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Judenverfolgung im Mittelalter: Religiöse Herabsetzung

Judenfeindliche Bilddarstellungen, wie z.B. „Synagoga“ und „Ecclesia“
Stephan Lehnert
Zwei Steinsxtatuen. Links Ecclesia, welche die Kirche symbolisiert, auf ihrem Kopf eine Krone, in ihrer Hand einen Stab mit Kreuz an der Spitze, im Arm einen Kelch. Sie blickt selbstbewusst nach vorne. Neben ihr die andere Statue, Synagoga, sie steht für das Judentum, trägt eine Augenbinde, in den Händen einen zerbrochenen Speer und die Steintafeln mit den Zehn Geboten, die ihr aus der Hand zu rutschen scheinen. Sie blickt beschämt zu Boden.

Die Judenverfolgung des Mittelalters drückte sich nicht allein in den mörderischen antijüdischen Pogromen aus. Sie griff auch die Würde des jüdischen Volkes und seines Glaubens an. In Frankreich kam es 1242 infolge einer päpstlichen Bulle Gregors IX. zur Konfiszierung und öffentlichen Verbrennung tausender Talmud-Manuskripte. Obwohl in Deutschland mittelalterliche Prediger gegen den Talmud polemisierten, kam es hierzulande nicht zur Zerstörung dieser jüdischen Schriften.
In Deutschland zirkulierten in christlichen Schriften ab dem 11. Jahrhundert judenfeindliche Bilddarstellungen, wie z.B. „Synagoga“ und „Ecclesia“: allegorische Darstellungen von Judentum und Christentum in Gestalt weiblicher Figuren.

Unter dem Bild des gekreuzigten Christus steht die Synagoga mit gesenktem Haupt und verbundenen Augen – oft wird die Augenbinde als Schriftrolle oder Schlange dargestellt – als Sinnbild ihrer „Blindheit“. In ihrer Hand hält sie eine zerbrochene Lanze oder Fahne (als Sinnbild ihrer „Niederlage“ bzw. ihres „Verlusts“ der Heilsträgerschaft), in der anderen Gesetzestafeln (der „alte“ Bund). Gegenüber der Synagoga steht die triumphierende, mit einer Krone als Herrschaftszeichen ausgestattete „Ecclesia“.
Diese antijüdische Darstellung erschien ab dem 13. Jahrhundert auch in Kirchenschmuck wie Skulpturen und Glasmalereien. Auf diese Weise wurde die ersatztheologische Lehre, Gott habe das jüdische Volk verworfen und durch das ihm „überlegene“ Christentum ersetzt, von einer breiten Öffentlichkeit gesehen und wahrgenommen. Darstellungen von Synagoga und Ecclesia wurden bis ins späte 20. Jahrhundert in verschiedenen Kirchen Deutschlands angebracht.
Ein weiteres antijüdisches Motiv ist das der „Judensau“, das ab dem 13. Jahrhundert in Deutschland verbreitet wurde. Juden, erkennbar durch die ihnen im Mittelalter vorgeschriebene Kleidung, wie z.B. der „Judenhut“, werden auf verhöhnende Weise mit Schweinen dargestellt, die im Judentum als unreine Tiere gelten. In Europa sind heute rund 50 dieser Steinreliefs und Skulpturen bekannt, meist an oder in Kirchen und Kapellen angebracht. In Deutschland gibt es rund 30 davon, nur wenige wurden inzwischen entfernt oder verhüllt.

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