MENÜ

Dvora Weinstein war fünf Jahre alt, als ihre Kindheit endete. Bei der Gedenkfeier der Internationale Christliche Botschaft Jerusalem zum Internationalen Holocaust-Gedenktag erzählte die 89-jährige Zeitzeugin ihre Überlebensgeschichte.
1936 kommt Dvora in einer jüdischen Familie in Bessarabien zur Welt. Ihre Mutter ist Schneiderin und sehr beschäftigt. Deshalb wächst Dvora bei ihren Großeltern auf, „verwöhnt und verhätschelt, wie es bei Großeltern üblich ist.“
Ihre behütete Kindheit endet in einer Nacht des Jahres 1941, als alle Männer unverzüglich zur russischen Armee einberufen werden, zum Krieg gegen Deutschland, auch Dvoras Vater.
Der Krieg überrollt ihr Städtchen. Am frühen Morgen brennt der Ort, die Flammen greifen bereits auf ihr Haus über. Dvoras Mutter gelingt es noch, die Nähmaschine aus den Flammen zu retten. Die Schneiderin ahnt, dass von dieser Nähmaschine einmal das Überleben ihrer Kinder abhängen wird.
Rumänische Milizen treiben die Juden zusammen. „Sie hatten mit Hitler einen Pakt geschlossen, die Juden zu beseitigen. Egal wie“, erzählt Dvora. „Sie beschlossen, uns einfach marschieren zu lassen.“ Tagelang. Wochenlang. Monatelang. Hunderte Kilometer kreuz und quer durch das Land. Ohne Verpflegung, bald mit zerfetzten Schuhen, der Winterkälte ausgeliefert. Gegen den Durst essen sie Schnee. Viele sterben, doch immer neue Juden aus anderen Orten Bessarabiens werden von deutschen und rumänischen Wachmannschaften hinzugetrieben.
Abends hält der Tross, morgens werden die Verhungerten und Erfrorenen eingesammelt. „Vorher nahmen die Überlebenden den Toten die Kleider weg, denn Kleider waren kostbarer als Gold“, berichtet Dvora. An manchen Tagen sinkt die Temperatur auf minus 25 Grad.
In einer Dezembernacht stirbt Dvoras Großvater. Ehe Dvoras Mutter seinen toten Körper zum Leichenkarren schleppt, zieht sie auch ihm die Kleider aus. „Ohne Gebet. Es gab keine Tränen. Niemand konnte mehr weinen. Ihr Herz war schon Stein.“
Einmal fordern die Bewacher auf, alle Kinder auf einen Pferdekarren zu setzen. „Meine Mutter brachte mich und meine zwei Jahre ältere Schwester Riva zum Wagen“, erzählt Dvora. Es ist viel bequemer als zu Fuß.
Doch als der Wagen die Gruppe der Erwachsenen hinter sich lässt und auf ein Lagertor zufährt, beschleicht die Fünfjährige ein ungutes Gefühl. „Ich gehe nicht ohne meine Mutter durch dieses Tor“, erinnert sich Dvora an ihre Gedanken. „Ich sagte meiner Schwester, sei schnell und leise! Wenn sie uns sehen, sind wir tot. Dann nahm ich ihre Hand und sprang mit ihr vom Wagen.“ Es gelingt den Kindern, unbemerkt zurück zur Mutter zu gelangen. Alle anderen Kinder fuhren in den Tod, erfährt Dvora später.
Dvora reagiert auf die ständige Bedrohung mit gesteigerter Wachsamkeit, die Fünfjährige beobachtet ihre Umgebung. Versucht ständig, Gefahren zu erkennen oder Chancen zu nutzen. Ihre Schwester hingegen zieht sich zurück. Furchtsam klammert sie sich am Bein der Mutter fest. „Sie hing immer an Mamas Bein. So ist sie aufgewachsen, an ihrem Bein.“
Eines Tages erfrieren die Füße ihrer Schwester, Riva ist gelähmt, kann nicht mehr gehen, nicht einmal mehr stehen. Dvoras entkräftete Mutter schleppt immer noch die Nähmaschine, jetzt schleppt sie die Maschine und ihre Tochter. Dvora hilft beim Tragen.
Während des langen Todesmarschs kommen 150.000 Juden durch Kälte, Hunger und Entkräftung ums Leben, dokumentiert später die Holocaustgedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. Insgesamt werden in den Gebieten unter rumänischer Kontrolle im Pakt mit Nazi-Deutschland 400.000 Juden ermordet.
Im Spätwinter endet der Marsch schließlich in einem Ghetto in der Ukraine. Weil es nichts zu essen gibt, schleicht sich Dvoras Mutter mit ihrer Nähmaschine aus dem Lager, um Brot zu verdienen. Bis sie wiederkommt, soll sich Dvora um ihre gelähmte Schwester kümmern.
Riva muss gewickelt werden. Jeden Morgen wäscht Dvora die einzige Windel ihrer älteren Schwester im Schnee und trocknet das Tuch in der Kälte so gut es geht mit der Wärme ihrer eigenen Hände. Den Rest des Tages warten die Kinder auf die Rückkehr der Mutter. Sie hungern und frieren. Alle paar Tage kehrt die Mutter nun mit Essen ins Ghetto zurück, versorgt die Kinder so gut sie kann und schleicht dann wieder aus dem Lager. Jedes Mal riskiert sie ihr Leben.
„Meine Schwester sprach nicht mehr. Sie weinte nicht mehr. Sie beschwerte sich nicht“, erinnert sich Dvora. Und eines Morgens, während die Mutter fort ist, wacht Riva nicht mehr auf.
„Ich habe sie zugedeckt und sie umarmt“, erzählt Dvora. Sie spricht mit ihrer toten Schwester, pflegt sie, wickelt sie und schläft nachts an ihrer Seite, damit niemand im überfüllten Quartier merkt, dass Riva tot ist. Ihre Schwester soll nicht auf den Leichenkarren geworfen werden. Sie soll doch da sein, wenn Mama wiederkommt.
Eines Tages ist die Mutter wieder zurück. „Sie sagte: Wach auf, Riva, ich bringe Essen. Da habe ich ihr gesagt, Riva braucht kein Essen mehr.“
Die Mutter zieht ihrer kleinen toten Tochter stumm die Kleider aus und legt sie dann auf den Leichenwagen, erinnert sich Dvora. „Mama weinte nicht.“
Als die Schneiderin dieses Mal das Ghetto verlässt, nimmt sie Dvora mit. Sie zeigt ihrer Tochter, wie man näht. Gemeinsam schlagen sie sich mit Näharbeiten durch bis zur Befreiung 1944.
Dvora ist neun Jahre alt, als sie in ihre Heimat Chotyn zurückkehren. Doch von ihrem Haus stehen nur noch Ruinen. 1945 kehrt der Vater zurück. Er ist verletzt und traumatisiert. „Er war nicht mehr derselbe“, fasst Dvora zusammen. „Aber wir waren wieder eine Familie.“ Vor der Schoah lebten 19.000 Juden in ihrer Heimatstadt. Nur 500 Chotyner Juden überlebten.
Ihre Mutter bringt noch ein Kind zur Welt, einen Sohn. Doch der kleine Junge wird bald krank und es ist kein Geld für Penicillin da. Das Kind stirbt.
Nach der Staatsgründung 1948 wandert die Familie nach Israel aus. Erst Dvora, in einer Kindergruppe, dann die Eltern. Dvora heiratet bereits mit 17 Jahren. Sie schenkt einem Sohn und einer Tochter das Leben. „Ich habe meinen eigenen Stamm gegründet“, sagt sie und lächelt: „Fünf Enkel und zehn Urenkel. Das ist mein persönlicher Sieg über Hitler.“
Dvora Weinstein hat eine Organisation für Kinder in Not gegründet. Wir möchten ihre Arbeit unterstützen. Bitte spenden Sie dafür mit dem Verwendungszweck "HOLOCAUST-ÜBERLEBENDE"
Rena Quint wird im Dezember 1935 in der polnischen Stadt Piotrkow geboren. Mit dem Einmarsch der Deutschen beginnt für ihre Familie die Katastrophe.
Rena Quint wird im Dezember 1935 in der polnischen Stadt Piotrkow geboren. Mit dem Einmarsch der Deutsch...
Dieser Ort ist mehr als ein einfacher Hügel. Er wurde nachTheodor Herzl (1860 – 1904) benannt, dem Wegbereiter und Visionär des modernen Staates
Israel.
Dieser Ort ist mehr als ein einfacher Hügel. Er wurde nachTheodor Herzl (1860 - 1904) benannt, dem Wegbe...
Die Bibel bietet eine weit größere Vision für Frieden – den „Highway“ der Versöhnung:
Die Bibel bietet eine weit größere Vision für Frieden – den „Highway“ der Versöhnung:
Die Fixierung der UNO und der EU auf eine Zweistaatenlösung mit einem „judenfreien“ palästinensischen Gebiet.
Die Fixierung der UNO und der EU auf eine Zweistaatenlösung mit einem „judenfreien“ palästinensischen Ge...
Lokale Koexistenz-Projekte zeigen: Echter Frieden entsteht nicht durch Spaltung, sondern durch Verständnis und Begegnung. Drei Beispiele:
Lokale Koexistenz-Projekte zeigen: Echter Frieden entsteht nicht durch Spaltung, sondern durch Verständn...
Der Grenzverlauf ist strittig, auch der Status Jerusalems. Israels Hauptstadt wird von Palästinensern ebenfalls als Hauptstadt beansprucht.
Der Grenzverlauf ist strittig, auch der Status Jerusalems. Israels Hauptstadt wird von Palästinensern eb...