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Alleingelassen

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Wie ein Pfarrer dem Hass der Pro-Palästina-Aktivisten ausgeliefert wird
Karin Lorenz
Umgeben von grünen Bäumen steht die weiße Kirche mit schwarzen Dachziegeln im Bildmittelpunkt. Vorne die Eingangstüre, im Hintergrund der Kirchturm mit grünem, spitzen Dach.

Seit eineinhalb Jahren tyrannisieren Pro-Palästina-Aktivisten die evangelische Kirchengemeinde in Langenau – weil der Pfarrer nach dem 7. Oktober 2023 eine Stellungnahme des Württembergischen Landesbischofs Gohl verlesen hatte, in der das Massaker der Hamas verurteilt wurde.

Fast jeden Sonntag werden Gottesdienstbesucher vor der Kirche bedroht, bedrängt und beleidigt. Letzten Sonntag wurde ein 84-jähriger Gottesdienstbesucher zu Boden gestoßen. Viele Gemeindemitglieder wagen sich nicht mehr in den Gottesdienst. Auch Kinder der Kinderkirche wurden bereits bedrängt.

Politiker sprachen der Gemeinde in Langenau ihrer Solidarität aus

Die Bürgermeisterin von Langenau, Daria Henning, äußerte Bedauern. Man stehe gegen Hass und Hetze. Doch die Kleinstadt war lange nicht einmal bereit, eine Allgemeinverfügung auszusprechen, mit der Demonstrationen direkt vor der Kirche unterbunden werden könnten. Im Gespräch mit der Jüdischen Allgemeinen verwies sie darauf, dass die Meinungsfreiheit auch „verstörende Bilder“ und „unschöne Worte“ zulasse, solange kein Straftatbestand nachgewiesen werde. „Das gehört zu unserer Demokratie eben auch dazu“, so die Bürgermeisterin. Nachstellungen oder Aufkleber am Wohnhaus des Pfarrers seien außerdem „in erster Linie zwischen den zwei Parteien zu bearbeiten, eine privatrechtliche Angelegenheit.“

Dabei wird der Pfarrer, Vater von sechs Kindern, massiv bedroht. Auf Pro-Palästina-Demonstrationen wird sein Name ausgerufen. Auf die Fenster der Kirche wurde geschossen, auf das Pfarrhaus mit Schreckschusswaffen gezielt, in seinen Garten gepinkelt, vor seine Schuhe gespuckt. Kirche und Pfarrhaus wurden mit Pro-Palästina-Slogans beschmiert, mit Antisemitischen Aufklebern beklebt und mit dem roten Dreieck markiert, mit dem die Hamas ihre Ziele kennzeichnet.

„Wir stehen gegen Hass und Hetze in Langenau – das sind Worthülsen, die kann ich mittlerweile nicht mehr hören“, so der betroffene Pfarrer gegenüber der Jüdischen Allgemeinen. Es sei auch irreführend, nur allgemein von „Hass und Hetze“ zu sprechen. Denn tatsächlich erlebe man eine Zuspitzung des Antisemitismus in Form von Israelfeindschaft. Der Pfarrer kritisiert außerdem, dass der Eindruck erweckt werde, die Kirchengemeinde sei selbst schuld an den Anfeindungen. Hätte er die Stellungnahme zum Hamas-Überfall verlesen, wenn er die Folgen geahnt hätte? „Ja“, beantwortete der Pfarrer die Frage der Jüdischen Allgemeinen. Ohne Wenn und Aber.

Darum ist es wichtig: Langenau ist kein Einzelfall, warnt Bischof Gohl in einem Kommentar. „An vielen Stellen in Deutschland zeigt sich offen ein eliminatorischer Antisemitismus, den ich so nicht für möglich gehalten hätte“, so der Bischof. Dabei richtet sich der Hass nicht nur gegen Juden, sondern auch gegen Menschen, die sich öffentlich für Juden einsetzen, teils auch gegen Christen allgemein. Zu den Parolen, die auf die Kirche gesprüht wurden, gehörten: „Juden vergasen“, aber auch „Deutsche vergasen“.

Im Namen der Landeskirche forderte Gohl schon mehrfach mehr Schutz für die betroffenen Pfarrer und Gemeinden vor solchen Übergriffen.

(Foto: Evangelische Kirche Langenau - Tilman/Wikipedia)

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