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In diesem Jahr jährt sich das Konzil von Nizäa zum 1700. Mal. Die theologischen Errungenschaften werden gefeiert, doch Nizäa markierte auch den Beginn einer systematischen Loslösung von den jüdischen Wurzeln unseres Glaubens. Vier theologischen Stellungnahmen zum Jubiläum, die auch die Schattenseiten ansprechen.
Von Paul O’Higgins, Gründer von Reconciliation Outreach
Das Konzil von Nizäa wird dafür gelobt, dass es die Göttlichkeit Jesu bekräftigt und die Kirche geeint hat. Doch es führte auch zur fast vollständige Entfernung Israels aus der Liturgie und Identität der Kirche.
Vergessene Wurzeln
Das Nizänische Glaubensbekenntnis überspringt die gesamte Geschichte Israels – von Abraham und Moses bis zu den Propheten und Bündnissen – und springt direkt von der Schöpfung zur Menschwerdung Christi. Diese Auslassung trug dazu bei, eine Theologie zu normalisieren, in der die Kirche Israel als Gottes Bundesvolk ersetzte. Diese Denkweise wurde durch konkrete Maßnahmen verankert: In Nizäa brach die Kirche mit dem biblischen Passahkalender und legte Ostern unabhängig von der jüdischen Zeitrechnung fest. Nizäa markierte den Aufstieg der Ersatztheologie – ein Glaubenskonzept, das Jesus von seinem jüdischen Kontext trennte und die Verheißungen Gottes an Israel irrelevant machte.
Unwiderruflich
Die Bündnisse mit Abraham und David werden in der christlichen Erziehung nur selten erwähnt. Das Neue Testament verkündet jedoch etwas anderes. Maria feiert Gottes Bund mit Abraham (siehe Lukas 1), Petrus spricht von „der Wiederherstellung aller Dinge” (Apostelgeschichte 3,21) und Paulus erinnert uns daran, dass die Gaben und die Berufung Gottes unwiderruflich sind (Römer 11,29).
Heute vollzieht sich die Wiederherstellung Israels vor unseren Augen. Die Kirche sollte sich deshalb dringend mit dem befassen, was in Nizäa ausgelassen wurde – und sich wieder auf Gottes fortdauernden Bund mit seinem Volk besinnen.
Von Dr. Petra Heldt, Direktorin der Ökumenischen Theolog. Forschungsgemeinschaft in Israel
Hosea 4,6 warnt: „Mein Volk geht zugrunde aus Mangel an Erkenntnis.“ Dieser Verlust an geistlicher Klarheit wurde auf tragische Weise beim Konzil von Nizäa im Jahr 325 n. Chr. deutlich, wo eine subtile, aber entscheidende Veränderung die Kirche von ihren jüdischen Wurzeln trennte.
Fremdes Denken
Die frühe christliche Gemeinschaft entstand in Jerusalem und wurde in Synagogen gepflegt. Doch im vierten Jahrhundert hatten sich die politische Macht und der theologische Einfluss nach Westen verlagert. In Nizäa hielten theologische Begriffe Einzug, die der Heiligen Schrift fremd waren. Sie formten den Glauben durch die Brille der griechischen Philosophie neu.
Zu den deutlichsten Brüchen gehörte die Datierung des Passahfestes. Bis dahin feierten viele Christen das Passahfest entsprechend des hebräischen Kalenders und nach biblischen Vorgaben am 14. Nisan. Aber Kaiser Konstantin drängte auf einen Kalender, der frei von jüdischen Bezügen war: „Es erschien mir unwürdig, dem Brauch der Juden zu folgen“, schrieb er den Gemeinden seines Reichs. Es ging nicht nur um Liturgie – es ging um eine theologische Neuausrichtung, weg von der jüdischen Identität Jesu.
Unsere Aufgabe ist es, diese verdrängten Schätze aufzudecken. Nicht, um das Glaubensbekenntnis von Nizäa rückgängig zu machen, sondern um dessen volle Bedeutung wiederherzustellen, die in der Geschichte Israels verwurzelt ist und sich im Messias erfüllt hat.
Von Dr. Gerald McDermott, anglikanischer Theologe und Autor
Beeinflusst durch Nizäa glauben viele Christen, Gottes Landversprechen an Israel sei durch das Kommen Christi spiritualisiert oder irrelevant geworden. Das Neue Testament erzählt jedoch eine andere Geschichte.
Das verheißene Land
Das Landversprechen ist im Neuen Testament zwar weniger prominent als in der hebräischen Bibel, aber dennoch vorhanden – und wird vorausgesetzt. Bekräftigt wird es beispielsweise in Hebräer 11, Apostelgeschichte 7 und 13. In Apostelgeschichte 1,6 fragen die Jünger, ob Jesus das Königreich Israel wiederherstellen werde. Er korrigiert sie nicht – er sagt lediglich, dass es nicht ihre Aufgabe sei, den Zeitpunkt zu kennen. Paulus' Aussage in Römer 11,29 („Denn Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen“) schließt ebenfalls das Land ein, das für die jüdische Identität von zentraler Bedeutung war und ist.
Im Land verwurzelt
Sogar die Offenbarung bekräftigt die Landverheißung. Jerusalem wird als „die heilige Stadt“ bezeichnet (Kapitel 11 und 21) und die zwölf Stämme werden geehrt. Die Geschichte der Erlösung bleibt sowohl im jüdischen Volk als auch im jüdischen Land verwurzelt. Das Landversprechen wurde nie aufgehoben, sondern vom jüdischen Messias bekräftigt und erhellt. Um das Evangelium richtig zu verstehen, muss die Kirche den gesamten Bund Gottes mit Israel anerkennen – einschließlich der Landverheißung. Die Kirche ist im Jubiläumsjahr deshalb nicht nur aufgerufen, sich an ein wichtiges Konzil zu erinnern, sondern auch einen zeitlosen Bund wiederzuentdecken.
Von Dr. Jürgen Bühler, Präsident der ICEJ
Die Wurzeln der Ersatztheologie reichen bis in die Anfänge der Kirche und sogar noch weiter zurück. Die ersten Beispiele dafür – lange vor Nizäa – finden sich in der Geschichte der Samariter.
Nach der assyrischen Verbannung der nördlichen Stämme Israels (2. Könige 17) ließen sich Ausländer im Norden Israels nieder und übernahmen einige israelitische Bräuche, vermischten diese jedoch mit Götzendienst. Mit der Zeit behaupteten sie, das wahre Volk Gottes zu sein. In Johannes 4,22 widerlegt Jesus dies direkt. Er sagt zu der Samariterin am Brunnen: „Ihr betet an, was ihr nicht kennt; wir wissen, was wir anbeten, denn das Heil kommt von den Juden.“ Jesus bekräftigt hier die zentrale Rolle Israels in Gottes Heilsplan.
„Christus im Fleisch“
Eine weitere frühe Form der Ersatztheologie entstand im ersten Jahrhundert durch den Gnostizismus. Die Gnostiker lehnten die physische Inkarnation Jesu ab und versuchten, das Evangelium von seinen jüdischen Wurzeln zu trennen. Doch Johannes schreibt: „Ein jeder Geist, der bekennt, dass Jesus Christus im Fleisch gekommen ist, der ist von Gott; und ein jeder Geist, der Jesus nicht bekennt, der ist nicht von Gott“ (1. Johannes 4,2–3). Auch Paulus verteidigt in seinen Briefen an die Römer, Kolosser und Korinther die jüdischen Grundlagen des Evangeliums und erinnert daran, dass Jesus ein Nachkomme Davids und die Erfüllung der Verheißungen Israels ist.
Tragischerweise setzte sich die „Entjudung“ des Christentums im Laufe der Geschichte fort – und gipfelte im 20. Jahrhundert in der Gründung des Entjudungsinstituts der lutherischen Kirche durch Nazi-Deutschland. Einflussreiche Theologen wie Gerhard Kittel trugen dazu bei, die jüdische Identität Jesu auszulöschen und das Christentum als antijüdisch neu zu definieren.
Erfüllung – nicht Ersatz
Heute tauchen ähnliche Ideen wieder auf. Einige behaupten, das Alte Testament offenbare einen anderen Gott oder sei durch das Neue Testament vollständig überholt. Die Bibel kennt jedoch keine solche Trennung. Das Neue Testament verkündet Jesus als Erfüllung der Schriften Israels – nicht als deren Ersatz.
Um nicht dieser Irrlehre zu verfallen, ist es wichtig, den vollständigen Ratschluss Gottes wiederentdecken, der sowohl im Alten als auch im Neuen Testament und in der Bundesgeschichte Israels verwurzelt ist. Dabei geht es nicht nur um theologische Korrektheit – es geht um Demut, Erinnerung und Treue gegenüber Gottes Erlösungsgeschichte.
Kehren wir zu den Wurzeln zurück, die unseren Glauben nähren.
Die ICEJ glaubt, dass es wichtig ist, die jüdischen Grundlagen unseres christlichen Glaubens wiederzuentdecken – nicht aus Nostalgie, sondern um sich auf Gottes Erlösungsplan auszurichten.
Im Jubiläumsjahr des Konzils gehört deshalb die Information über Nizäa und Gebete für das gemischte Erbe des Konzils zu den Schwerpunkten der Arbeit der ICEJ.
Mitbeten – Gebetstreffen der ICEJ finden Sie auf auf unserer Homepage.
AUSZUG AUS WORT AUS JERUSALEM: "GELIEBT UND GEHASST, ISRAEL UND DIE NATIONEN"
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