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Rund 300 Juden und Christen haben Ende Januar in Stuttgart der sechs Millionen jüdischen Opfer sowie der Überlebenden des Holocaust gedacht und ein öffentliches Zeichen der Solidarität mit dem jüdischen Volk und mit Israel gesetzt. Die Internationale Christliche Botschaft Jerusalem (ICEJ) veranstaltete die Gedenkfeier als Auftakt zum Internationalen Holocaust-Gedenktag, der seit 2005 jedes Jahr am 27. Januar begangen wird, dem Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau.
Besonderer Ehrengast war der Holocaustüberlebende Josef Aron aus Jerusalem. Gemeinsam mit Stephan Lehnert, Büroleiter der ICEJ, legte er einen Kranz vor der Synagoge, dem Zentrum jüdischen Lebens in Stuttgart, nieder. Sehr bewegend war ein gesungenes Gebet des Kantors der jüdischen Gemeinde, Nathan Goldman. „Dass heute wieder jüdisches Leben in Deutschland stattfindet, ist das größte Wunder der Nachkriegszeit“, betonte Gottfried Bühler, Vorsitzender der ICEJ Deutschland. ICEJ-Sprecher Christoph Scharnweber äußerte Respekt vor der Aufbauleistung, die durch Holocaustüberlebende und deren Nachkommen in Israel geleistet wurde.
Anschließend folgte ein „Marsch der Erinnerung“ von der Synagoge zur Liederhalle. In den dort von Gottfried Bühler geleiteten Podiumsgesprächen machten die Gäste auf sehr persönliche Weise deutlich, dass sich Antisemitismus heute in Deutschland wieder zunehmend manifestiert, oft unter dem Deckmantel der „Israelkritik“.
„In der Vergangenheit war es nicht so schlimm, wie in den letzten zwei, drei Jahren“, berichtete Michael Kashi, Vorstandsmitglied der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg (IRGW) und zählte einige der in dieser Zeit verübten antisemitisch motivierten Sachbeschädigungen auf. Unter dem bestürzten Gemurmel der Zuhörer las er heftige Zitate wie „Ich hoffe, der Iran baut eine Atombombe. Judas verrecke!“ aus einem der vielen Hassbriefe vor, die regelmäßig im Briefkasten der jüdischen Gemeinde landen.
Besonders bewegend war das Gespräch mit dem Ehrengast Josef Aron. Der 83-jährige Holocaustüberlebende, der als Kind grausame Misshandlungen im KZ Bergen-Belsen durchlitt, war aus Jerusalem angereist, um gemeinsam mit Yudit Setz, ICEJ-Leiterin des Heims für bedürftige Holocaustüberlebende in Haifa, an der Gedenkfeier teilzunehmen und an Schulen in Deutschland als Zeitzeuge vom Holocaust zu berichten. „Ich liebe Deutschland“, versicherte Josef. „Ich habe Deutschland vergeben.“ Die Anwesenden bedankten sich bei ihm mit Standing Ovations.
Zu Wort kam auch Yassir Eric, ehemaliger militanter Islamist und Leiter des Europäischen Instituts für Migration, Integration und Islamthemen (EIMI) in Korntal. Der gebürtige Sudanese sagte sich 1990 vom Islam los, wurde Christ und warnt seither vor dem Einfluss eines theologisch motivierten Judenhasses in der muslimischen Gesellschaft, der ungefiltert nach Deutschland importiert werde. „Wir lassen es zu, dass hier im Land Kinder antijüdisch erzogen werden“, gab Eric zu bedenken. Bei Anti-Israel-Demonstrationen in Deutschland werde offen das Abschlachten von Juden verherrlicht. „Dass es in diesem Land wieder Antisemitismus gibt und der Holocaust als Vogelschiss bezeichnet wird, ist eine Schande“, stellte Eric klar und monierte das Wegsehen der Mitte der Gesellschaft und der Regierung als falsch verstandene Toleranz: „Wir haben ein Problem. Nur politisch korrekt zu sein, hilft uns da nicht weiter.“
Auch der emeritierte württembergische Landesrabbiner Netanel Wurmser ärgerte sich, dass man beim Kampf gegen Antisemitismus nur laue Sprüche aus der Politik höre. „Es ist unerträglich“, sagte er und forderte die Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft zu einem stärkeren Engagement in der Politik auf.
Für musikalische Highlights sorgten die Sängerin Enni Gorbonosova und ihre Pianistin Julia Chekulaeva. Pianist David Meussling (20), Student der Gateways Training School (Zypern), begeisterte mit einer eigenen Interpretation des Stückes „Yerushalayim shel Sahav“ und erklärte im Gespräch mit ICEJ-Jugendreferent Timon Kaiser, dass er als junger Deutscher und Christ eine besondere Aufgabe darin sehe, sich für das jüdische Volk einzusetzen und seine Stimme gegen Antisemitismus in unserer Zeit zu erheben. Zum Abschluss des Abends wurde gemeinsam die israelische Nationalhymne Hatikwa, „die Hoffnung“, gesungen.
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