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Jerusalem, Yad Vashem am 28. September 2007: Es war schon ein historisches Ereignis. Zum einen hat der Deutsche Zweig der ICEJ die vollen Kosten für die Christliche Abteilung in Yad Vashem decken können und dann anlässlich der Scheckübergabe in Höhe von 60.000 € – eine der höchsten Vertrauensbekundungen entgegennehmen dürfen, die in der jüdischen Welt verliehen werden: den Goldenen Eingangsschlüssel von Yad Vashem!
„Man muss eines wissen“, sagt uns die junge Gästeführerin Irit Berkovitz gleich zu Anfang unseres Besuches: „Yad Vashem ist die Nummer 1 eines jeden Juden, denn ohne Yad Vashem kann man das Leben jüdischer Menschen nicht verstehen“ – denn der Holocaust ist der schreckliche Höhepunkt der fast zweitausend Jahre andauernden Verfolgung durch Nichtjuden. Der Holocaust hat sich tief in die Seele des jüdischen Volkes eingebrannt und ihre Identität entscheidend mitgeprägt.
Die fünf deutschen Reisegruppen, die sich zu dem feierlichen Anlass in Yad Vashem eingefunden haben, wurden zuerst durch die neue Ausstellung geführt, die uns die wohl furchtbarsten Verbrechen der Welt vor Augen führt. Dass diese im Namen Deutschlands verübt wurden, erinnerte uns erneut an die große Verantwortung, die wir Deutsche auch in den nachfolgenden Generationen tragen. Dass eine Begegnung zwischen den Nachkommen der Tätergeneration und den Kindern der Opferseite überhaupt so möglich werden konnte ist in der Tat eine große Gnade Gottes.
Yad Vashem bedeutet „Erinnerung“, ein „Name“ aber auch „Erziehung, Forschung“. Ein Ziel der Erinnerungsstätte ist es, den sechs Millionen ermordeter Juden, davon 1,5 Millionen Kinder, wieder ein Gesicht und einen Namen zu geben, so wie es in Jesaja 56,5 heißt: „Ihnen errichte ich in meinem Haus und in meinen Mauern ein Denkmal, ich gebe ihnen einen Namen, der mehr wert ist als Söhne und Töchter: Einen Ewigen Namen gebe ich Ihnen, der niemals getilgt wird.“
Bei der anschließenden Scheckübergabe im kleinen Saal von Yad Vashem sprach Shaya Ben Yehuda, Direktor der internationalen Abteilung von Yad Vashem. Shaya war sichtlich bewegt, als er von seiner deutschen Mutter erzählt und von den Verfolgungen, denen auch seine Familie ausgesetzt war. Er schlägt in seiner Rede einen Bogen von persönlichen Erfahrungen über biblische Themen bis hin zur aktuellen Partnerschaft zwischen den Christen und dem Staat Israel. „Die Zeiten haben sich geändert – wir haben Freunde“, führt Shaya Ben Yehuda feierlich aus. „Bitte steht auch gemeinsam mit uns gegen die aktuellen Bedrohungen durch den Iran ein! Als die deutsche Kanzlerin vor ca. drei Monaten Yad Vashem besuchte, sagte sie, dass sie verstehe, dass wir jetzt handeln müssen gegen die Pläne Ahmadinejads. Gemeinsam müssen wir gegen Hass ankämpfen und rücken der Freundschaft bauen.“
In seiner Ansprache rührte auch unser 83jähriger ICEJ-Ehrenvorsitzender und Träger des Nehemia-Preises Christian Stephan die Anwesenden zu Tränen, als er einen Überblick über die Geschichte und Entwicklung der Versöhnungsschritte schilderte. „Vor 15 Jahren fand in Yad Vashem ein Gedenkgottesdienst statt, bei dem wir um Vergebung bitten konnten, für alles, was wir Deutschen Juden angetan haben. All das Geschehene darf nicht in Vergessenheit geraten. Wir brauchen eine Erinnerungsstätte“ so Stephan. „Ich trage diese Bürde; und jeder, der einen deutschen Pass hat, hat den Auftrag, nicht zu vergessen, und dafür zu sorgen dass dieses nicht noch einmal geschieht. Die Juden wollen wir lieben, darin liegt unser Auftrag. Es ist unsere Pflicht, die Juden nicht allein zu lassen, sie sind Gottes Volk!“ ermahnte Christian Stephan mit großer Leidenschaft die Zuhörer.
Dr. Samuel Clark, Leiter der Christian Friends of Yad Vashem, sprach über Wichtigkeit dieser historischen Initiative bei Yad Vashem eine Abteilung für Christliche Freunde einzurichten. „Es ist in der Tat ein Zeichen, dass ein neuer Tag anbricht!“ Alle waren sich einig, dass solch eine Abteilung noch vor 10 Jahren unmöglich gewesen wäre. Nach den Reden kam die offizielle Scheckübergabe und dann eine Überraschung: „Wir haben auch etwas für euch“ sagte Shaya Ben Yehuda und überreichte Christian Stephan für den Deutschen Zweig der ICEJ den Goldenen Schlüssel von Yad Vashem, was als ein großer Vertrauensbeweis gewertet werden darf.
Diese bewegenden Augenblicke in Yad Vashem haben erneut gezeigt, wie kostbar die Versöhnungsarbeit und die langjährigen Beziehungsbrücken zum jüdischen Volk sind, ohne Schlussstrichdebatte und mit echter Freundschaft zu Israel. Die Christliche Abteilung in Yad Vashem ist dabei eine sichtbare Frucht dieser Versöhnungsarbeit.
Foto: Goldener Schlüssel ©Canva
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