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Zum Raub geworden

Jüdisches (Über)leben in Israel nach der Zerstörung des Zweiten Tempels
Karin Lorenz
ein blaues Logo auf weißem Hintergrund. Zu lesen: ICEJ. Internationale Christliche Botschaft Jerusalem

Safed thront auf dem Westhang des Berges Har Kanaan in Galiläa. Die Geschichte der rund 40.000 Einwohner kleinen Stadt erzählt exemplarisch vom Schicksal der Juden, die über Jahrtausende hinweg im Heiligen Land ausharrten.

Blaue Stadt

Die Luft ist klar. Es weht ein erfrischender Wind. Der Himmel leuchtet strahlend blau – und blau sind auch die meisten Fassaden, Haustüren, Fensterläden und Zäune der Stadt. Deshalb trägt Safed den Beinamen „Die blaue Stadt“.

Das abgelegene Bergdorf war Rückzugsstätte jüdischer Widerstandskämpfer gegen die römischen Besatzer im Jahr 66 n. Chr. und während des Bar-Kochba-Aufstands von 132 bis 135. Auch um das Jahr 400 zogen sich zahlreiche Juden, von den Römern aus Jerusalem vertrieben, nach Safed zurück. Dort konnten sie lange in relativem Frieden leben – bis 1168 die Kreuzritter kamen und ein Blutbad anrichteten. 1187 wurden die Eroberer von der Armee Sultan Saladins vertrieben, 1267 wiederum von Truppen des Mameluken-Sultans Baibar. Nach der sehr blutigen Eroberung durch die islamische Armee folgte zunächst eine Phase der Ruhe.

Zuwanderer

Die jüdische Gemeinde erholte sich, wurde attraktiv für arabische Zuwanderer und auch für Juden aus Europa, vor allem aus Spanien. Denn 1492 zwang das spanische Königshaus alle Juden per Edikt, entweder zum Christentum zu konvertieren oder das Land zu verlassen.

1516 wurde Safed von der Armee des Osmanischen Reichs besetzt und wie der Rest Israels zwangsweise in das Großreich eingegliedert. Um 1560 lebten 700 jüdische und 1.000 muslimische Familien in Safed. Juden mussten hohe Abgaben an die Eroberer zahlen und verarmten. Wer die geforderte Steuer nicht aufbringen konnte, musste Safed verlassen. Viele jüdische Familien verloren ihre Heimat. 1799 besetzte Napoleon vorübergehend die Stadt. Später plünderten arabische Rebellen, was den jüdischen Bewohnern noch geblieben war, und lösten eine große Abwanderungswelle aus.

Zur Einwohnerzahl gibt es widersprüchliche Angaben. Eine Bevölkerungsliste führt 1887 insgesamt 24.615 Einwohner auf – 13.250 Juden, 5.690 Muslime und 5.675 Katholiken. Die Stimmung zwischen den Volksgruppen war schlecht, wie vielerorts im Land. Binnen der nächsten 30 Jahre schmolz die jüdische Bevölkerung auf 2.986 Personen, die Zahl der Christen sank auf 343 laut Zählung der britischen Mandatsbehörde im Jahr 1922. Nur die Zahl der Muslime blieb mit 5.431 nahezu gleich. Die jüdische Minderheit musste sich mit Mauern und Wachposten vor Übergriffen schützen.

Angriff der Nachbarn

Trotzdem kam es zum Massaker: Mit unglaublicher Brutalität stürmten arabische Nachbarn am 29. August 1929 das jüdische Viertel mit Äxten und Knüppeln, plünderten und steckten Häuser in Brand. Eine schottische Missionarin berichtete von Frauen, die lebendig verbrannt wurden, von zerstückelten Leichen und abgeschnittenen Körperteilen. Dazu sei das Freudengeschrei arabischer Frauen zu hören gewesen. Nur fünf Tage zuvor hatte ein arabischer Mob 67 Juden in Hebron mit gleicher Brutalität ermordet. Die britischen Schutztruppen griffen weder in Safed noch in Hebron ein. Nach diesem Massaker verließen viele junge jüdische Familien den Ort. 1948 lebten jedoch immerhin noch 1.700 überwiegend religiöse, ältere Juden in Safed.

Am 5. Januar 1948, rund vier Monate vor der Gründung des Staates Israel, griffen arabische Nachbarn erneut das jüdische Viertel an, unterstützt von Soldaten der Arabischen Liga. Doch diesmal eilten jüdische Haganah-Kämpfer zur Hilfe. Den schlecht ausgerüsteten Verteidigern kam ein glücklicher „Zufall“ zu Hilfe. Unter den Arabern verbreitete sich das Gerücht, die Juden seien im Besitz einer neuen, grausamen Geheimwaffe – einer Atombombe. Tatsächlich verfügten die jüdischen Kämpfer lediglich über einen selbstgebauten Mörser, der militärisch betrachtet nahezu nutzlos war. Aber er war laut.

Flucht der Araber

So laut, dass die Angreifer den ohrenbetäubenden Lärm für die Explosion einer Atombombe hielten. Viele Araber flohen daraufhin aus der Stadt. Unter ihnen war auch die Familie von Mahmoud Abbas, der 2005 zum Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde gewählt wurde.

Für Safed ging damit der israelische Unabhängigkeitskrieg vorzeitig zu Ende. Zurück blieben verlassene Gebäude, in die Juden einzogen, deren Häuser zerstört worden waren. Nach dem Krieg zogen weitere obdachlos gewordene Juden nach Safed, darunter viele Künstler – der ehemals arabische Stadtteil wurde zum Künstlerviertel.

Die laute Kanone steht bis heute als kleines Denkmal vor dem Rathaus der Stadt.

Auszug aus der Sonderausgabe Wort aus Jerusalem: "Israel im Faktencheck"

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