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Wer oder was ist Israel? Wir segnen Israel, weil die Bibel es uns aufträgt. Wir sind Freunde Israels. Wir lehnen die Ersatztheologie ab, die besagt, dass Erwählung und Verheißungen von Gottes Volk auf die Gemeinde Jesu übergegangen seien. Das verbindet uns als Israelfreunde. Und trotzdem können wir kaum in Einheit die Frage beantworten, was dieses Israel eigentlich ist. Ist es ein Volk? Wenn ja, wer gehört alles zu diesem Volk? Ist nicht ein Jude, wer es inwendig ist? Ist es ein Land? Wenn ja, in welchen Grenzen? Ist es vielleicht sogar ein Staat? – An diesem Punkt springen viele Israelfreunde ab. Vielleicht ist Israel auch etwas Geistliches, das himmlische Jerusalem! Wie bei so vielen Streitpunkten kann das „Sowohl als auch“ des hebräischen Denkens weiterhelfen – und die Gabe, tief in die Bedeutung des kleinsten Yota in der Bibel einzutauchen und gleichzeitig kindlich Gott beim Wort zu nehmen.
In Sacharja beschreibt die Bibel Jerusalem als Zankapfel. Israel ist ein Zankapfel der Nationen und Theologen. Im selben Buch finden wir aber noch einen anderen Apfel, ganz einfach: Israel ist Gottes Augapfel. Außerdem ist Israel Gottes erstgeborener Sohn und seine Braut! Inniger und vielfältiger kann man eine unverbrüchliche Beziehung nicht beschreiben. Niemals würde Gott seinen juckenden Augapfel, seinen ungehorsamen Sohn oder seine abtrünnige Braut verwerfen – nicht einmal wegen Ehebruchs. Scheidung? Das ist laut Jesus eine Notlösung für Menschen wegen ihrer harten Herzen. Vom Ursprung her, von Gottes Blaupause her, war das anders geplant. Gott verlässt seine Braut nicht! In diesem Punkt sind sich die Israelfreunde einig.
Wenn nur dieser Staat nicht wäre, scheinen viele zu denken, dieser unbeliebte, unheilige, säkulare Staat mit seiner inter-national geächteten Politik und rechten Regierung – Israelfreundschaft könnte so einfach sein! Und schon ranken sich Theologien empor, die erklären, warum unsere Israelliebe sich nicht auf den Staat ausdehnen muss oder gar darf.
Israel sei nicht heilig genug, sagen die einen und bekommen dabei Unterstützung von manchen jüdisch-orthodoxen Strömungen. Sexuelle Unmoral auf offener Straße, haarsträubende Abtreibungsgesetze, institutionalisierte Ablehnung von Jesus als dem Messias – alles das scheinen Argumente gegen Gottes Erwählung des Staates Israel zu sein.
Wollen wir aber moralische Maßstäbe anlegen, müssen wir konsequent darin sein. Angefangen beim Betrüger Jakob, der von Gott den Namen Israel erhielt, über dessen katastrophale Familie hin zu Israel als motzendem Wandervolk, dann unter den Richtern und schließlich unter Königen, von denen einer skandalöser als der andere war.
Das Königreich – die erste Staatsform Israels – wurde ganz ausdrücklich gegen den Willen Gottes errichtet. Und doch hat Gott das Königtum bestätigt, und zwar bis dahin, dass er versprach, es werde immer ein König auf dem Thron Davids sitzen. Er ließ seinen Sohn als „König der Juden“ kreuzigen. Weder das Säkulare noch das Sündige an Israel können tragfähige Argumente gegen den Staat sein.
Es ist außerdem nicht stringent zu glauben, dass Gott seine Verheißung erfüllt, sein Volk wieder zu sammeln, und dann an der Form herumzunörgeln. Das Wunder hat sich vor unseren Augen ereignet! In einer Zeit, in der sich aus Großreichen und Kolonien die heutigen Nationalstaaten herausgeschält haben, ist Israel logischerweise auch ein Nationalstaat. Was sollte es denn sonst sein?
Daneben existieren – man sollte es nicht glauben – immer noch Theologien, die die rassische Reinheit zum Maßstab machen. Waren die Juden den Nationalsozialisten zu jüdisch, sind sie manchem Israelfreund heute nicht jüdisch genug. Da werden verlorene Stämme bemüht und große Fragezeichen dahinter gesetzt, ob die Staatsbürger Israels überhaupt Juden seien. Vor diesem Argument könnte nicht einmal der Stammbaum Jesu bestehen. Es gehört auf den antisemitischen Müllhaufen der Geschichte.
Nicht nur Antisemitismus, sondern auch Angst kann dazu führen, die Israelliebe abstrakt zu halten. Zahlreiche Pastoren haben Angst, ihre Schäfchen zu verlieren, wenn sie Israel zu viel Beachtung schenken. Holocaustgedenken, Israelsonntag, Statements gegen Antisemitismus – da können noch die meisten mit. Aber jüdische (biblische) Feste feiern, Schofar blasen – da wird es schon schwierig. Spätestens bei der Israelflagge hört der Spaß auf.
Dabei erleben christliche Gemeinden, die die jüdischen Wurzeln ihres Glaubens neu entdecken, auf Dauer eher das Gegenteil: Stabilität und Wachstum. Das Spaltpotenzial des Themas Israel ist nicht zerstörerisch. Es kann der Beschneidung eines Weinstocks ähneln und sehr fruchtbar sein.
Andere haben Angst vor den Reaktionen in ihrem persönlichen Umfeld, wenn sie sich sichtbar zu Israel stellen. Eine heimliche Israelfreundin schrieb mir: „Wir trauen uns als Familie sehr wenig, vor allem wegen der Kinder.“
Wir trauen uns als Familie sehr viel – und zwar auch wegen der Kinder! Unsere sind jetzt 1,3 und 5 Jahre alt. Was sollen sie denn von uns lernen, wenn nicht die Liebe zum Gott Israels? Wie wird die Zukunft für sie aussehen, wenn wir jetzt nicht für Israel aufstehen? Mama und Papa haben schon bei ihrer Hochzeit die HaTikva auf Persisch gesungen und das Video mit vollem Namen ins Netz gestellt. Die Kinder kennen die israelische Nationalhymne als Einschlaflied.
Mama hat jetzt ihren eigenen YouTube-Kanal, um Leute sprachfähig für Israel zu machen. Sie ist vor allem an den Wochenenden oft mit ihren Vorträgen und Seminaren unterwegs. Die Kinder lassen sie gerne gehen. Warum? Weil sie schon daran beteiligt sind. Die beiden Großen basteln fleißig Davidsterne aus Bügelperlen, die die Seminarteilnehmer gegen eine kleine Spende mitnehmen können. Centbeträge sind heiß begehrt für den Kaugummiautomaten vor dem Kindergarten. Außerdem sparen sie für eine Seilbahnfahrt. So verbinden sie mit Mamas Arbeit etwas Positives und lernen, dass der Einsatz für Israel sich lohnt.
Alle drei waren schon in Israel, im Mai 2023 zum Marsch der Nationen. Das Judentum wird ihnen nie fremd sein. Wenn sie anfangen werden, selbst die Bibel zu lesen, werden sie Feste, Gegenstände und Orte aus ihrem eigenen Erleben kennen. Für sie wird es nie eine Frage sein: Israel ist Israel ist Israel!
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