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Chava Kallisch wurde am 30. Dezember 1927 in Eger in Ungarn als Eva Berkovitz geboren. Chava, die sich gern auch Eva nennt, ist eine von vier Töchtern, Chava/Eva ist die Zweitjüngste. Klara, Barbara und Valeria heißen ihre Schwestern.
Eva spricht davon, dass sie in einer großartigen Familie aufgewachsen sei. Eine religiöse, traditionelle jüdische Familie. Durch die Wirren des Krieges, durch die schrecklichen Erlebnisse, sagt sie, hat sie ihre jüngste Schwester gar nicht mehr in Erinnerung. Ihr Vater, Josef Berkovitz, und die Mutter, Maria Großmann, führten eine glückliche Ehe. Ihre Lebensumstände waren vor dem Naziterror und dem Holocaust gut.
Der Vater Josef war Schneidermeister und entwarf edle Mäntel, Kutten und Anzüge für Rechtsanwälte, Pfarrer und andere Leute der gehobenen Schichten.
Nachdem auch die Faschisten in Ungarn an die Macht kamen, wurden sofort Ghettos für die jüdische Bevölkerung errichtet. Eva erinnert sich, dass auch sie und ihre Familie fortan mit dem gelben Stern auf der Kleidung herumlaufen mussten. Alle Schikanen der Nazi-Schergen wurden auch in Ungarn gegen die Juden angewandt. Zum Beispiel, so erinnert sich Eva, durften sie erst nach 22 Uhr den Markt besuchen. Dann waren natürlich schon sämtliche Lebensmittel ausverkauft. Eva musste selbst harte, für ein Mädchen ungewöhnlich schwere Arbeit leisten. Man zwang sie, die Mauern fürs Ghetto in Eger hochzuziehen. Ihrem Vater versetzten die Nazis einen Tritt und warfen ihn aus dem Ghetto. Nähere Umstände sind nicht bekannt.
Er kam in ein Arbeitslager, wo Juden schuften mussten wie Sklaven. Ihre Schwestern, die Mutter und Chava wurden von den Nazis nach Auschwitz deportiert. Tagelang reisten sie unter menschenunwürdigen Bedingungen in jenen berüchtigten Viehwaggons über Tschechien nach Auschwitz. Teilweise wurden 90 Menschen in einen Waggon gepfercht, ohne Nahrung, Licht, Wasser und sanitäre Versorgung. Es stand ein Eimer für Exkremente zur Verfügung. Die Toten, die an Hunger oder Durst starben, warf man aus dem Zug. 1944 wurde Evas gesamte Familie nach Auschwitz gebracht.
An der berüchtigten Rampe von Auschwitz-Birkenau wartete das Monstrum unter den SS-Offizieren, der berüchtigte KZ-Arzt Dr. Josef Mengele. Er stand breitbeinig an der Rampe und selektierte die Häftlinge in zwei Gruppen: diejenigen, die sofort in die Gaskammern kamen, und diejenigen, die er für seine medizinischen Experimente missbrauchte oder die Schwerstarbeit leisten mussten. Evas Mutter und zwei ihrer Schwestern wurden vergast. Eva und ihrer Schwester wurden die Haare abgeschoren. Sie waren komplett kahl. Eva wurde die KZ-Nummer von Auschwitz A 9218 auf den Arm tätowiert. Ihre Schwester bekam die Nummer A 9219.
Eva wurde im berüchtigten B-Lager von Auschwitz untergebracht und arbeitete im Außenkommando, u. a. in der sogenannten Shell-Küche. Sie wurde Zeugin jener widerlichen Praxis der Nazis, die dem Essen eine Substanz beigaben, ein Pulver, damit die Periode bei den weiblichen Häftlingen ausblieb. Eva erinnert sich bis heute an einen schrecklichen Tag. Es geschah im B-Lager an Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, an dem die Juden zum Fasten verpflichtet sind. Die Nazis verboten jegliche jüdischen Traditionen in Auschwitz. Als sie Eva und ihre Schwester beim Fasten erwischten, zwangen die Nazis sie auf die Knie und peitschten sie aus.
Die letzten Kriegstage erlebte Eva körperlich geschwächt, ausgelaugt und krank im C-Lager. Sie mussten knietief durch den Schnee waten, denn im Jahr der Befreiung 1945 gab es einen bitterkalten, langen Winter. Die Nazis organisierten in dieser Zeit jene berüchtigten Todesmärsche, auf denen die Häftlinge zu Tode geprügelt wurden oder einfach vor Erschöpfung und Hunger zusammenbrachen. Eva gelangte in den letzten Kriegstagen zuerst nach Sachsen-Anhalt, nach Magdeburg, und dann in das Frauenlager, ins KZ Ravensbrück.
Auschwitz war schon ein Trauma. Aber was Eva in Ravensbrück erlebte, lässt sie ihr Leben lang nicht mehr los: Sie erinnert sich, am Tag ihres Eintreffens Berge von Leichen, aufgetürmt und erfroren, gesehen zu haben. Am 3. Mai 1945 befreiten Truppen der Roten Armee das Frauenlager. Doch Evas Pein war noch immer nicht vorbei. Mit einer kleinen Gruppe von Häftlingen zog ein versprengter Trupp von KZ-Wächtern in ein nahegelegenes Waldstück. Hier erst wurden sie von den Russen befreit. Die SS-Wachmannschaften waren geflohen. Ihre Schwester war bereits gestorben.
Die Russen gaben den völlig ausgemergelten Häftlingen Essen. Doch es war zu reichhaltig und zu fett. Daran starben viele Häftlinge. Eva, die einzige Überlebende ihrer Familie, gelangte nach Budapest, wo sie ihre Familie suchte. Ihren Vater, der nicht mit in Auschwitz war, fand sie tatsächlich wieder. Er hatte sich in den Wäldern verstecken können. Der Vater starb mit 63 Jahren in Ungarn.
Eva blieb noch in Ungarn, in Budapest, wo sie später ihren Mann Chaim kennenlernte. Über Jugoslawien gelangten sie schließlich ans Mittelmeer, wo sie mit 4.000 anderen jüdischen Flüchtlingen zusammengepfercht auf einem Schiff nach Palästina einen Platz fanden. Die Briten verweigerten jedoch auch ihnen die Einreise und schickten sie nach Zypern in die Internierungslager, wo sie später ihren Mann heiratete. Wie viele jüdische Immigranten kam sie 1947 in das Internierungslager Atlit bei Haifa.
Endlich in Palästina angekommen lernte sie Hebräisch auf der Straße, im Alltag. Sie fand eine Arbeit auf dem Lande und machte sich bei der Feldarbeit nützlich. Jeden Tag lief sie sechs Kilometer zu Fuß zur Arbeit. Später arbeitete sie in Kindergärten und Waisenheimen als Erzieherin. Auch im Krankenhaus fand sie eine Anstellung. Sie bekam einen Sohn und eine Tochter, heute hat sie zwei Enkel und fünf Urenkel.
Im Frühjahr 2014 verstarb ihr Mann Chaim. Nun lebt sie allein in ihrem kleinen Häuschen, das sie sich gemeinsam hatten aufbauen können. Ihre Familie kümmert sich rührend um sie. Sie ist zuckerkrank, doch für ihre 87 Jahre noch sehr rüstig und glücklich im Kreise ihrer Familie.
Chava lebt in Kfar Saba.
Link zum Video über Chava Kallisch
Chava was born in Vienna, Austria. She had two siblings, a twin sister and a brother. Chava’s father was the chief cashier at the People Newspaper in Vienna. Together with his brother, he had already played chamber music with Albert Einstein in Vienna.
When Chava was seven years old, she was in a rest home in Charguz when she had her first experience with antisemitism. The other children and the teacher reviled her as a “Saujüdin” (“Jewish pig”). At the time, she did not know what that meant.
Shortly after Hitler marched into Vienna with German troops on March 13, 1938, Chava left the seventh class of high school. Instead, she went to work selling cosmetics in a private home. A few weeks later, her father was deported to Dachau. Her mother managed to secure his release from the concentration camp, and the family subsequently immigrated to England, where her father worked as a watchmaker.
In 1938, Chava was given the opportunity to immigrate to Palestine with a Jewish youth movement. She and her sister received certificates and traveled from Trieste, Italy, to Haifa with twenty other Jewish youths. The voyage lasted five days. Chava remembers the beautiful and unforgettable journey fondly, especially watching the sunrises along the way.
In Israel, Chava spent her entire working life in a kibbutz. She taught children and young people handicrafts until the age of 76 and, among other achievements, founded an orchestra. Her parents also immigrated to Israel in 1951. Her brother settled in Canada.
Chava met her future husband, Dov Livschnitz, again in the kibbutz. She had already known him before the war through the youth movement in Vienna. The couple married in 1944.
Chava has four children, fourteen grandchildren, and twenty-one great-grandchildren. She maintains excellent contact with her family. Two of her sons live in Canada and Los Angeles.
She enjoys pottery, knitting, painting, cooking, singing, and classical music. About one and a half years ago, she appeared as a guest on an Israeli television program, where she shared her life story.
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