut wachsen und aufblühen.
Dieses Jahr feiert das israelische Volk den fünfzigsten Jahrestag der Wiedervereinigung der Stadt. Dieser unglaubliche Moment wurde durch das Lied „Jerusalem aus Gold“ verewigt. Es ist zudem einhundert Jahre her, dass der britische General Edmund Allenby die Stadt von einer weiteren muslimischen Vorherrschaft befreite – von der Dominanz der osmanischen Türken. Diese beiden großen Meilensteine in der Geschichte des modernen Jerusalem zeigen, dass es einen Zyklus des Jubeljahres für die Stadt Gottes gibt. Er treibt sie voran und lässt sie ihr höchstes Ziel erreichen – in Gott selbst.
Die Bibel beschreibt das Jubeljahr als einen besonderen Zeitabschnitt, der all fünfzig Jahre auftritt. In biblischer Zeit musste das Land Israel dann von allen Pachtverhältnissen und Grundstücksbelastungen befreit werden. Allen Einwohnern wurden ihre Schulden und ihr Leibeigenschaft erlassen. Nach den Anweisungen aus 3. Mose 25 musste das Land an seine ursprünglichen Eigentümer zurückgegeben werden. Jahrhunderte lang konnte Israel kaum alle Anforderungen des Jubeljahres erfüllen. Doch heute dürfen wir erkennen, dass Gott selbst immer noch in den Zyklen des Jubeljahres handelt. Da Jerusalem nun vor einhundert Jahren eine dramatische Befreiung erlebt hat und eine weitere vor 50 Jahren, dürfen wir auch dieses Jahr eine erneute wunderbare Freisetzung dieser Stadt erwarten. Langsam aber sicher drängt Gott die Kräfte zurück, die eine heidnische Kontrolle über Jerusalem fortsetzen würden. So kann diese Stadt endlich ihre Bestimmung unter jüdischer Herrschaft erfüllen. Diese Bestimmung besteht darin, der Thron des Messias und ein „Haus des Gebets für alle Völker“ zu sein (Jesaja 56,7; Lukas 19,46; siehe auch Psalm 2,6; Jesaja 2,3, Jesaja 24,23 und Offenbarung 14,1).
Eine biblische Schlüsselpassage ist in diesem Zusammenhang Psalm 102. Dort heißt es, dass es eine bestimmte Zeit göttlicher Gnade und Gunst für Zion gebe. In Vers 17 erklärt der Psalmist: „Denn der HERR wird Zion aufbauen, er wird erscheinen in seiner Herrlichkeit.“ Zwei Verse später sagt der Psalmist, dass dies „für die künftige Generation“ aufgeschrieben wurde. Im hebräischen Urtext stehen dort die Worte „dor acharon“, zu Deutsch „letzte Generation“. Daher bezieht sich dieser Psalm auf die Wiederherstellung Israels in der Endzeit und insbesondere auf die jüdische Heimkehr nach Jerusalem.
Der Name „Zion“ erscheint ungefähr 170 Mail in der Bibel und bezieht sich grundsätzlich auf Jerusalem. Doch das hebräische Wort tzion (צִיּוֹן) bedeutet eigentlich ein „verbrannter oder ausgetrockneter Ort“ und verweist damit noch spezifischer auf den Berg Zion, auf dem der Tempel und der Opferaltar standen. Seit ihrer ersten Erwähnung in der Bibel (1. Mose 14,18 und 22,2) haben diese Stadt und dieser Berg immer etwas mit Gottes Erlösungsplan zu tun. Schließlich ließ Gott dort seine Herrlichkeit (Schechina) wohnen und gab später sein eigenes Leben als Lösegeld für die Sünden der Menschheit, genau auf diesem Berg.
Auch heute baut der Herr Zion wieder auf, um seine Erlösungspläne zu erfüllen. Doch er tut dies durch das jüdische Volk. Die Bibel bezeichnet die Juden als die „Erbauer“ Jerusalems. Wir können dies aus den Büchern Esra und Nehemia ableiten, ebenso wie aus der sehr eindrücklichen Schriftstelle in Psalm 118,22. Auch Psalm 147,2 betont, dass der Herr Jerusalem dadurch aufbaue, dass er „die Zerstreuten Israels sammelt.“ Dieses Werk verfolgt der Herr mit großer Leidenschaft, mit „großem Eifer“ (Sacharja 1,14; 8,2).
Schließlich wissen wir, dass „aus Zion der Retter kommen“ wird, „der die Gottlosigkeiten von Jakob abwenden wird“(Römer 11,26; siehe auch Psalm 14,7; Psalm 53,6 und Jesaja 59,20+21). Am selben Ort, an dem sie einst ihren Messias abgelehnt haben, werden die Juden ihn nun als ihren König empfangen.
Zweifellos ist dies der Grund dafür, dass ein so intensiver diplomatischer Kampf um das Schicksal Jerusalems tobt. Im Kern handelt es sich jedoch um einen geistlichen Konflikt. Der neue US-Präsident Donald Trump hat den Willen bekundet, die Amerikanische Botschaft von Tel-Aviv nach Jerusalem zu verlegen. Viele arabische und islamische Führungspersönlichkeiten sind erbost darüber und drohen mit gewalttätigen Reaktionen. Doch im Jubeljahr können wir um göttliche Gnade und Gunst beten und sie auch erwarten – damit die ganze Stadt wieder in die Hände ihrer ursprünglichen Eigentümer zurückkehrt und ihren Platz in Gottes Erlösungsplan einnehmen kann.
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