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Juden in Aschkenas

Kanaan, Zarpat und Sefarad - Blütezeit, Pogrome und Abwanderung
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Diese Bezeichnung ist üblich für Juden, die aus Mittel- und Osteuropa stammen, und leitet sich von Aschkenas ab. Aschkenas ist ein der Bibel entnommener Name, der erstmals in den rabbinischen Schriften des Mittelalters auftauchte und die Region entlang des Rheins, einschließlich des heutigen Elsass und Lothringens, bezeichnete.

„Aschkenasische“ Juden sind demnach „deutsche“ Juden - Nachfahren jener Juden, die ab dem 10. Jahrhundert v.a. in den Bischofsstädten entlang des Rheins lebten.

Der biblische Aschkenas, ein Enkelsohn Jafets, gilt als Stammvater eines Volkes, das später am oberen Euphrat lebte - das Gebiet der heutigen Osttürkei und Armeniens (siehe Jeremia 51,27). Warum genau dieser Name mit Deutschland in Verbindung gebracht wurde, ist bis heute nicht eindeutig geklärt.

 

Kanaan, Zarpat und Sefarad

Eine weitere der Bibel entnommene geographische Bezeichnung war Kanaan für Böhmen und Gebiete östlich der Elbe. Bis zur Zuwanderung der aschkenasischen Juden ins Gebiet des heutigen Polens, der Ukraine, Weißrusslands und Russlands sprachen die dort lebenden Juden K’naanisch, einen slawischen Dialekt, der durch das Jiddisch der Aschkenasim verdrängt wurde bzw. darin aufging.

Die jüdischen Namen Frankreichs und Spaniens waren Zarfat und Sfarad, abgeleitet von den biblischen Orten Zarpat (1. Könige 17,9) und Sefarad (Obadja 1,20). Die sephardischen Juden, oder Sfaradim, sind Nachkommen jener Juden, die 1492 aus Spanien (Sfarad) vertrieben wurden. Im Gegensatz zum heutigen Deutschland, das Germania genannt wird, tragen Frankreich und Spanien im modernen Hebräisch (Ivrit) weiterhin die historischen Namen.

Blütezeit, Pogrome und Abwanderung

Im Mittelalter entstanden in Aschkenas wichtige Zentren jüdischen Lebens, die das europäische Judentum prägten. In den Bischofsstädten entlang des Rheins gab es aktive jüdische Gemeinden. Eine besondere Stellung nahmen vom 11. bis ins 13. Jahrhundert die SchUM-Gemeinden ein, in den Städten Speyer (Schpiro), Worms (Urmaisia) und Mainz (Magenza).

Während des ersten Kreuzzugs 1096 und späterer wiederkehrender Pogrome wurden tausende Juden brutal ermordet, mussten unter Zwang zum Christentum konvertieren oder begingen Selbstmord, um der Zwangstaufe zu entgehen. Durch die darauf folgenden Auswanderungswellen vom 13. bis ins 15. Jahrhundert verlagerte sich der Mittelpunkt des europäischen Judentums nach Polen und Litauen. Dort entstanden berühmte Jeschiwas (Talmud-Schulen), in denen bis heute verehrte Rabbiner lernten und lehrten, und neue Bewegungen, z.B. der Chassidismus, der das aschkenasische Judentum nachhaltig prägte. Diese Zentren jüdischen Lebens, entstanden infolge der Pogrome im mittelalterlichen Deutschland, wurden im Holocaust ausgelöscht.

Auch nach dem 13. Jahrhundert existierten weiterhin jüdische Gemeinden in Deutschland. Jedoch erst mit Beginn des 19. Jahrhunderts erlebte das jüdische Leben hierzulande wieder eine neue Blütezeit.

Aschkenasische Juden heute

Heute ist die Mehrheit der jüdischen Bevölkerung weltweit aschkenasischer Abstammung. Etwa die Hälfte von ihnen leben in den USA. In Israel stellen die Aschkenasim die zweitgrößte jüdische Gruppe dar, nach den orientalischen Misrachim. In zahlreichen europäischen Ländern sind die meisten Juden Aschkenasim. Bedeutsamste Ausnahme ist Frankreich, wo in den 1950er Jahren aus Nordafrika eingewanderte Sfaradim heute die Mehrheit der jüdischen Gemeinde stellen.

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