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Kaum verbreiteten sich ersten Nachrichten über die brutale Hetzjagd auf Juden, die ein arabischstämmiger Mob nach einem Fußballspiel in Amsterdam veranstaltete, folgte in vielen Medien und an Stammtischen die typische Relativierung, die nach Angriffen auf Juden immer zu beobachten ist: Das Verbrechen der Judenhasser wurde "verständlich gemacht", ein Gesamtkontext konstruiert und erklärt. Wieder einmal wurde suggeriert: Eigentlich waren die Juden ja selbst Schuld an den Ausschreitungen - wie immer.
Im aktuellen Fall wurde in den Medien mit dem moralischen Zeigefinger auf eine kleine Gruppe israelischer Hooligans gedeutet, unerzogene Fußball-Fans, wie es sie in jedem Fußballverein der Welt gibt, die auf dem Weg ins Stadion palästinensische Fahnen heruntergerissen hatten und Spottlieder sangen. Mit dem Verweis auf das schlechten Benehmen dieser kleinen Fangruppe wurde eine Erklärung dafür geliefert, warum überall in der niederländischen Hauptstadt Juden gejagt, zusammengeschlagen, mit Feuerwerkskörpern beworfen, verfolgt, bedroht und überfahren wurden. Und warum Judenhasser mit Mopeds die Gassen durchkämmten und Pässe der Passanten kontrollierten auf der Suche nach flüchtenden Israelis und Menschen mit jüdisch klingenden Namen.
Das schlechte Benehmen der israelischen Fangruppe war nicht die Ursache für die Ausschreitungen, wie Untersuchungen eindeutig beweisen. Die Angriffe auf israelische Fans waren im Vorfeld geplant. Die Täter koordinierten sich in Telegramm-Chatgruppen, verabredeten sich zur „Judenjagd morgen nach dem Spiel“, wie die britische Zeitung „Telegraph“ aus einem dieser Chats zitiert. Dabei sollten Feuerwerkskörper als Waffen gegen Juden verwendet werden. Auch arabischstämmige Taxifahrer beteiligten sich - sie verrieten den Standort israelischer Fahrgäste bzw. fuhren Israelis direkt zu Schlägertruppen.
Dass in breiten Teilen der Medien über einen Zusammenhang zwischen dem Fehlverhalten einiger Fußball-Fans und der großangelegten Judenjagd spekuliert und teils Verständnis angedeutet wird, zeigt, wie verbreitet und akzeptiert anti-jüdisches Fraiming in unserer Gesellschaft ist.
Wenn Fußball-Fans Straftaten begehen, ist es Sache der Polizei und der Staatsanwaltschaft, zu handeln. Das gehört zur Basis eines Rechtsstaat. Auch wenn es sich um israelische Hooligans handelt. Verständnis für Lynchjustiz und Ausschreitungen, die Juden in einer ganzen Stadt zu Opfern machen, sind völlig fehl am Platz. Und es ist beschämend, dass man dies überhaupt erwähnen muss.
Foto: Amsterdam, Wikipedia
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