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Esther Rosenstein wurde 1932 in Kallsz in Polen als Älteste von fünf Töchtern in eine Großfamilie hineingeboren. Im Haushalt lebten die Großältern, Tante und Onkel. Vater Simcha war Schreinermeister, Mutter Jochevet Hausfrau. Esther konnte eine jüdische Schule besuchen bis Nazideutschland 1939 in Polen einmarschierte. Esther erinnert sich, dass die Deutschen mit Benzinkanistern anrückten und dass ihr Elternhaus in Flammen aufging.
Die Nazis pferchten alle jüdischen Bürger direkt neben einer Synagoge in einen Schacht. Esther erlebte eine traumatische Nacht und beschloss zu fliehen. Zunächst fand sie Unterschlupf in einer Mikwe, einem jüdischen Bad. Doch die Deutschen entdeckten sie und verhafteten sie. Später ließen ihre Peiniger sie jedoch wieder laufen. Esther kehrte in die Synagoge zurück, wo sie nur noch den Vater und eine Schwester fand. Wo der Rest ihrer Familie abgeblieben war, konnten sie damals nicht in Erfahrung bringen. Irgendwie gelang es allen, sich trotzdem wieder zu vereinen und in einem kleinen Hotel Unterschlupf zu finden, wo sie mit anderen jüdischen Familien ein halbes Jahr überleben konnten.
Esther erinnert sich, dass die Deutschen immer wieder kamen und die Männer abholten und verschleppten. Ihrem mutigen Vater gelang die Flucht nach Weißrußland. Später kam er heimlich zurück und rettete die Familie aus den Fängen der Deutschen. Ihrem Vater gelang tatsächlich das Kunststück, polnischen Bauern viel Geld zu bezahlen, die die Familie dafür aus dem Land schmuggelten und in Richtung Osten brachten. Dann kam die Familie in den Ort Branovicz. Hier trafen sie auf Einheiten der Roten Armee. Die Russen brachten Esthers Familie später nach Sibirien und Uspekistan. Bekanntermaßen gingen die Russen mit jüdischen Flüchtlingen nicht zimperlich um. Esthers Vater muß wie ein Knecht anderthalb Jahre im früheren Stalingrad, dann Leningrad und heute Sankt Petersburg, im Gleisbau schuften.
Rußlands Bevölkerung litt unter den Kriegslasten, hungerte und fror in den harten russischen Wintern. Esther erkrankte an Typhus und litt unter den menschenunwürdigen Bedingungen. Der Hunger bestimmte ihren harten Alltag. Esthers jüngste Schwester ertrug die schwere Not nicht und starb. Die anderen Mädchen kamen in ein russisches Waisenhaus. Esther half ihren Eltern so gut sie konnte über die schweren Kriegsjahre hinweg. Nach Kriegsende ging Esther mit ihren Geschwistern zunächst für zwei Jahre nach München. Sie schloss sich einer jüdischen Jugendbewegung an, die 1949 die Auswanderung nach Israel organisierte. Irgendwie gelang es ihr in diesen schweren Jahren, sich zu verlieben und heiratete ihren Mann Asher, ebenfalls Holocaustüberlebender aus Lodz in Polen. Beide bekamen drei Söhne. Zunächst lebten sie in Netanja, später in Tel Aviv.
Esther verlor im Holocaust viele Familienangehörige. Doch ihre Eltern und die anderen gebliebenen Schwestern kamen später nach Israel. 2003 verstarb ihr Mann und Esther hat heute nur noch ihre drei Kinder, acht Enkel und sechs Urenkel. Für ihren Lebensabend wünscht sie sich vor allem Gesundheit und ein unabhängiges, freies Leben.
Esther was born in Kallsz as the eldest of five daughters in a large family. In the big household lived her parents and aunt and uncle. Her father Simcha, was a master joiner. Her mother Yochevet, was a housewife. Esther was able to attend a Jewish school then Poland fell to Nazi Germany in 1939. Esther remembers that the Germans were advancing with jerry cans of fuel, and her parent’s house went up in flames.
The Nazis herded all Jewish citizens into a shaft next to a synagogue. Esther experienced a traumatic night and decided to flee. At first, she found shelter in a mikvah, a Jewish bath. But the Germans discovered and arrested them. Later, however, they let them go. Esther returned to the synagogue where she found only her father and one sister. Where the rest of her family had disappeared to, they could not find out then. Nevertheless, somehow they all managed to reunite and to find a hiding place in a small hotel where they could survive with other Jewish families for half a year.
Esther remembers that the Germans kept coming and the men were picked up and deported. Her brave father managed to flee to Belarus. Later he came back secretly and saved the family from the clutches of the Germans. Her father succeeded to pay Polish peasants lots of money to smuggle the family to the country and go to the East. After all of this, the family arrived in the village of Branovicz where they encountered units of the Red Army. The Russians brought Esther's family to Siberia and later to Uzbekistan. The Russians did not hesitate to treat the Jewish refugees badly and Esther's father had to wok like a slave for half a year in the former Stalingrad, then Leningrad, now St. Petersburg, in railway track construction.
Russia's population suffered under the burdens of war, starved and frozen in the harsh Russian winters. Esther became ill with typhoid fever and suffered from inhumane conditions. The hunger in particular was their hard, daily life. Esther’s youngest sister did not suffer the severe hardship well, and died. The other girls went into a Russian orphanage. Esther helped her parents as best as she could through the difficult war years.
After the war, Esther went with her siblings, initially for two years, to Munich. Through a Jewish youth movement, they immigrated in 1949 to Israel. Somehow, during these difficult years she manages to fall in love and marry her husband Asher, also a Holocaust survivor from Lodz in Poland. They had three sons. First, they lived in Netanya and later in Tel Aviv.
In the Holocaust Esther lost many, many family members. But her parents and the remaining sisters came later to Israel. In 2003, Esther’s husband died. Now Esther has her three children, eight grandchildren and six great-grandchildren. For her retirement she wants especially to be healthy and live an independent, free life. She lives in Bat Yam.
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