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Mit Gott Dunkelheit überwinden – aber wie?

Mit Gott Dunkelheit überwinden - aber wie?

Was Gottes Königtum für unseren Alltag schon heute bedeutet
Dr. Jürgen Bühler, Präsident der ICEJ
Rechts im Bild tanzt König David mit einer Harfe vor einem Zug von Priestern, von denen vier die Bundeslade tragen.

Das Thema des diesjährigen Laubhüttenfests war dem Buch der Psalmen entnommen: „Denn König der ganzen Erde ist Gott. Singt ihm ein Weisheitslied!“ (Psalm 47,8) Wenn Gott tatsächlich der König der ganzen Erde ist, wenn er schon heute regiert – was bedeutet das dann für unser Leben?

Gott regiert

Die kühne Königsproklamation findet sich auch im zweiten Vers von Psalm 47: „Denn der Herr, der Höchste, ist zu fürchten, ein großer König über die ganze Erde.“ Jüdische Bibelausleger sehen in der Formulierung „Gott ist emporgestiegen/hinaufgezogen“ (Psalm 47,6) eine Anspielung auf die Geschichte von König David, der die Bundeslade aus dem Haus von Obed-Edom hinauf nach Jerusalem brachte (1. Chronik 15). Der Herr thront auf den Cherubim, die die Lade bedecken (2. Samuel 6,2; Psalm 99,1) und macht sich auf den Weg nach Jerusalem, dem Ort, den er aus allen Stämmen als Wohnsitz erwählt hat (5. Mose 12,5). Jerusalem wurde nicht nur die Hauptstadt Davids, des Königs von Israel, sondern auch der Ort, an dem der Herr als König der ganzen Welt thronte. Deshalb befiehlt der Psalmist: „Singt dem HERRN, der thront auf dem Zion, verkündet unter den Völkern seine Taten!“ (Psalm 9,12) Gerade zur Zeit des größten Königs, König Davids, wurde auch Gott als König Israels und der ganzen Erde am meisten verehrt. Anders als König Saul wusste David, dass sein eigenes Königtum völlig vom Königtum Gottes abhängig war.

Einige der schönsten Psalmen, die Gott als souveränen König Israels preisen, wurden von David selbst geschrieben. David war klar: Je mehr er das Königtum Gottes verherrlichte, desto mehr konnte er Gottes treue Hand während seiner eigenen Herrschaft erwarten. In etwa 40 Psalmen wird Gott zum höchsten Herrscher erklärt, zum König der ganzen Erde und des Himmels (Psalm 11,4) und aller Völker (Psalm 22,28). Die Psalmisten verstanden, dass dieser König, der auch der Schöpfer des Himmels und der Erde ist, stets die volle Kontrolle über die Angelegenheiten dieser Welt hat.

Gott stürzt Regierungen

Selbst in schlimmen Zeiten, in denen der Feind scheinbar die volle Kontrolle über Gottes Volk erlangt hatte, verstanden die gottesfürchtigen Glaubensväter, dass dies nichts an der souveränen Königsherrschaft Gottes änderte. Deshalb konnte der Prophet Daniel selbst in der feindlichen Kultur Babylons, als er im Exil einem fremden König diente, der gerade die heilige Stadt und den Tempel zerstört hatte, erklären, dass der Gott Israels „den Wechsel der Zeiten und Fristen bestimmt; er setzt Könige ab und setzt Könige ein. Er gibt den Weisen die Weisheit und den Einsichtigen die Erkenntnis." (Daniel 2,21).

Als Minister des heidnischen Königs Nebukadnezar kündigte Daniel diesem vermeintlichen Herrscher der Welt sogar das Gericht an. Gott werde Nebukadnezar richten und demütigen, bis er erkenne, „dass der Höchste Gewalt hat über die Königreiche der Menschen und sie gibt, wem er will." (Daniel 4,29ff) Psalm 47 hat auch eine reiche christliche Tradition. Seit der Reformation wird am Himmelfahrtstag der Ausruf „Gott fährt auf mit Jauchzen“ gelesen. Die frühen Apostel sahen den auferstandenen Christus zur Rechten des Vaters sitzen. Im Brief an die Epheser beschreibt Paulus dieses Bild mit eindrucksvollen Worten. Nämlich dass Gott „…ihn (Christus) von den Toten auferweckt hat und eingesetzt zu seiner Rechten im Himmel über alle Reiche, Gewalt, Macht, Herrschaft und jeden Namen, der angerufen wird, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen. Und alles hat er unter seine Füße getan und hat ihn gesetzt der Gemeinde zum Haupt über alles, welche sein Leib ist, nämlich die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt.“ (Epheser 1,20-23)

Absolute Herrschaft Gottes

Das bedeutet: Es gibt absolut nichts, was nicht der Herrschaft Christi unterworfen ist. Seine Herrschaft übersteigt jede irdische Macht. Und Paulus bekräftigt gegenüber der Gemeinde in Ephesus, dass dieses himmlische Reich genau der Ort ist, an dem jeder Gläubige schon jetzt in Christus einen Platz innehat (Epheser 2,6). Dieses Reich Christi manifestiert sich jedoch in einer Weise, die den menschlichen Erwartungen widerspricht. Für die frühen Apostel ging es nicht darum, „alles zu beherrschen“ oder „alles zu beanspruchen“. Ganz im Gegenteil! Ja, es war Gott, der sie stets zum Triumph in Christus führte (2. Korinther 2,14). Gleichzeitig konnten sich Petrus, Paulus und Jakobus auch über Widrigkeiten freuen, einschließlich der Gefangenschaft. Sie konnten Christus, den König, hoch und erhaben auf dem Thron sitzen sehen, während sie in den kalten Gefängniszellen der fernen römischen Provinzen lagen. Sie erkannten hier ebenso die Macht Gottes am Werk wie in Ephesus, wo sich Gottes Reich durch ungewöhnliche Wunder, Heilungen und Zeichen manifestierte (Apostelgeschichte 19,11- 12). Es war für sie kein Widerspruch, eingesperrt zu sein, während sie das reine Evangelium vom Reich Gottes predigten. Paulus erklärte sogar, dass ihre gegenwärtige Leidenszeit ein Beweis dafür sei, dass sie „des Reiches würdig“ befunden worden seien (2. Thessalonicher 1,5).

Leid und Wunder

In seiner Einleitung zum Buch der Offenbarung stellt Apostel Johannes diese Spannung in den Vordergrund: „Ich, Johannes, euer Bruder und Gefährte in der Bedrängnis, in der Königsherrschaft und im standhaften Ausharren in Jesus, war auf der Insel, die Patmos heißt, um des Wortes Gottes willen und des Zeugnisses für Jesus.“ (Offenbarung 1,9) Ganz am Ende seiner großen Vision sah Johannes das Reich Gottes in Vollendung: Gott wohnt bei den Menschen. Die Braut des Lammes ist eine verherrlichte Stadt Jerusalem, die vom Himmel herabkommt, während der Herr alle Tränen abwischt. Die frühen Kirchenväter hofften und warteten alle auf diese große Zeit, doch gleichzeitig befanden sie sich in einer unruhigen Welt voller Traumata und Dramen. Und während sie auf die Ankunft des Königs warteten, erwarteten sie auch, dass Jesus das Reich Israel wiederherstellen würde (Apostelgeschichte 1,6). Der Grund dafür war einfach: Sie fanden unzählige Stellen in der heiligen Schrift, die von einem wiederhergestellten Königreich für Israel sprachen, wie es unter König David bestand: „Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, dass ich dem David einen gerechten Spross erwecken will. Der soll ein König sein, der wohl regieren und Recht und Gerechtigkeit im Lande üben wird. Zu seiner Zeit soll Juda geholfen werden und Israel sicher wohnen. Und dies wird sein Name sein, mit dem man ihn nennen wird: »Der HERR ist unsere Gerechtigkeit«.“ (Jeremia 23,5-6)

Erfüllte Prophezeiung

Die Wiederherstellung des modernen Staates Israel ist also die Vorbereitung auf die vollständige Wiederherstellung von Gottes Reich für Israel, in das der König der Könige bald zurückkehren wird. Und deshalb ist der jährliche Jerusalem-Marsch während des Laubhüttenfestes nicht nur ein Solidaritätsmarsch für den Staat Israel, sondern auch eine prophetische Manifestation der Völker, die nach Jerusalem kommen, um die Herrschaft des Königs der Juden über ihr Leben anzuerkennen. Allerdings erwartet Gott von uns auch, dass wir die Realität des himmlischen Königreichs bereits im Hier und Jetzt leben. Der Theologe George Eldon Ladd fasst diese Aufgabe im Titel seines Buches „The Presence of the Future“ zusammen: Wir müssen die Herausforderungen der Gegenwart überwinden und die Gegenwart erobern. Wir leben zwar noch nicht in einer perfekten Welt, aber Gott erwartet von uns, dass wir in dieser gegenwärtigen Finsternis die Realität seines Reiches leben, so wie es Daniel inmitten des babylonischen Systems tat. Daniel sah den König des Himmels hoch und erhaben und glaubte an ihn, obwohl er einige der schwierigsten Stunden der jüdischen Geschichte durchlebte.

Falsche Ideologie & KI

Deshalb haben wir beim diesjährigen Fest unseren Blick auf das ewige Königtum Jesu gerichtet. Wir leben in einer Welt mit noch nie dagewesenen Herausforderungen. In vielen Ländern werden die biblischen Werte von Familie, Geschlecht und persönlicher Identität stark angegriffen. In viel zu viele Kirchen ist bereits eine unbiblische Ideologie eingedrungen, die sich weltweit ausbreitet. Eine noch neue und rasch wachsende Bedrohung ist außerdem die künstliche Intelligenz (KI). Von Menschenhand geschaffene oder sogar computergenerierte Algorithmen werden bald nicht nur kritische Entscheidungen in Operationssälen von Krankenhäusern treffen, sondern auch unsere Autos steuern. In einigen Kriegsgebieten trifft KI bereits Entscheidungen über Leben und Tod von Menschen. Sicher, in vielerlei Hinsicht wird KI das tägliche Leben vieler Menschen verbessern und möglicherweise sogar Leben retten. Aber es gibt eben auch schon eine dunkle Seite der KI. Der israelische Philosoph Yuval Noah Harari schlug kürzlich vor, die KI ein neues heiliges Buch schreiben zu lassen, das nicht nur die Bibel, sondern die heiligen Bücher aller Weltreligionen ersetzen soll, um eine von allen akzeptierte Wahrheit zu schaffen.

Gleichzeitig nehmen Antisemitismus und Anti-Israelismus in den meisten post-christlichen Ländern zu und es gibt viele globale Herausforderungen, die Sorgen bereiten. Doch die Botschaft inmitten dieses Chaos ist für uns heute dieselbe wie zur Zeit der Psalmisten oder Daniels in Babylon: Der Herr regiert! Ja, der Himmel regiert! Unser Herr ist ein großer König über die ganze Erde!

Sieg in dunkler Zeit

Gott erwartet von uns allerdings auch, dass wir nicht nur auf sein Kommen warten, sondern am Aufbau seines Reiches mitarbeiten. Deshalb heißt es in der Offenbarung: „Wer überwindet, der wird dies ererben, und ich werde sein Gott sein und er wird mein Sohn sein.“ (Offenbarung 21,7) Die Frage, die wir uns alle stellen müssen, lautet also: Wie gelingt es uns, in unseren dunklen Zeiten zu überwinden und zu siegen? Gott ist auf der Suche nach Menschen, die im Gebet für ihre chaotischen Nationen eintreten. Wir sollen und dürfen ihn bitten – und er wird uns Völker zum Erbe geben (Psalm 2,8). Er möchte, dass wir das Land erobern, das er uns als Erbe versprochen hat. Wenn wir das tun, können wir in den großen Lobgesang einstimmen. Die Psalmen 93 bis 99 wurden in ebenso schwierigen Zeiten geschrieben und verkündeten dennoch: „Der HERR ist König. Es juble die Erde!“ (Psalm 97,1); „Sagt unter den Heiden: Der HERR ist König“ (Psalm 96,10) und „Er gedachte seiner Huld und seiner Treue zum Haus Israel. Alle Enden der Erde sahen das Heil unsres Gottes.“ (Psalm 98,3)

Gott anbeten

In diesem Jahr hatten wir beim Laubhüttenfest im wahrsten Sinne des Wortes „alle Enden der Erde“ zu Gast. Sie kamen nach Jerusalem, um ihrem Gott und König zuzujubeln. Sie kamen aus den nördlichsten Teilen der Erde, aus den arktischen Regionen Norwegens, Finnlands und Russlands. Sie kamen von den südlichsten Spitzen der Kontinente in Argentinien und Südafrika. Sie kamen von den entferntesten Inseln, von Fidschi, Tonga und den Salomonen. Die Herrschaft Gottes hat sich auf all diese entlegenen Regionen der Welt ausgedehnt, und nun zogen wir gemeinsam in die Stadt des großen Königs, um unsere Hingabe an den König der Könige, an Jeschua, unseren Erlöser, erneut zu bekräftigen. Egal, wie groß die Herausforderungen in deinem Land sind, denke daran, dass der Himmel regiert! Wie groß die Berge der Not oder die Unmöglichkeit deiner Situation auch sein mögen, sage deinen Problemen: „Wer bist du, großer Berg? Vor Serubbabel (Jesus) werde zur Ebene!“ (Sacharja 4,7). Schließen wir uns zusammen, um zu erobern, um gemeinsam zu überwinden und um gemeinsam das Ziel des Messias zu verwirklichen, Seelen zu erlösen und die Werke des Feindes zu zerstören. Lasst uns große Taten vollbringen, bis er kommt. Möge der Herr euch von Zion aus segnen, während ihr das tut! „Der Herr regiert!“ (Psalm 93,1)

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