MENÜ

Als Gott vor 4000 Jahren den mesopotamischen Händler Abraham erwählte, gab er ihm eine Bestimmung, welche die Welt radikal verändern würde (1.Mose 12,1-3). Mit Abraham wurde ein Volk erwählt, dem Gott Großes versprach. Diese Verheißungen des Segens an Israel waren dabei nicht Verheißungen zum Selbstzweck. Es ging nicht darum, dass Gott sich von all den Völkern der Erde etwa ein Lieblingsvolk küren wollte. Es ging um viel mehr. Gottes Erwählung von Abraham und seinen Nachkommen nach ihm hatte die Errettung der ganzen Welt zum Ziel. „... und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf der Erde!“ (1.Mose 12,3) Paulus sah in dieser Verheißung bereits eine erste Proklamation des Evangeliums Jesu Christi. „Da es nun die Schrift voraussah, dass Gott die Heiden aus Glauben rechtfertigen würde, hat sie dem Abraham im Voraus das Evangelium verkündigt: „In dir sollen alle Völker gesegnet werden“ (Gal 3,8).
Was jedoch oft und gerne übersehen wird ist die Tatsache, dass Gott nicht nur ein Volk auserwählte, aus dem „dem Fleisch nach der Christus“ stammt (Röm 9, 5), sondern dass er sich auch einen geografischen Ort erwählte. Gott versprach Abraham nicht nur, ihn zu einem großen und gesegneten Volk zu machen, er versprach ihm auch „das Land, das ich dir zeigen werde!“ (1.Mose 12,1) Genauso wie Abrahams Nachkommen ein Segen für alle Familien der Erde sein sollten, so würde dieser bestimmte Landstrich strategische Bedeutung für die Errettung der Menschheit haben. Es war sozusagen der Brückenkopf, der Himmel und Erde verbinden sollte. Oder anders gesagt: Dort im Lande Kanaan schloss Gott die Tür für die ganze Menschheit auf, damit sie freien Zugang in das Himmelreich Gottes erhalten sollten.
Das Epizentrum dieses besonderen Landes der Verheißung ist dabei die Stadt Jerusalem. Bereits Abraham hatte zwei eindrückliche Erfahrungen an diesem Ort. Beide Erfahrungen sollten dieser Stadt ein ewiges und bedeutungsschweres Siegel aufdrücken. Zuerst hatte Abraham dort eine Begegnung mit jenem geheimnisvollen König Melchisedek. Dieser war der König von Salem, das später Jerusalem heißen sollte. Mit Brot und Wein kam er Abraham entgegen und trat als König des Friedens und gleichzeitig als König der Gerechtigkeit auf. Melchisedek war nicht nur ein irdischer Herrscher, sondern gleichzeitig der Priester des allerhöchsten Gottes – diese Kombination hatte eindeutig messianische Qualität. Ebenso wie König David sah der Schreiber des Hebräerbriefes in ihm einen Vorläufer des verheißenen Welterlösers. Viele Jahre später sollte Abraham nochmals in die bergige Region Jerusalems zurückkehren, als Gott ihm den unerbittlichen Auftrag gab, dort seinen geliebten Sohn Isaak, den Sohn der Verheißung, zu opfern. Abraham stieg im Gehorsam und gleichzeitig in der vollen Gewissheit auf diesen Berg, dass Gott imstande ist, Isaak von den Toten aufzuerwecken (Hebr 11,19). Aber es dauerte fast tausend Jahre, bis schließlich David die Bedeutung dieses Ortes erkennen sollte. Er verlegte die Hauptstadt seines Reiches nach Jerusalem, wohl wissend, dass Gott in dieser Stadt seinen Tempel errichten würde. Dieser Tempel sollte dabei nicht nur ein rein jüdisches Gebetshaus sein. In der Bibel heißt es, dass selbst der Fremdling, der nicht zum Volk Israel gehört, dort den Gott Israels finden könnte, „damit alle Völker auf Erden deinen Namen erkennen und dich fürchten.“ (1. Kön 8,43) Jesaja bezeichnete den Tempel daher später als „Bethaus für alle Nationen.“ (Jes 56,7)
Als im Jahre 480 v.Chr. Jerusalem von den Babyloniern erobert und der Tempel zerstört wurde, brach für viele Juden eine Welt zusammen. Wie konnte Gott dies zulassen? Die Weggeführten verstanden Gott und die Welt nicht mehr. „An den Wassern zu Babel saßen wir und weinten, wenn wir an Zion gedachten“ (Ps 137,1). Es war der Prophet Daniel, der die Hoffnung für Jerusalem nie aufgab und der wie kein anderer die ewige Bestimmung dieser ewigen Stadt erkannte. Als Ministerpräsident des babylonischen Weltreiches betete er für den Wiederaufbau Jerusalems und für die Rückführung der Juden aus Babylon. Dann, so berichtet er, „als ich meine Sünden und die Sünden meines Volkes bekannte und meine Bitte für den heiligen Berg vor Gott brachte“ erschien ihm der „Mann Gabriel“ und unterwies ihn. Seine Worte sollten Theologen und Bibelforscher über Jahrhunderte hinweg beschäftigen: „Über dein Volk und über deine heilige Stadt sind 70 Wochen bestimmt, um der Übertretung ein Ende zu machen und die Sünden abzutun, um die Missetat zu sühnen und eine ewige Gerechtigkeit herbeizuführen, um Gesicht und Weissagung zu versiegeln und ein Allerheiligstes zu salben“ (Dan 9,24). Es gibt kaum eine Stelle in der Bibel, welche die einzigartige Berufung des jüdischen Volkes und der Stadt Jerusalem klarer und deutlicher formuliert. Gott hat ein bestimmtes Zeitfenster für das Volk der Juden und die Stadt Jerusalem bestimmt, in dem er die folgenden Aufgaben erfüllen will: Der Übertretung ein Ende zu machen, die Sünde abzutun, die Missetat zu sühnen, eine ewige Gerechtigkeit herbeizuführen, Gesicht und Weissagung zu versiegeln und ein Allerheiligstes zu salben.
1.) Der Übertretung ein Ende machen: Die Übertretung der Ordnungen Gottes ist das große Problem der Menschheit. „Alle sind abgewichen“ verkündet bereits der Psalmist (Ps 14,3). Aber dieser Krankheit der Rebellion gegen Gott und seine Gebote soll ein Ende bereitet werden.
2.) Die Sünde abtun: Die Wurzel der menschlichen Rebellion gegen Gott liegt im Wesen des Menschen begründet. Aus unseren Herzen, so erklärt Jesus, entspringt eine Quelle der Gottlosigkeit. „Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsche Zeugnisse, Lästerungen“ (Mt 15,19). Kein Mensch ist davor gefeit. Aber diese sündhafte Natur des Menschen soll abgetan werden. Das hebräische Wort erlaubt auch die Übersetzung ‚versiegelt werden‘. Das heißt Gott wird diese Quelle ein für alle Mal und vollständig versiegeln.
3.) Die Missetat sühnen: Alle bereits geschehenen Sünden sollen gesühnt werden. Selbst wenn die Sünden blutrot sind und zum Himmel schreien, sollen sie doch so weiß werden wie der Schnee (Jes 1,18).
4.) Eine ewige Gerechtigkeit herbeiführen: Jesaja verkündet: „Meine Gerechtigkeit wird ewig bleiben und mein Heil von Geschlecht zu Geschlecht“ (Jes 51,8). Es wird also nicht nur eine kurze Periode der Gerechtigkeit sein, wie etwa unter König David oder Hiskia, denen wieder gottlose Herrscher folgten. Sondern diese Herrschaft der Gerechtigkeit wird von Ewigkeit zu Ewigkeit bestehen: „Die Mehrung der Herrschaft und der Friede werden kein Ende haben auf dem Thron Davids und über seinem Königreich, dass er es gründe und festige mit Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Der Eifer des HERRN der Heerscharen wird dies tun!“ (Jes 9,7)
5.) Gesicht und Weissagung versiegeln: Das heißt alle Gottesverheißungen, wie groß und unglaublich sie uns erscheinen mögen, sollen ihre Erfüllung finden. Es wird kein Jota dahin fallen von den Verheißungen Gottes.
6.) Ein Heiligtum salben: Ob damit ein zukünftiges Heiligtum in Israel, das ewige Heiligtum des himmlischen Jerusalem, der Tempel der Gemeinde oder der Leib des einzelnen Gläubigen als Tempel gemeint ist - es kann alles umfassen. John Wesley sah darin in erster Linie die dreifache Salbung des Messias als König, Priester und Prophet.
„Welch herrliche Prophetie!” schreibt der Theologe H.C.Leupold. „In diesen sechs Aussagen sind alle guten Dinge enthalten, die Gott den Menschen verheißen hat.“ Daniel bindet dabei diese gewaltigen Verheißungen fest an das jüdische Volk und die Stadt Jerusalem. „Über dein Volk und über deine heilige Stadt...“ Es überrascht daher nicht, dass Jesus von Anfang an seine Mission in Jerusalem zu erfüllen hatte. Keine andere Stadt konnte dafür in Frage kommen. Auf dem Berg der Verklärung besprach sich Jesus mit Mose und Elia. „Diese erschienen in Herrlichkeit und redeten von seinem Ausgang, den er in Jerusalem erfüllen sollte“ (Lk 9,30+31). Jerusalem war die von Gott vorherbestimmte Stadt für die Erlösung der Welt. Dort in Jerusalem starb Jesus „ein für alle Mal“ für die Sünden der Welt. Abraham sah diesen Tag bereits, als er seinen Sohn dort auf dem Berg Moriah auf den Altar band (Joh 8,56). Wie Daniel voraussah, sühnte Jesus dort vor den Toren der Stadt auf dem Hügel Golgatha die Sünden der Welt. Dort in Jerusalem besiegte er den Tod, als er von den Toten auferstand, und schaffte so die vollständige Erlösung der Menschheit.
Dass Jesus dann vom Ölberg im Osten Jerusalems gen Himmel fuhr, war für die ersten Jünger zunächst Grund zur Besorgnis. Aber Jesus versprach ihnen, dass er sie nicht alleine lassen würde. Ein Tröster sollte kommen. Und der kam auch, genau am Pfingsttag und wiederum in Jerusalem. Der Geist Gottes setzte sich wie Feuerzungen auf jeden einzelnen der 120 Jünger. Gewöhnliche Menschen wurden von der Gegenwart Gottes erfüllt und starteten einen kraftvollen Dienst der tausende Menschen ins Königreich Gottes brachte. In Jerusalem wurde die erste Gemeinde gegründet. Eine kraftvolle Gemeinschaft, die sich nicht nur auf gut ausgearbeitete theologische Vorträge verließ, sondern auf die wirksame Dynamik der Proklamation des Evangeliums. Diese Jerusalemer Gemeinde vertraute nicht auf kulturelle Anpassung, um kirchenfremde Menschen anzulocken, sondern vielmehr auf die verändernde und wunderwirkende Kraft des Heiligen Geistes. Sie hatten auch keine Kathedralen oder große Gemeindekassen, aber sie konnten sagen: „Silber und Gold habe ich nicht; was ich aber habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi, des Nazareners, steh auf und geh umher!“ (Apg 3,6). Von allen Modellgemeinden der Welt, von allen Erweckungsbewegungen der Christenheit hat keine mehr Relevanz für uns als die Gemeinde in Jerusalem.
Tertullian fragte einmal: „Was hat Jerusalem mit Athen zu tun?“ Seine Antwort war klar, das Evangelium Christi hat wenig mit griechischer Philosophie zu tun. Aber umgekehrt müssen wir sagen, dass wir alle gut daran tun nach Jerusalem zu schauen. Jerusalems Kreuz und Auferstehungskraft haben Relevanz für Athen, Berlin, Peking, New York und den Rest der Welt. Jesus kommt noch heute aus den Toren der Stadt Jerusalem jedem Menschen mit Brot und Wein entgegen. Der Psalmist schreibt nicht von ungefähr: „Vergesse ich dich, Jerusalem, so erlahme meine Rechte!“ (Ps 137,5). Wir sollen nie vergessen: In Jerusalem und nicht in Rom liegt die Wiege unseres Glaubens.
Es ist also nicht verwunderlich, dass diese Stadt wie keine andere umkämpft ist. Der Prophet Sacharja sieht eine globale Eskalation über Jerusalem voraus: „Siehe, ich mache Jerusalem zum Taumelkelch für alle Völker ringsum ... und zum Laststein für alle Völker; ... und alle Heidenvölker der Erde werden sich gegen es versammeln“ (Sach 12,2+3). Jerusalem soll geteilt, internationalisiert oder gar dem Vatikan unterstellt werden. Die Pläne für die Zukunft dieser Stadt sind zahlreich. Gott warnt die Nationen: Alle, die diesen Laststein heben wollen, „werden sich gewisslich daran wund reißen.“ Jerusalem ist die Stadt Gottes (Ps 46 + 48), und Gott ist leidenschaftlich besorgt um diese Stadt. „Ich eifere für Jerusalem und für Zion mit großem Eifer“ (Sach 1,14; 8,2). Wenn Gott etwas sein Eigen nennt und seinen Eifer so deutlich zum Ausdruck bringt, dann tun wir gut daran Jerusalem zum „Anliegen unseres Herzens“ zu machen (Jer 51,50).
Aber in Jerusalem liegt nicht nur die Wurzel unseres Glaubens. Dort ist auch die Hoffnung unseres Glaubens. Denn nach Jerusalem wird der Erlöser „in derselben Weise wiederkommen, wie ihr ihn habt in den Himmel auffahren sehen!“ (Apg 1,11) Seine Füße werden dann weder in der Asuzastreet oder in Brownsville stehen, noch in Wittenberg oder Herrenhut, sondern wiederum auf dem Hügel östlich von Jerusalem, dem Ölberg. Dann wird Christus als Friedefürst seine messianische Herrschaft antreten, und die Verheißungen Daniels werden ihre vollständige Erfüllung finden. Jerusalem wird als Haupt der Nationen fest gegründet stehen. „Von Zion wird das Gesetz ausgehen und das Wort des HERRN von Jerusalem.“ Als Folge davon werden sie ihre „Schwerter zu Pflugscharen schmieden und ihre Speere zu Rebmessern; kein Volk wird gegen das andere das Schwert erheben, und sie werden den Krieg nicht mehr erlernen“ (Jes 2,1-4). Jerusalem wird dann ein Lobpreis auf Erden sein und nicht mehr der Taumelbecher der Nationen. Dies geschieht jedoch nicht einfach so. Gott sucht unsere Mitarbeit. Unsere Aufgabe darin beschreibt Jesaja so:
„O Jerusalem, ich habe Wächter auf deine Mauern gestellt, die den ganzen Tag und die ganze Nacht nicht einen Augenblick schweigen sollen. Die ihr den HERRN erinnern sollt, gönnt euch keine Ruhe! Und lasst ihm keine Ruhe, bis er Jerusalem wieder aufrichtet, und bis er es zum Ruhm auf Erden setzt!“ (Jes 62,6+7) Gott sucht also Fürbitter, die bereit sind, sich in seinen großartigen Erlösungsplan für die Welt und für Israel einbinden zu lassen. Beten Sie mit für den Frieden Jerusalems! Es soll denen wohl gehen, die Jerusalem lieben! (Ps 122,6)
Jerusalem existiert als irdische und himmlische Stadt. Einen sprachlichen Hinweis gibt die duale Plurale...
Bethlehem - Sowohl König David als auch sein Nachfahre Jesus erblickten in Bethlehem im „Haus des Brotes...
Loblieder leiten sich ab von
הלל [ hallel ] : rühmen, loben, preisen.
Gideon und Nellie Bayer berichteten über den Abschied von ihrem Sohn Urija, der als deutscher Christ in ...
Präsident Dr. Jürgen Bühler führte eine Delegation der ICEJ in das drusische Dorf Kisra nahe der libanes...