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Eliezer Nachschon hat eine von jenen Geschichten Holocaustüberlebender, die besonders fesseln. Das liegt zum einen an Eliezer selbst, einem Mann im biblischen Alter von 99 Jahren. Nicht nur, dass er durch seine körperliche Fitness überzeugt, seine positive Lebenseinstellung ist beeindruckend und faszinierend.
Geboren wurde Eliezer am 25. August 1915 in der polnischen Hauptstadt Warschau. Das heißt er ist heute (2014) 99 Jahre alt und wird hoffentlich nächstes Jahr seinen 100. Geburtstag feiern – trotz eines entbehrungsreichen Lebens im Krieg und im Holocaust!
Eliezer hatte sechs Geschwister, er war der zweitälteste Sohn. Seine Familie galt als streng religiös. Sein Vater Menachem (Mendel) und Mutter Nechama, geb. Lichtenberg, konnten ihren Kindern kein Leben im Überfluß bieten. Eliezers Familie gehörte eher zur Unterschicht. Der kleine Eliezer konnte bis zur 5. Klasse eine polnische Schule besuchen. Bis zu seinem 13. Lebensjahr lebte Eliezer in schlichten, bescheidenen, aber geordneten Verhältnissen. Dann starb der Vater. Und für Eliezer, gerade 14 Jahre alt geworden, veränderte sich das Leben schlagartig.
Ab 1929 war Eliezer der Kopf der Familie. Nicht der älteste Sohn, sondern Eliezer selbst stand mit 17 Jahren an der Spitze der Familie. Er sorgte verantwortungsvoll für seine Geschwister und die Mutter, stellte sein eigenes Leben stets in den Dienst der Familie, die Eliezer wie einen Helden verehrte, denn er rettete sie durch die grausamen Jahre des Krieges und des Holocaust. Vom Vater hatte Eliezer ein kleines Geschäft übernehmen können, einen bescheidenen Getreidehandel. Eliezer verkaufte Mehl, Eier und andere Grundnahrungsmittel, womit er die Familie über Wasser halten konnte.
1939 brach der Krieg aus. Und für Eliezers Familie begann der Überlebenskampf. Die Deutschen legten zunächst bei ihrem Überfall auf Polen Städte und Dörfer in Schutt und Asche. Eliezer rettete seine Familie vor dem Bombenhagel, indem er sie in Kellern unterbrachte. Bunker gab es zu dieser Zeit noch nicht. Ab dem 29. September 1939 war Polen komplett besetzt. Die jüdische Bevölkerung wurde über Nacht in Ghettos eingesperrt. Sie wurde gezwungen, den gelben Davidstern auf ihrer Kleidung zu tragen und sie wurde beraubt, enteignet und ausgeplündert.
Eliezer hatte ein wenig Glück im Unglück. Er sah aus wie ein „Goi“, ein Nichtjude. Er war blond und hatte blaue Augen. Und Eliezer war stets voller Einfallsreichtum, gab nie auf und fand immer einen Weg, die Familie über Wasser zu halten und für ihre Unversehrtheit zu sorgen. So verkaufte er auf dem Lande Kleinwaren, Haushaltsmittel – alles, was die Leute im Dorf gebrauchen konnten –, bis die Behörden ihm auf die Schliche kamen und er erwischt wurde. Dann wurde er geschlagen. Auch alle seine Waren wurden ihm abgenommen.
Eliezer überlegte. So konnte es nicht weitergehen. Er musste die Familie beschützen und einen Ausweg finden. Eliezer flüchtete nach Russland, um sich nach einem sicheren Flecken für seine Mutter und die Geschwister umzusehen. Nach einer Woche gelangte er sicher nach Polen zurück. Doch da musste er die schreckliche Nachricht verkraften, dass die Mutter an Typhus erkrankt war. Eine für damalige Verhältnisse tödliche Krankheit. Eliezer musste wieder eine Entscheidung treffen. Er musste die Mutter schweren Herzens zurücklassen. Sobald sich die Mutter besser fühlte, wollte Eliezer sie nachholen. Der ältere Bruder war bereits verheiratet und flüchtete gemeinsam mit seiner Frau und Eliezer über die Grenze nach Russland.
Sie lebten zunächst in der russischen Grenzstadt Brest. Eliezer hielt die Familie mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Er organisierte eine kleine 1½-Zimmer-Wohnung. Eliezers Schwägerin war mit den Umständen unzufrieden und so ging sein Bruder mit seiner Frau nach Deutschland. Eliezer fand keine Ruhe, er war in einem ganz schrecklichen Dilemma. Sollte er die Mutter nachholen? Die Geschwister wieder nach Polen zurückbringen? Er hat nie wieder etwas von der Mutter, seinem Bruder und der Schwägerin gehört. Sie kamen im Holocaust ums Leben.
Am 30. Juni 1940 ging Eliezer mit anderen jüdischen Flüchtlingen weit hinein ins tiefe Russland, nach Sibirien. Dort blieb er mit seinen Geschwistern von 1944 bis 1946. Eliezer, „der Mutige, der Held“ für seine Geschwister, ging unter die Holzfäller. Später wird er sagen, die jahrelange Arbeit im Wald in Sibirien habe ihn körperlich so fit, so alt werden lassen. Da viele Menschen in Sibirien keine Juden kannten und nichts über sie wussten, ließ man auch Eliezer und seine Geschwister in Ruhe. Eliezer ging seiner Arbeit nach und versorgte seine Geschwister so gut er konnte. Er brachte es sogar zu einer Art „Holzfäller-Meister“, so gut arbeitete er.
Dann ereilte ihn ein schwerer Unfall, an dem er lange laborierte. Doch zäh und ausdauernd wie Eliezer war, überstand er auch diese Herausforderung. Da in Russland Diktator Stalin herrschte, der willkürlich alle und jeden in den Gulag, ins Arbeitslager steckte, musste auch Eliezer von 1943 bis 1944 Zwangsarbeit für das kommunistische Russland unter Stalin leisten. Danach erlebte er die guten Seiten des Schicksals. Er traf 1946 seine Frau, eine Polin, und heiratete sie. Dennoch kümmerte er sich ohne Unterlass um seine Geschwister.
Nach dem Krieg fand Eliezer auch Anschluss für sich und seine Geschwister an eine zionistische Gruppe, die „Shomer al HaZair“ („Wächter der Jugend“) hieß, um die Alijah, die Auswanderung nach Palästina, vorzubereiten. Eliezer ging noch einmal allein nach Warschau zurück, um nach der Mutter und dem Bruder zu schauen, fand aber niemanden mehr. 1947 ging es über Tschechien, Deutschland, Österreich und Frankreich an die Mittelmeerküste. Die Geschwister bekamen einen Platz auf der berühmten „Exodus“, jenem legendären Schiff, über dessen abenteuerliche Reise nach Palästina später Leon Uris seinen gleichnamigen Roman schrieb.
Am 22. Mai 1948 trat der nimmermüde, tapfere Eliezer der Palmach bei, der Vorläufer-Organisation der Israelischen Verteidigungsarmee Zahal (später IDF). Gerade rechtzeitig, um Israel 1948 gegen den Angriffskrieg der arabischen Nachbarstaaten zu verteidigen. Eliezer kämpfte für Eretz Israel im Negev und in Jerusalem, wo er stationiert war. 32 Jahre lang arbeitete er in der Kommunikationsbranche und bei der Post.
Heute blickt er auf ein entbehrungsreiches Leben zurück. Seine drei Kinder bedeuten ihm alles und er genießt sein Leben in der Familie mit fünf Enkeln und einem Urenkel.
Heute wohnt Eliezer in Kfar Saba.
Eliezer Nahshon is one of those Holocaust stories that are particularly captivating. This is partly due to Eliezer himself, a man of the biblical age of 99 years. Not only is he convinced of his physical fitness, his positive attitude toward life is impressive and fascinating.
He was born Eliezer on 25 August 1915 in the Polish capital of Warsaw. With his hardship of life in the War and the Holocaust - a grandiose life performance!
Eliezer had six siblings. He was the second oldest son. His family was considered very religious. His father Menachem (Mendel) and mother Nechama, born Lichtenberg, could offer no life in abundance to their children. Eliezer's family belonged rather to the lower economic level of society. The small Eliezer was able to go to a Polish school to the 5th grade. Up to the age of 13, Eliezer lived in simple, modest but ordered circumstances. Then his father died. As for Eliezer, who had just turned 14 years old, life changed abruptly.
From 1929, Eliezer was the head of the family, not the eldest son, but it was Eliezer who worked for 17 years at the helm of the family. He was made responsible for his siblings and his mother. He put his own life always in the service of the family and was revered as a hero because he saved them from the cruel years of the war and the Holocaust.
From Eliezer’s father, he had been able to take over a small business. Making a modest grain trade, Eliezer sold flour and eggs and other staples. This was how he was able to keep the family afloat.
In 1939 the war broke out. Eliezer's family struggled for survival. The Germans first invaded Poland and turned the cities and villages to rubble. Eliezer saved his family from the bombing, housing them in basements. As of September 29, 1939, Poland was completely occupied. The Jewish populations were detained overnight in ghettos and were forced to wear the yellow Star of David on their clothes. They were deprived, dispossessed and robbed.
Eliezer had a blessing in disguise. He looked like a non-Jew. He was blond and had blue eyes. And Eliezer was always full of ingenuity, never giving up and always finding a way to keep the family afloat and to ensure their integrity. So he sold everything that people could use in the village until the authorities caught him in the countryside. Then he was beaten. Also, all his goods were taken from him. Eliezer thought he could go no further. He had to protect the family and find a way out. Eliezer fled to Russia to look for a safe spot for his mother and siblings. After a week he arrived safely back to Poland. It was then that he learned that his mother was sick with typhoid fever. Since he had to cope with the terrible news, a deadly disease for that time, Eliezer had to make a decision again. He had to leave his mother with a heavy heart. The older brother was already married and escaped with Eliezer and his wife across the border to Russia.
They first lived in the Russian border town of Brest. Eliezer held the family together with odd jobs. He organized a small 1½ room apartment. Eliezer’s sister in law was dissatisfied with the Umstaeden and so his brother went with his wife to Germany. Eliezer could not rest and he was in a very terrible dilemma. Should he make up for leaving his mother and bring the siblings bring back to Poland? He never heard of the mother, brother and sister in law again. They died in the Holocaust.
On 30 June 1940, Eliezer went with other Jewish refugees to Siberia. He remained there with his siblings from 1944 to 1946. Eliezer, "the brave hero” for his brothers and sisters, went with the loggers. Later he said that the years of work in the woods in Siberia, made him physically fit. Since many people in Siberia did not know much about the Jews, they left Eliezer and his siblings alone. Eliezer went to his work and took care of his siblings as well as he could. He even made it as a kind of “Log Champion”, as he worked well so well.
Then he suffered a serious accident from which he suffered for a long time. But as tenacious and persevering as Eliezer was, he survived this challenge.
When the Russia dictator Stalin prevailed, the Jews were put in labour camps. So from 1943 to 1944 communist Russia under Stalin, Eliezer was in forced labor.
Then he experienced the good side of fate. He met his wife in 1946, a Polish woman, and married her. Nevertheless, he took care of her without ceasing to care for his siblings.
After the war, Eliezer was also used to connect himself and his siblings to a Zionist group called "Shomer al HaZair", which means "taking care of the youth," to prepare for the Aliyah, the immigration to Palestine. Eliezer went back alone to Warsaw to look after the mother and brother, but found no one.
In 1947, they went from the Czech Republic, to Germany, then on through Austria and France to the Mediterranean coast. The siblings were given a place on the famous "Exodus" ship on its adventurous journey to Palestine. Leon Uris later wrote his novel of the same name.
On May 22, 1948, the tireless, brave Eliezer joined the predecessor organization of the Israel Defense Forces, IDF. Arriving in time to defend Israel in 1948 against the war of aggression of the neighboring Arab states, Eliezer fought for Eretz Israel in the Negev, and in Jerusalem, where he was stationed.
Today, he looks back on a life full of hardship. His three children mean everything to him and he enjoys his life in the family with five grandchildren and one great-grandchild. For 32 years he has worked in communications industry and at the post office. Today he lives in Kfar Saba.
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