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Vergessene Flüchtlinge

Israel im Faktencheck
Karin Lorenz
ein blaues Logo auf weißem Hintergrund. Zu lesen: ICEJ. Internationale Christliche Botschaft Jerusalem

Zweifellos hatte der Holocaust, die „deutsche Schuld“, einen prägenden Einfluss auf die Gründungsgeschichte des jüdischen Staates. Doch auch der islamische Antisemitismus war ein bedeutender Faktor: Zwischen 1940–1979 waren fast eine Million Juden zur Flucht aus muslimischen Ländern gezwungen.

Judenhass im Islam

Die zahlreichen Pogrome, die es im Laufe der Geschichte nicht nur in Europa, sondern auch in arabischen Ländern gab, bestätigen die Notwendigkeit eines eigenen Staates als Zufluchtsort für Menschen jüdischen Glaubens. Dazu gehört im Jahr 1033 das historisch gut dokumentierte Massaker von Fès mit 6.000 ermordeten jüdischen Männern, Tausenden vergewaltigten und versklavten Frauen, geplünderten Häusern. Oder 1066 Córdoba unter islamischer Herrschaft, wo ein muslimischer Mob 4.000 Juden niedermetzelte. Dann das Massaker von Marrakesch im Jahr 1232. 1465 noch einmal in Fès, 1790 im marokkanischen Tetuan.

Zu den grausamsten Massakern vor der Gründung des jüdischen Staates gehörte 1941 die Farhud-Mordorgie in Bagdad, wo der Mob plündernd und vergewaltigend durch das jüdische Viertel zog und vermutlich mehrere hundert Bewohner ermordete. 1945 das Massaker in Tripolis, 1947 in Aleppo, 1948 in den marokkanischen Städten Oujda und Jérada.

Retter mit Adlersflügeln

Der Blick in die Geschichtsbücher belegt: Die Gründung des jüdischen Staates 1948 war nicht der Auslöser für die bis heute weit verbreitete Judenfeindlichkeit in muslimischen Ländern, aber sie wirkte im zuvor bereits vergifteten Klima wie ein Brandbeschleuniger. Juden wagten sich oft nicht mehr auf die Straßen, viele Geschäfte und Häuser wurden geplündert oder enteignet.

Im Juni 1949 begann die geheime Mission „Flying Carpet – Fliegender Teppich“. Unterstützt vom israelischen Geheimdienst schickte Israel Flugzeuge nach Jemen, später auch in andere arabische Länder, um bedrohte jüdische Gemeinden in Sicherheit zu bringen. Teilweise waren amerikanische und britische Flugzeuge beteiligt. Zu den größten Rettungsaktionen gehörte ein Notfalleinsatz 1991: Binnen 36 Stunden wurden 14.324 äthiopische Juden mit 34 Jumbojets gerettet. Zuvor waren bereits über 50.000 jemenitische Juden in Sicherheit gebracht worden.

Manche der Geretteten gehörten zur einfachen Landbevölkerung und hatten zuvor nie ein Flugzeug gesehen. Doch als gläubige Juden waren sie sehr bibelkundig und erinnerten sich an die Prophezeiung in Exodus 19,4 und Jesaja 40,31, wo Gott verspricht, sein Volk „mit Adlersflügeln“ heimzuholen – und sie zweifelten nicht daran, dass sich diese Verheißung nun erfüllte. Unzählige Juden flohen außerdem zu Fuß aus arabischen Ländern – all ihr Hab und Gut zurücklassend.

Verlust von Hab und Gut

Die Integration dieser völlig mittellosen Flüchtlinge musste Israel ohne UNO-Flüchtlingshilfswerk bewältigen – eine große Herausforderung für den jungen Staat. Rund 250.000 Flüchtlinge, immerhin 12,5 Prozent der gesamten damaligen Bevölkerung Israels, lebten noch Anfang der 1950er Jahre in Zelten oder improvisierten Wellblechhütten in überfüllten Auffanglagern. Es gab kaum Arbeit und zu wenig Lebensmittel. Krankheiten griffen um sich, die Kindersterblichkeit war hoch.

Die hohe Zahl jüdischer Flüchtlinge aus arabischen Ländern spiegelt sich bis heute in der Zusammensetzung der israelischen Bevölkerung wider: Fast die Hälfte der Bevölkerung (knapp 45 Prozent) hat nordafrikanische bzw. orientalische Wurzeln.

Neue Alijah-Welle

Aktuell bereitet sich Israel auf eine neue Alijah-Welle vor – ausgelöst durch den stark wachsenden Antisemitismus, der seit dem Massaker der Hamas am 7. Oktober jüdisches Leben in den USA und Europa bedroht. Allein in Frankreich verzeichnet die Jewish Agency bei Alijah-Anträgen in den ersten sechs Monaten nach dem 7. Oktober 2023 einen Anstieg von mehr als 500 Prozent.

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