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Seit dem Ersten Kreuzzug ab 1096 waren Juden in Deutschland immer wieder Verfolgung ausgesetzt. Judenfeindliche Verleumdungen führten zu Pogromen, die immer größer werdende Regionen erfassten.
Eine dieser Verleumdungen war die „Ritualmordlegende“. Verschwanden christliche Kinder oder kamen sie unter ungeklärten Umständen ums Leben, wurde dies der jüdischen Bevölkerung angelastet. Das angebliche Motiv: Juden würden das Blut dieser Kinder für religiöse Rituale verwenden. Diese Verleumdungen verfestigten sich tief im Bewusstsein der Bevölkerung. Um die ermordeten Kinder entstand ein Heiligenkult.
Als Judenhasser Gerüchte in Umlauf setzten, Juden hätten Hostien durchbohrt oder zerschnitten, warf man den Juden vor, den Leib Christi „geschändet“ zu haben. Den darauf folgenden Pogromen im Jahr 1298 fielen rund 5.000 Juden zum Opfer. Auch während der Großen Pest (1347-52) ergriff eine Welle antijüdischer Pogrome den deutschsprachigen Raum. Tausende Juden wurden bei lebendigem Leib verbrannt, viele ihrer Kinder in Klöster verschleppt und zwangsgetauft. Rund 300 jüdische Gemeinden wurden vernichtet.
Die Schriften und Predigten vieler Kirchenführer waren durchzogen von antijüdischen Lehren, Verfolgung und Hass. Sie beschrieben Juden und den jüdischen Glauben auf schmäherische und beleidigende Weise. Das Judentum wurde als finstere, teuflische Religion verunglimpft und Juden als „Gottesmörder“ verleumdet.
Nur wenige Einzelpersonen wichen von dieser judenfeindlichen Theologie ab. Meist war ihre Meinung über Juden und Judentum nicht durchweg positiv, ihre Neugier und ihr Interesse am Judentum vermischten sich mit einem Gefühl der vermeintlichen „Überlegenheit“ des eigenen christlichen Glaubens.
In den Anfangsjahren seines Wirkens unterstrich der deutsche Reformator Martin Luther die Auserwählung des jüdischen Volkes. Als das jüdische Volk trotz der Reformation den christlichen Glauben nicht annehmen wollte, verbreitete er übelste Verleumdungen und hetzerische Schriften gegen Juden, die Teile der Gesellschaft über Jahrhunderte prägen sollten.
Feindschaft gegen Juden spiegelte sich auch im Kirchenschmuck wider, z.B. in der Darstellung der gedemütigten „Synagoga“ mit gesenktem Haupt und verbundenen Augen als Sinnbild ihrer „Blindheit“. Ihr gegenüber steht die triumphierende, gekrönte „Ecclesia“. Dies sollte die ersatztheologische Lehre, Gott habe das jüdische Volk verworfen und durch die Kirche ersetzt, verdeutlichen.
Ein weiteres antijüdisches Motiv ist das der „Judensau“, das Juden auf verhöhnende Weise mit Schweinen darstellt. In Kapellen und Kirchen in Deutschland gibt es rund 30 dieser Steinreliefs und Skulpturen, nur wenige wurden inzwischen entfernt oder verhüllt.
Unter vielen gläubigen Christen führte ab dem 17. Jahrhundert ein intensives Bibelstudium zu einer veränderten Einstellung gegenüber dem jüdischen Volk. Der Pietist Philipp Jacob Spener begegnete Juden mit Akzeptanz und der Überzeugung, Judentum und Christentum seien eng miteinander verbunden. Im Gegensatz zur jahrhundertelang von den Kirchen propagierten Ersatztheologie glaubte Spener, dass die Juden weiterhin Gottes auserwähltes Volk seien. Darum müssten die Heidenchristen, die von Gott lediglich adoptiert seien, das jüdische Volk nicht nur achten, sondern auch lieben.
Für Spener nahm die Judenmission eine wichtige Rolle ein. Er lehnte jedoch die Ausübung von Zwang und das Verletzen religiöser Gefühle ab. Praktische Hilfe und Freundschaften mit Juden blieben auch dann bestehen, wenn sie Missionierungsversuche ablehnten.
Auch Speners Patenkind, der spätere Begründer der Herrnhuter Brüdergemeinde Nikolaus Graf von Zinzendorf, empfand eine tiefe Liebe zum jüdischen Volk. Er glaubte an eine künftige Wiederherstellung des jüdischen Volkes im Land Israel und ermahnte die Christen zur Hochachtung vor den Juden.
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