MENÜ

Dr. Tal Nir ist Kinderarzt. Er ist im Kibbuz Degania geboren, einem sehr säkularen Kibbuz in Israel. Seine Mutter, eine Holocaust-Überlebende, kam in den Niederlanden zur Welt. Als die Nazis einmarschierten, wurde sie – als kleines Kind – bei den nicht-jüdischen Nachbarn versteckt. Das Mädchen überlebte den Holocaust, aber sie hat sehr, sehr gelitten.
In ihrer Verzweiflung hatte sie beschlossen, mit G_tt ein Geschäft zu vereinbaren: „Obwohl ich so leide, werde ich jeden Abend das Schma Israel beten“, versprach sie Gott. „Und du, lieber G_tt, du schützt meine Eltern und Geschwister und bringst sie wieder heil zurück.“
Doch als der Holocaust zu Ende war, musste sie feststellen, dass ihre Eltern und Geschwister ermordet wurden. Sie wandte sich an G_tt und warf ihm vor: „Ich habe meinen Teil des Geschäfts getan. Aber du hast sie nicht geschützt. Ich will mir dir nichts mehr zu tun haben!“
Als ihr Sohn, Dr. Nir, an einem Holocaust-Gedenktag mit seiner großen Familie, vier Söhnen und vier Töchtern, bei seiner Mutter saß, erzählte sie ihm diese Geschichte. Da sagte er zu ihr: „Es stimmt, G_tt hat seinen Teil nicht so erfüllt, wie du es vorgesehen hattest. Aber schau dich um: An diesem Tisch sitzen die Nachkommen deiner Eltern und deiner Geschwister. Wir tragen sogar zum Teil die gleichen Namen. Also haben sie im geistlichen Sinne doch überlebt.“
Damit war die Mutter einverstanden – aber nicht ganz. Sie blieb doch unversöhnt mit G_tt.
Als sie eines Tages im Sterben lag, rief ihre nicht-jüdische Pflegerin bei Dr. Nir an und sagte zu ihm: „Deine Mutter wird sich in den nächsten Minuten von uns verabschiedet.“ Gläubige Juden beten im Sterben das Schma Israel, wenn es ihnen möglich ist. Dr. Nir bat deshalb die Pflegerin: „Gehe hinaus, suche eine gläubige Frau, die mit ihr das Shma Israel betet.“
Das tat die Pflegerin. Sie stieß gleich vor der Türe auf eine gläubige Jüdin, die dann mit der Sterbenden das Gebet sprach, Wort für Wort. Erst als das Gebet zu Ende war, tat die Mutter ihren letzten Atemzug.
Unsere Gebete werden gehört – aber nicht immer so verwirklicht, wie wir es gerne hätten. Im 3. Buch Mose wird über die Aufgaben und Arbeiten der Kohanim, der Priester im jüdischen Tempel, gesprochen. Dabei geht es hauptsächlich über die Opfergabe. Unsere Weisen sagen, dass wir seit der Zerstörung des Tempels die Möglichkeit haben, diese besonderen Opfergaben mit unseren Gebeten zu ersetzen: Unsere Gebete werden auf dieser Welt wirken und die Welt zu einem heiligen Ort machen, genauso wie die Opfer der Priester im Tempel damals. Ja, Gebete haben eine ganz besondere Kraft.
Mose war es nicht erlaubt, das verheißene Land zu betreten, erzählt uns die Tora. Die Überlieferung berichtet vom Gebet, das Mose sprach, als die Juden an der Grenze zu Israel standen. Mose bat: „Lieber G_tt, verzeih mir und lass mich in dieses heilige Land. Ich möchte meine Aufgaben in diesem heiligen Land erfüllen.“
Da sagte G_tt zu Mose: „Bitte höre auf mit deinem Gebet. Denn wenn du weiterbetest, dann müsste ich deine Gebete erhören. Ich weiß aber, dass das nicht gut wäre für dich. Ich gebe dir die Möglichkeit, deine Aufgaben in der Wüste zu erfüllen, so wie die Juden später im heiligen Land. Aber höre jetzt auf mit deinen Gebeten, denn ich kann deinen Gebeten nicht widerstehen.“
Wenn wir G_tt wirklich sehr intensiv und hartnäckig bitten, ist G_tt manchmal sogar bereit, seine Pläne zu ändern – auch wenn er weiß, dass es für uns am Ende nicht das richtige wäre. Wir dürfen aber immer wissen: G_tt nimmt unsere Gebete an und tut alles, damit sie erhört werden.
Die Tora berichtet, wie die Juden aus dem ersten Exil aus Ägypten befreit wurden. G_tt hat die Leiden seines Volks in Ägypten gesehen und ihr Geschrei, ihre Gebete, erhört. G_tt konnten ihrem Flehen nicht widerstehen und war, wenn man das so sagen kann, fast gezwungen, die Juden aus Ägypten zu retten.
Deshalb lasst uns heute bitte genau das Gleiche tun: Beten wir zum lieben G_tt – heute, jetzt, morgen, jeden Tag, jede Sekunde – damit Er unser Geschrei hört und uns endlich aus dieser schwierigen Zeiten befreit, aus diesem Exil, in dem wir uns jetzt befinden und von diesem schrecklichen Krieg in Israel. G_tt soll uns endlich den Messias schicken und damit die richtige, vollständige Erlösung für die ganze Welt bringen.“
Shneur Trebnik lebt in Ulm. Er ist Gemeinde-Rabbiner der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg (IRGW), zuständig für Ost-Württemberg und Polizeirabbiner für ganz Württemberg. Rabbiner Trebnik wurde 1975 in Kfar Chabad in Israel geboren, wo bereits sein Urgroßvater und sein Großvater als Rabbiner tätig waren. Lehrvideos von Rabbiner Trebnik gibt es auf YouTube, „Jüdische Weisheiten“.
Jerusalem existiert als irdische und himmlische Stadt. Einen sprachlichen Hinweis gibt die duale Plurale...
Bethlehem - Sowohl König David als auch sein Nachfahre Jesus erblickten in Bethlehem im „Haus des Brotes...
Loblieder leiten sich ab von
הלל [ hallel ] : rühmen, loben, preisen.
Gideon und Nellie Bayer berichteten über den Abschied von ihrem Sohn Urija, der als deutscher Christ in ...
Präsident Dr. Jürgen Bühler führte eine Delegation der ICEJ in das drusische Dorf Kisra nahe der libanes...