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Der Name Palästina für Eretz Israel אֶרֶץ יִשְׂרָאֵל, das Land Israel, wird auf Kaiser Hadrian zurückgeführt, der etwa 135 n. Chr. die von den Römern unterworfene Provinz Judäa-Syrien so benannte. Die Tradition verbindet die Benennung mit dem hebräischen Namen Peléschet פְלֶשֶׁת, Land der Philister. Offenbar sollte Israel gedemütigt werden. Doch Prof. Dr. Dr. David Jacobson vom University College London kommt aufgrund seiner geographischen, archäologischen und philologischen Studien über „Palästina“ zu einem überzeugenden anderen Ergebnis (siehe Biblical Archaeology Review, Mai/Juni 2001), das klar auf Israel und nicht auf Peléschet, das Land der Philister, weist.
Als der Babylonier-König Nebukadnezar 604 v. Chr. die Philister an dem schmalen Küstenstreifen besiegte, gab es nur wenige Überlebende. Sie wurden nach Babylon gebracht und kehrten nicht wieder zurück. In den königlichen babylonischen Chroniken heißt es: „Im ersten Jahr Nebukadnezars, 604/603, im Monat Simanunote, sammelte er sein Heer und … marschierte … zur Stadt Aschkelon und eroberte sie im Monat Kislîmu. Er nahm ihren König gefangen, plünderte sie aus und erbeutete sie. Er verwandelte die Stadt in einen Hügel und einen Trümmerhaufen und zog dann im Monat Šabatu zurück nach Babylon.“
Auch die Worte der hebräischen Propheten hatten sich blutig und brutal erfüllt: „Siehe, ich strecke meine Hand gegen die Philister aus und rotte die Kreter aus und tilge den Überrest an der Küste des Meeres aus.“ (Hesekiel 25,16) „Gaza wird verlassen und Aschkelon zum Ödland werden. … Wehe den Bewohnern des Landstrichs am Meer, der Nation der Kreter! … Land der Philister, ich werde dich vernichten, sodass kein Bewohner mehr bleibt. … es wird ein Landstrich für den Rest des Hauses Juda sein.“ (Zefanja 2,4-7)
Das haben die archäologischen Forschungen (z.B. von Dr. Trude und Moshe Dothan) der letzten Jahrzehnte bestätigt. Wer die Philister waren, woher sie kamen, wann sie im heutigen Gazastreifen siedelten, liegt trotz vieler Untersuchungen weitgehend im Dunkeln. Jüngere Forschungen setzen etwa 1300 v. Chr. für die Besiedlung an, obwohl Abraham bereits Jahrhunderte zuvor mit ihnen zu tun hatte. Das kulturell hochstehende Volk hatte enge Beziehungen zur minoischen Kultur im Mittelmeerraum. Ihre Heimat kann Kaphtor, Kreta oder Zypern gewesen sein. Zahlreiche ägyptische Berichte nennen sie Seevölker, mit denen das Volk vom Nil viele Kämpfe bestritt. In den Nachbarländern nannte man sie nicht plischtim פְלִשְתִּים, sondernKeftiu, Keft, Keftu, Kaftu, Kafta, Kefdet. Weitere Bezeichnungen sind kaptaritum (Akkadisch); kaptara (Assyrisch); kptwr, kptr (Ugarit) und Kaphtor (Altes Testament). Einen Philisterstaat hat es nie gegeben, es gab nur Stadtstaaten, die jeweils von einem König regiert wurden. Das Gedächtnis an die Philister wurde 604 v. Chr. von den Babyloniern gnadenlos ausgelöscht!
Der griechische Weltenbummler und Geschichtsschreiber Herodotkam um 450 v. Chr. ins Land, etwa um die Zeit, als Esra und Nehemia in Jerusalem wirkten. Er berichtet in seinen Werken über Palästina (Griechisch: Παλαιστίνη Palaistínē). Von Philistern ist darin keine Rede. „Palästina“, so sagt er, „ist das weite zusammenhängende Land vom Mittelmeer bis zum Jordan und nach Syrien hinein, kein schmaler Landstreifen am Meer.“ Offenbar hielt er sich eine längere Zeit dort auf und lernte das Land gut kennen. Er nennt Palästina sechsmal (1,105; 2,104 und 106 3. 5.; 3,91; 4,39). Hier nur zwei Zitate aus Buch 1 und 4: „… als sie in Syrien waren, das Palästina heißt, begegnete ihnen Psammetich, der König von Ägypten. – … aber nach Phönizien geht die Halbinsel am Ufer unseres Meeres entlang nach Palästina, Syrien und Ägypten, wo sie endet; in ihr gibt es nur drei Völker.“
Herodot beschreibt keinen schmalen Streifen am Meer, sondern ein weites Land mit dem Namen Palästina-Syrien, das vom Mittelmeer bis weit nach Osten, über ganz Eretz Israel bis nach Syrien und an den Jordan reicht. Im Land erfährt Herodot, dass die Menschen dort die Beschneidung von den Ägyptern gelernt haben. Die eher europäischen Philister in den Berichten der Bibel werden jedoch Unbeschnittene genannt (z.B. 1. Samuel 17,26). Hundert Jahre nach Herodot erwähnt der griechische Philosoph Aristoteles in der Meteorologie, 2,3 Palästina. Weitere Nennungen finden sich bei den Autoren Polemon von Ilion, Ovid und Dion Chrysostomos.
Betrachten wir die sprachliche Seite. Die Ergebnisse wiegen schwerer und zeigen deutlicher, dass mit Palästina nicht das Land der Philister, sondern das Land Israel gemeint sein muss. In der Septuaginta (LXX), der griechischen Übersetzung der hebräischen Bibel durch jüdische Gelehrte in Alexandria zwischen etwa 250 und 100 v. Chr., entschieden sich die Dolmetscher beim Übersetzen der Worte Philister und Land der Philister von 1. Mose bis Josua in 13 Fällen für den griechischen Ausdruck Φυλιστιίμ Phylistiim, (1. Mose 10,14; 21,32.34; 26,1.14-15.18; 2. Mose 13,17; 15,14; 23,31; Josua 13,2-3), und Gê ton Phylistiim, Land der Philister – und nicht für Palaistina! Von Richter 3,3 an werden die Philister als Fremde, allophyloi bezeichnet! Warum?
Den Übersetzern der Septuaginta war Griechisch wohlvertraut. Warum wählten sie also die Bezeichnung Phylistiim? Sie kannten mit Sicherheit das Wort Palaistina, benutzten es aber wie selbstverständlich nicht. Sollte den versierten Auslegern mit ihrer Übersetzung von Peleschet etwa ein Fehler unterlaufen sein? Der Begriff Phylistiim in der Septuaginta ist eine mehr buchstäbliche Umsetzung des hebräischen Wortes Plischtim, eine Transliteration, die während der Hellenisierung üblich war.
Woher kommt nun das Wort Palästina? Wenn mein Griechisch-Lehrer fragt: „Was heißt pálaistes auf Deutsch?“, antworte ich, ohne zu zögern: „Ringer, Ringkämpfer.“ Das ist ein bekanntes, beliebtes Motiv der antiken griechischen Schriftsteller. Schon 1939 wies der Theologe Martin Noth, ein anerkannter Orientalist, auf den Zusammenhang zwischen παλαιστής pálaistes und Palästina hin (siehe Zeitschrift des deutschen Palästina-Vereins, 62, S. 133, FN Nr. 3), verfolgte seine Erkenntnis aber nicht weiter. Theologen haben sie nicht aufgegriffen.
Prof. Jacobson vermutet, dass Herodot damals, 150 Jahre nach der Ausrottung der Philister und fast 600 Jahre vor Hadrian, Juden fragte: „Was bedeutet der Name Israel?“ Darauf wird man ihm ein Ereignis aus der Frühgeschichte erzählt haben, das eindrucksvoll in 1. Mose 32,25-33 geschildert wird. Jakob wird von einer übernatürlichen Persönlichkeit in einen Ringkampf verwickelt. Jakob, der Pálaistes, der Ringer, empfängt bei der Gelegenheit des Ringkampfes den Namen Israel: „Da rang ein Mann mit ihm, bis die Morgenröte heraufkam–kai epálaien anthroōpos met’ autou.“ (V. 25, Griechisch)„Nicht mehr Jakob soll dein Name heißen, sondern Israel; denn du hast mit Gott und mit Menschen gekämpft und hast überwältigt –ki sarita im elohim.“(V. 29, Hebräisch). Die Annahme liegt nahe, dass Herodot von dem Pálaistes Jakob inspiriert wurde und folgerichtig das Land Palaistina nannte, Ringerinien oder Ringkämpferland. Der Bericht in 1. Mose 32,25 wird von den Übersetzern der hebräischen Bibel ins Griechische mit dem Wort epálaien, er rang, (von paláiō, palaiós) geschmückt. Die Sache ist logisch und linguistisch ein interessantes Wortspiel. Jakob kämpfte (Hebräisch sarita שָׂרִ֧יתָ) mit Gott (Elאֱל ). Daraus ergibt sich Isra-El יִשְׂרָאֵל. Pálaistes, Palästina ist demnach Israel!
Die antiken Autoren bezogen Palaistina auf das Land Israel! Herodot lebte im 5., Aristoteles im 4. Jh. v. Chr. Damals gab es keine Erinnerung mehr an die Philister. Ob Hadrian nach dem Ende der Bar-Kochba-Revolte im Jahr 135, also 600 Jahre später, das jüdische Volk mit der Bezeichnung Palästina demütigen wollte, ob er überhaupt Ahnung von einem Volk der Philister hatte, kann nach Meinung von Jacobson bezweifelt werden. Er sieht die Bezeichnung Syria-Palaistina als eine rationale Namensgebung für das große Gebiet Judäa-Syrien an, das mehr umfasste als nur den schmalen Landstrich, auf dem die Philister gewohnt hatten. Mithin haben wir es mit einem Wortspiel zu tun: Palästina = Israel: Land des Ringkämpfers. Wir werden das Problem zwar heute nicht lösen, der Fall ist jedoch unter diesen Gesichtspunkten zu betrachten. Demnach hätten die Araber in Israel und im Gazastreifen wenig Anspruch darauf, das von ihnen bewohnte und beanspruchte Land Palästina und sich selbst Palästinenser zu nennen. Sie sind ohnehin sehr spät eingewandert. (Ursprünglich, so erinnere ich mich, lehnte selbst Jassir Arafat den Namen ab.) Die Benennung Palästina trifft nur auf Israel und die Israelis zu.
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