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Der Holocaust hat ein neues Gesicht

Die Geschichte von Eitan Halley
Karin Lorenz
Der Holocaust hat ein neues Gesicht EITAN HALLEY erzält seine Geschichte

Sieben Stunden unter Leichen

Am 7. Oktober 2023 ereignete sich das größte Massaker an Juden seit dem Holocaust. 1.200 Israelis wurden bestialisch ermordet, über 250 Menschen in den Gazastreifen verschleppt. Eitan Halley überlebte das Massaker auf dem Musikfestival im Negev.

Es ist 6.30 Uhr Auf dem Festival wummern noch die Bässe. Eitans Freunde laufen zur Hauptbühne, um im Licht der aufgehenden Sonne zu tanzen. Da stoppt die Musik abrupt.

„Erst sah ich unzählige Punkte in der Luft“, berichtet Eitan. „Es waren Raketen, die aus kürzester Distanz auf uns abgefeuert wurden.“ Der Iron Dome, das israelische Raketenabwehrsystem, tritt in Aktion. Explosionen überall.

In der Nähe des Gazastreifens ist man Raketenbeschuss gewohnt. Deshalb bleibt Eitan ruhig. „Ich wartete, dass die Raketen aufhören und die Musik weiterspielt.“ Doch die Musik bleibt aus. „Ein Security-Mitarbeiter rief, wir sollten weg von hier.“ Also hasten sie zum Auto und verlassen das Gelände. Unterwegs sammeln sie Leute ein, die zu Fuß fliehen.

Flucht in den Bunker Der Raketenbeschuss hält an, deshalb stoppen sie bei einem kleinen Bunker am Straßenrand. Er ist eigentlich nur für zehn Leute konzipiert, jetzt drängen sich 30 Menschen zusammen. Zu den letzten, die hereinkommen, gehören Aner Shapira und Hersh Goldberg-Polin.

Kurz darauf hören sie Trucks vorfahren, arabische Stimmen, Schüsse. Dann fliegt eine Handgranate in den schmalen Zugang zum Schutzraum. Und Eitan traut seinen Augen nicht: Statt Deckung zu suchen, packt Aner Shapira kaltblütig die schon funkensprühende Granate – und wirft sie zurück. Weitere Handgranaten fliegen in den Schutzbunker. Wieder und wieder wirft der 22-Jährige sie zurück.

Lebensretter „Ich dachte: Was für ein Superheld! Ein Löwe!“ Die achte oder neunte Granate explodiert in der Hand des mutigen Israelis. Die Detonation raubt Eitan vorübergehend das Bewusstsein. Als er zu sich kommt, sieht er Aners Freund Hersh mit abgerissenem Unterarm. Aner ist tot. „Er gab sein Leben, um uns zu retten.“

Eitan übernimmt Aners Posten. Drei Handgranaten kann er zurückschleudern. Dann die zweite Detonation. Eitan verliert erneut kurzzeitig das Bewusstsein. Aus halbgeschlossenen Augen sieht er Terroristen hereinkommen. „Einer lächelte, als hätte er ein Spiel gewonnen.“ Sie trampeln auf ihm herum, packen ihn am Haar, schütteln ihn, halten ihn für tot. Fünf Überlebende werden zu den Trucks gezerrt, andere unter „Allahu akbar“-Rufen abgeschlachtet. „Sie haben Leute erschossen, die um ihr Leben bettelten“, berichtet Eitan.

Im Leichenberg Dann herrscht Stille. Totenstille. Eitan liegt in einem Leichenberg. „Ich dachte erst, dass sich die anderen nur totstellen, so wie ich“, sagt Eiten. Es dauert sieben Stunden, bis Eitan und wenige andere Überlebende, die wie er zwischen den Leichen liegen, gerettet werden. 17 Tote bleiben zurück.

„Wie soll ich weiterleben?“ Diese Frage stellt sich Eitan seit dem Massaker immer wieder. „Es gibt kein normales Leben mehr“, beschreibt er seine Gefühle. Er reist jetzt als Sprecher und Mahner durch die Welt. Weil er nicht zulassen will, dass die Barbarei der Hamas geleugnet oder relativiert wird. „Stellt euch gegen Antisemiten und steht mit Israel!“, lautet seine Botschaft.

Es ist seine Mission seit dem 7. Oktober.

(Foto: Eitan Halley)

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