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In einer Zeit, in der keine Touristen mehr nach Israel kommen, sorgte der Solidaritätsbesuch der deutschsprachigen Reisegruppe unter der Leitung von ICEJ-Geschäftsführer Stephan Lehnert im Oktober für bewegende Momente und Dankbarkeit. Ein Rückblick.
Unser Flugzeug nähert sich Tel Aviv. Und fliegt vorbei. Der Pilot lässt die Großstadt im Norden liegen, fliegt weiter zum Toten Meer. Dort drehen wir Kreise – während die Hisbollah Raketen auf Tel Aviv und den Norden Israels abfeuert. Das Tote Meer schimmert wie ein Diamant in der tiefstehenden Sonne. Die Passagiere nehmen die Warteschleifen mit Gelassenheit hin. Alltag in Israel seit dem 7. Oktober. Auf dem Bordbildschirm sieht unsere Flugroute am Toten Meer bald aus wie ein Wollknäuel. Als der Raketenalarm vorbei ist, bringt unser Pilot die Maschine im raschen Sinkflug zum Flughafen. Wir landen sicher. Fast 40 Christen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben es gewagt, diese Laubhüttenfest-Solidaritätsreise anzutreten. Keiner bereut es. Die Stimmung ist ungetrübt.
Es geht zur Eröffnungsfeier des Laubhüttenfests der ICEJ. Unser Bus stoppt mitten in der Wüste nördlich von Arad. Vor uns liegt ein winziges Beduinendorf, wie aus einem orientalischen Märchenbuch entnommen. Kamele dösen in der Sonne. Es riecht nach frischem Mokka. Ein paar hundert Christen aus 50 Nationen kommen hier zusammen, um Gott zu loben. Vor dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 und dem daraus folgenden Krieg kamen tausende Anbeter aus aller Welt zur Eröffnungsfeier. Wir sind nur wenige. Aber wir wissen: Unzählige Christen vieler Nationen, die ebenfalls gerne nach Israel gereist wären, sind im Gebet mit uns verbunden – und Tausende sind online mit dabei.
Wir laufen mit der deutschen und der israelischen Fahne durch den Jerusalemer Mahane Yehuda Markt. Immer wieder bleiben wildfremde Menschen stehen, danken für unser Kommen, klatschen und jubeln uns zu. „Ihr kommt zu uns? In dieser Zeit?“ „Gerade in dieser Zeit“, antworten wir.
So viel Freude über eine deutsche Fahne in Jerusalem – wer hätte das vor wenigen Jahrzehnten gedacht? Manche singen und tanzen sogar für uns: „Hevenu shalom aleichem!“ Kinder schenken uns Süßigkeiten und selbstgemalte Bilder. Die Israelis sind voller Herzlichkeit, manche mit Tränen in den Augen. Ihre Dankbarkeit beschämt uns.
Die Bilder vom Judenhass auf den Straßen europäischer Städte schockieren die Israelis. „Von Frankreich und England konnte man das ja erwarten“, sagt unser israelischer Reiseführer Chaim im persönlichen Gespräch. „Aber solche Bilder aus Deutschland zu sehen, enttäuscht uns sehr und macht traurig.“ In Israel beobachte man auch mit Sorge die offen ausgesprochenen Kalifat-Forderungen. „Deutsche Freunde haben mir gesagt, sie beten für uns“, erzählt Chaim. „Ich habe ihnen gesagt: Fangt lieber an, für Euch zu beten!“
Gähnende Leere in Yad Vashem, dem größten Holocaust-Museum der Welt, in dem sich sonst dicht an dicht die Besucher drängen. Der Blick ist frei auf ein Zitat von Kurt Tucholsky, das in großen Buchstaben an einer Wand zu lesen ist. Das Zitat löst Betroffenheit aus: „Ein Land ist nicht nur, was es tut, sondern auch was es toleriert“.
Der jüdische Staat will nicht tolerieren, dass seine Bevölkerung jemals wieder massakriert wird.
Wir feiern mit jüdischen Ehrengästen in der Davidszitadelle. Ein israelischer Laien-Chor ist gekommen, um für uns Christen zu singen. Es wird totenstill, als Chorleiter Kobi Oshrat seine Sänger vorstellt: Jedes Chormitglied hat mindestens einen engen Angehörigen verloren beim Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober. Da ist die Sängerin in der ersten Reihe: „Ihre Tochter wurde ermordet.“ Ein Senior in der hinteren Reihe: „Er hat drei Söhne verloren.“
Dann stimmt der Chor das erste Lied an. Die Stimmen füllen die Mauern der alten Festung, steigen hinauf zum Sternenhimmel Jerusalems. Die Mütter und Väter der Terroropfer singen „Hallelujah" in die Nacht hinein.
Noch immer sind rund 100 Geiseln in den Händen der Hamas. Auf einer Solidaritätskundgebung der ICEJ nahe der Grenze zum Gazastreifen lernen wir Verwandten und Freunde der Geiseln kennen. „Für uns seid ihr Engel“, ruft uns ein Sprecher zu. „Bitte betet weiter für unsere Angehörigen!“
Wir laufen durch den überfallenen Kibbuz Be’eri. Über 130 Bewohner wurden hier bestialisch gefoltert und umgebracht, darunter Säuglinge. Die Hamas zelebrierte eine Orgie der Gewalt, die jede Vorstellungskraft übersteigt. Rund 30 Bewohner wurden entführt. Wir sehen die Spuren der Verwüstung. Zersprungenes Glas, zerschossene Fassaden, Löcher in den Wänden. Die Terroristen kamen mit Flammenwerfern, mit Panzerfäusten, Handgranaten, Schusswaffen und Macheten. Be’eri wird wieder aufgebaut. Die ICEJ hilft dabei.
Unsere Laubhüttenfest-Solidaritätsreise führt uns auch auf das Gelände des Supernova-Musikfestivals. Die Atmosphäre ist beklemmend. 364 junge Menschen wurden hier ermordet, 40 entführt. Ihre Familien haben eine Erinnerungsstätte geschaffen. „We will dance again!“ – wir werden wieder tanzen! – verkündet ein großes Plakat. „Wir werden die Dunkelheit nicht siegen lassen“, versichern uns die Israelis. „Wir werden besser und stärker aus ihr hervorgehen.
Wir fahren an einem hohen Zaun entlang, durchfahren dann Zone B. Die palästinensischen Gebiete sind in Zonen aufgeteilt, ein Ergebnis des Osloer Friedensabkommens, das allerdings keinen Frieden, sondern Terrorwellen über Israel brachte. Trotzdem wird es vielfach noch immer als „Meilenstein im Nahost-Friedensprozess“ bezeichnet. Jeder Fußbreit, aus dem sich Israel freiwillig zurückzog, wurde mit neuer Gewalt und dem Ausbau von Terrorinfrastruktur beantwortet – trauriges Beispiel dafür ist der Gazastreifen, den Israel 2005 vollständig geräumt hatte in der Hoffnung „Land gegen Frieden“. Das Betreten der unter vollständiger palästinensischer Selbstverwaltung stehenden Zone A ist für Juden lebensgefährlich und verboten.
Zwischen 1994 und 2004 starben rund 1000 Israelis durch Terroristen, die aus den Palästinensergebieten auf israelisches Gebiet eindrangen. „Dann haben wir den Zaun gebaut“, erläutert unser Reiseleiter. Die Weltgemeinschaft war empört. „Der Zaun ist nicht schön“, bestätigt Chaim, „aber er rettet Leben.“ Die Zahl der Terrortoten ging signifikant zurück: „Um 95 bis 98 Prozent.“
Die Zäune und Checkpoints werden von Israelkritikern gerne als Grund für den Terror genannt. Doch Fakt ist: Erst kam der Terror, dann der Zaun.
In Qumran schüttet eine besorgte israelische Mutter einigen Reiseteilnehmern ihr Herz aus. Vier ihrer Kinder sind einberufen worden und kämpfen jetzt in der Armee. Die Reisegruppe nimmt sie in die Mitte, singt spontan für sie und ihre Kinder „Am Israel Chai!“ – das Volk Israel lebt. Die Mutter der Wehrdienstleistenden wischt sich Tränen aus den Augen.
Arm in Arm stehen sie zusammen auf der Bühne und beten für Frieden: Der palästinensische Pastor Saleem Shalash und der messianische Jude Israel Pochtar. Sie beweisen, es gibt Hoffnung. Frieden ist möglich. Als der Moderator eine Frage an beide stellt und das Mikrophon zuerst Pastor Shalash übergibt, reicht der Araber aus Nazareth es lächelnd weiter an den jüdischen Pastor: „Die Bibel sagt, die Juden zuerst.“
Wie sieht der palästinensische Pastor seine Beziehung zu nicht-messianischen Juden? Der Araber erinnert an die biblische Geschichte vom verlorenen Sohn. Aber in einer anderen Version: „Ich will der ältere Bruder sein, der im Vaterhaus bleibt – und sich jeden Tag auf die Rückkehr seines kleinen Bruders freut“.
Auch für sein eigenes Volk hat er eine positive Vision. „Gott sammelt Abrahams ganze Familie, seine Söhne Isaak und Ismael, und bringt sie nach Hause“, ist Pastor Shalash zuversichtlich.
Der orthodoxe Rabbiner Shmuel Bowman und seine Nachbarn haben die deutschsprachige Reisegruppe zu Kaffee und Keksen in ihre Sukka, ihre Laubhütte, eingeladen. Rabbi Bowman und die ICEJ sind alte Bekannte: Gemeinsam mit seiner Hilfsorganisation Operation Lifeshild stellen wir Schutzbunker in Israel auf. Zum Abschied gibt es ein gemeinsames Foto. Bevor es zurück in den Bus geht, umarmen die jüdischen Gastgeber ihre christlichen Gäste und wünschen eine gute Rückreise: „Nesi'a tova!“
(Foto: Ein israelischer Laien-Chor, jedes Chormitglied hat mindestens einen engen Angehörigen verloren beim Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober)
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