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Schätze des Hebräischen Denkens – Endzeit – Erntezeit

Endzeit - Erntezeit

Schätze des Hebräischen Denkens
Katja Bühler
Erntezeit

Ein biblisches Topthema in unseren Tagen ist die Endzeit. Obwohl schon sehr viel darüber gesagt, geschrieben und spekuliert wurde, gibt es immer wieder neue Aspekte im Lichte der Bibel zu entdecken. Deshalb wollen wir das Wort „Ende“ aus hebräischer Sicht betrachten.

 

Ende – aus und vorbei? Die Grundbedeutung des hebräischen Wortes kez (קץ) ist Ende, Ablauf einer Zeit oder einer Frist. Kez wird vom Verb kazaz (קצץ) hergeleitet, was abschneiden, abschlagen bedeutet. Kez steht für einen Zeitpunkt, an dem etwas abgeschnitten wird, damit etwas Neues beginnen kann.

 

Es gibt verschiedene Geschehnisse, die den endzeitlichen Prozess markieren und die mit der Zeit an Intensität zunehmen. Die Bibel gebraucht die Metapher von Geburtswehen. Die berühmte Endzeitrede von Jesus auf dem Ölberg ist im Matthäusevangelium 24 enthalten. In Vers 6 lesen wir von Vorboten, von Kriegen und Kriegsgeschrei. Jesus mahnte: „Das ist noch nicht das Ende (sot od lo ba ha-kez).“  Er spricht in Vers 13 davon, dass wir Ausdauer benötigen, um das Endziel zu erreichen: „Wer aber beharrt bis ans Ende (kez), der wird gerettet werden.“ Paulus animiert uns ebenfalls, unseren Lebenslauf zu vollenden. Nur mit Durchhaltevermögen können wir das Ziel erreichen und einen Siegeskranz erhalten (1. Korinther 9,26). Nach dem Ende folgt ein neuer Anfang.

 

Stechende Dornen Interessant in diesem Zusammenhang ist die Wortähnlichkeit mit dem hebräischen Begriff koz (קוץ). Koz bedeutet Dorne oder Dornengestrüpp. Dieses lästige Unkraut ist sehr robust und resistent. Wenn man die Wucherung nicht im Keim erstickt, gerät das Wachstum außer Kontrolle. Dornen (kozim) sind ein Abbild des Bösen und ein Symbol für Mühsal (1. Mose 3,17). Jesus bekam in seiner schlimmsten Leidensphase, kurz vor seinem Tod am Kreuz, eine Dornenkrone (ateret kozim) aufgesetzt. Es war an Spott und Hohn nicht zu übertreffen. Der König der Juden wurde mit einer Dornenkrone als Zeichen des Fluches gekrönt.

 

Ein weiteres Beispiel zeigt uns Paulus auf (2. Korinther 12,7). Er spricht von einem hinderlichen Pfahl im Fleisch. Im Hebräischen steht dafür das Wort koz. Eine Art „Dorne“ im Fleisch. Was damit genau gemeint ist, wissen wir nicht. Die Bibel geht nicht konkret auf diese körperliche Schwäche ein. Wer schon einmal einen Dorn im Finger gehabt hat, weiß, wie quälend das sein kann. Schon ein winziger Spreißel kann einen unglaublichen Schmerz verursachen.

 

Körperliche Schwachheiten ziehen uns in die Gegenwart Gottes! Gott verheißt uns deshalb: „Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“ (2. Korinther 12,9). Die letzten Tage sind geprägt von einer sehr anstrengenden, schweren und „dornigen“ Zeit.

 

Relativierung des Bösen Das 12. Kapitel im Buch Daniel trägt die Überschrift „et ha-kez“

(עת הקץ), was auf Deutsch „der Zeitpunkt des Endes“ heißt. Das ganze Kapitel dreht sich um die Endzeit und liefert uns tiefe Einblicke. In Vers 11 heißt es: „Und von der Zeit an, da das tägliche Opfer abgeschafft und das Gräuelbild der Verwüstung aufgestellt wird, sind es 1290 Tage.“ In Matthäus 24,15 wird eine ähnliche Szenerie beschrieben: „Wenn ihr den Gräuel der Verwüstung seht ...“

 

In beiden Versen sticht das Wort „Gräuel“ ins Auge. Das hebräische Wort schikuz (שקוץ) bedeutet Scheusal, Gräuel. Dieses Wort ist auf das Verb kuz (קוץ) zurückzuführen. Kuz bedeutet verabscheuen, Ekel und Grauen empfinden. Genau diese Charakterzüge stecken im „Gräuelbild der Verwüstung“. Die Endzeit ist geprägt von noch nie dagewesener Unreinheit, falscher Anbetung und Götzenverehrung. Die Relativierung der Sünde bringt schreckliche Konsequenzen mit sich. Es herrscht ein sündhaftes Klima auf der Welt, das  Nährboden für unglaubliches Leid und Schmerz bietet.

 

Alles rund um die Ernte Ein weiterer Begriff aus dem gleichen Wortstamm ist kazar (קצר). Kazar bedeutet verkürzen. Der Begriff hat seinen Ursprung in der Getreideernte und heißt „Abschneiden der Ähren“. Kazar steht aber auch allgemein für ernten, die Ernte einbringen. Erntehelfer werden kozrim (קוצרים) genannt. Das hebräische Wort für Ernte ist kazir (קציר). Die große Getreideernte findet in den Sommermonaten Juni bis August statt. On top kommt, dass das Wort Sommer auf hebräisch kajiz (קיץ) heißt und ebenfalls aus der Wortfamilie kez entstammt. Darüber hinaus bedeutet kajiz Sommerobst, fallende Obsternte.

 

Der Sommer ist eine Zeit, in der kräftig angepackt werden muss, um die reife und letzte Ernte einzufahren. Erntezeit ist eine mühsame, schweißtreibende Zeit. Wir müssen alles geben. Wenn wir uns nicht im Arbeitsmodus befinden, geht die wertvolle Ernte kaputt, ein irreparabler Schaden entsteht.

 

Erweckung Es ist in den letzten Tagen wichtig, dass wir nicht müde werden. Wir müssen wach sein! Das Gleichnis der zehn Jungfrauen soll uns wachrütteln (Matthäus 25). Das hebräische Wort jakaz (יקץ), ebenfalls ein Mitglied der Wortfamilie von kez, bedeutet „vom Schlaf aufwachen“. Zum ersten Mal kommt dieses Wort bei Noah vor, als er aus seinem Rausch aufwacht (jakaz). Vielleicht sind wir in unserem Glauben schläfrig geworden, haben uns von falschen Dingen berauschen lassen, haben nicht nach Gottes Weisungen gelebt, sind dem Mainstream unhinterfragt hinterhergelaufen, ....

 

Wir haben noch die Chance „aufzuwachen“! Wir können Heute unser Leben neu nach Gottes Plänen auszurichten und die Bibel als unser persönliches Navigationssystem in unserem Alltag integrieren und somit die Turbulenzen der Endzeit zu überwinden.

 

Erntefeld Es ist sehr aufschlussreich, die Brücke zwischen Ende und Ernte zu sehen. Wie oft vergleicht Gott die letzten Tage der Erde mit einem großen Erntefeld. Jesus spricht: „Hebt eure Augen auf und seht auf die Felder, denn sie sind reif zur Ernte“ (Johannes 4,35). „Die Ernte ist groß, aber wenige sind der Arbeiter. Darum bittet den Herrn der Ernte (adon ha-kazir), dass er Arbeiter in seine Ernte (kazir) sendet“ (Matthäus 9,37–38). Jesus spornt uns für diese wichtige Erntearbeit an und gibt uns eine sehr motivierende Verheißung: „Wer erntet, empfängt schon jetzt seinen Lohn und sammelt Früchte zum ewigen Leben“ (Johannes 4,36).

 

Wann die letzte große Ernte hier auf der Welt eingefahren wird, wissen wir nicht genau. „Ihr wisst weder Tag noch Stunde“ (Matthäus 25,13). Aber da Jesus die biblischen Frühlingsfeste mit seinem 1. Kommen auf die Erde erfüllt hat, könnte es möglich sein, dass die Herbstfeste bei seinem 2. Kommen eine zentrale Rolle spielen. Jedes Jahr bildet das Laubhüttenfest (Sukkot) den finalen Abschluss der letzten Ernte in Israel. Vielleicht liegt die größte Erfüllung dieses Festes noch vor uns?

 

Fazit: Bei unserer Wortanalyse ist faszinierend zu sehen, wie vielfältig das Wort kez und seine Varianten sind und wie die Bedeutungen sehr präzise auf die Endzeit zutreffen.

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