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Gemeinsam durch freudige und traurige Momente

Das Haifa-Heim wird erweitert.
ICEJ Logo blau auf weiß

Im Heim für Holocaustüberlebende der ICEJ in Haifa hat es seit seiner Eröffnung 2010 viele Veränderungen und Erweiterungen gegeben. Aus einigen wenigen schlichten Wohnungen ist es im Laufe der Jahre zu einem Großprojekt mit Wohnungen in etwa einem Dutzend Gebäuden, die über mehrere Straßen verteilt sind, herangewachsen. Hinzu kommen ein gemeinschaftlicher Speisesaal, ein Museum und ein Aufenthaltsraum.

Neue Heimbewohner erwartet

Wir freuen uns über die jüngste Erweiterung unseres Haifa-Heims. Die Renovierungsarbeiten im ersten und zweiten Stockwerk unseres neuen ICEJ-Gebäudes stehen kurz vor dem Abschluss. Sobald der Fahrstuhl eingebaut ist, werden hier die Bewohner einziehen, die besondere Unterstützung und Rund-um-die-Uhr-Betreuung benötigen. Neben einigen unserer gegenwärtigen Heimbewohner werden auch neue Bewohner bald dazukommen. Außerdem können wir in den frei werdenden Wohnungen zusätzliche neue Heimbewohner willkommen heißen. Wir werden also bald einige neue Gesichter begrüßen dürfen - jeden mit seiner persönlichen Überlebensgeschichte.

Bluma

Bluma zog vor über einem Jahr ins Haifa-Heim. Zuvor hatte sie ganz in der Nähe gewohnt, im vierten Stock eines Hauses , in dem es jedoch keinen Fahrstuhl gab. Weil sie mobil eingeschränkt war und unter verschiedenen gesundheitlichen Problemen litt, konnte sie ihre Wohnung nicht mehr verlassen. Ihre Familie, die im Ausland lebt, suchte nach Alternativen für Bluma - leider erfolglos. Doch dann entschied Bluma, ins Haifa-Heim der ICEJ zu ziehen, an dem sie zuvor oft vorbeigelaufen war. Sie freute sich so sehr, Teil unserer „Haifa-Heim-Familie“ zu werden.

Invasion, Ghetto und Flucht

Als junges Mädchen hatte Bluma gerade ihr erstes Schuljahr begonnen, als die Deutschen eine Woche später in ihr Heimatland Polen einmarschierten. Ihre Familie wurde kurz darauf gezwungen, ins Ghetto von Lodz (Litzmannstadt) umzusiedeln. Ihnen gelang jedoch die Flucht nach Russland. Dort zogen sie von Ort zu Ort. Sie litten an Hunger, immer wieder wurden sie verjagt und verprügelt, mussten vor den Bombardierungen der deutschen Luftwaffe fliehen und landeten in Arbeitslagern. Im Holocaust verlor Bluma über dreihundert Familienangehörige, die in Polen zurückgeblieben waren. Doch sie überlebte und zog nach dem Krieg nach Israel. Dort lernte sie, Kleidung zu entwerfen und zu nähen – genau wie ihr Vater, der Schneider gewesen war.

„Meine Mutter war hier so glücklich“

Bis ins hohe Alter lebte Bluma sehr unabhängig und nähte weiterhin Kleidung - trotz ihres immer schwächer werdenden Augenlichts. Doch irgendwann kam der Tag, als sie auf die Hilfe anderer angewiesen war. Im Haifa-Heim der ICEJ genoss sie sichtlich die Fürsorge unserer Mitarbeiter.

Ende 2020 verschlechterte sich Blumas Gesundheitszustand rapide. Sie starb am 8. November. Ihre Tochter, die in den letzten Wochen ihres Lebens an ihrer Seite gewesen war, erzählte uns: „Meine Mutter war so glücklich hier im Heim und sie liebte euch alle sehr.“ Es war ein Vorrecht für uns, dass wir eine weitere heldenhafte Überlebende des Holocausts kennenlernen durften!

Ein herzliches Miteinander

Unser Team im Haifa-Heim besteht aus fünf Christen, darunter drei deutsche Volontärinnen, die inzwischen alle seit mehr als einem Jahr bei uns sind. Natalia, unsere Krankenschwester, ist sogar schon das dritte Jahr dabei. Es ist eine solche Freude, mit diesen engagierten, begabten und wunderbaren Menschen arbeiten zu dürfen.

Kerstin, eine deutsche Volontärin, die mit Worldwide Volunteers (Freiwilligenorganisation des BFP und Partner der ICEJ) nach Israel gekommen ist, ist immer bereit, dort zu helfen, wo es am dringendsten benötigt wird. Sie ist ein wahrer Sonnenschein und steckt jeden, der ihr begegnet, mit ihrer Freude an. Im Sommer entschloss sie sich, ein zweites Jahr bei uns zu bleiben. „Es ist so schön zu sehen, wie unsere Beziehung zu den Bewohnern gewachsen ist und wie nahe wir uns inzwischen stehen“, berichtet sie. „Ich spüre, dass ich aus einem bestimmten Grund hier bin und sehr gebraucht werde.“

Natalia fügt hinzu: „Es gibt nichts Schöneres, als mein Leben mit meiner ‚Familie‘ von Holocaustüberlebenden zu teilen! Wir gehen gemeinsam durch freudige und auch schwierige Momente. Wir lachen gemeinsam und weinen gemeinsam. So oft bin ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort, um zu helfen, und es gibt nichts, was mir mehr Freude bereitet.“

Sofies Geburtstag

Sofie wohnt seit zehn Jahren im Haifa-Heim, fast seit seiner Eröffnung. Vor kurzem wurde sie 93 Jahre alt. Das war ein guter Anlass, um zu einer kleinen Feier in unserem Aufenthaltsraum zusammenzukommen. Mit einer schönen Torte und einer kleinen Gruppe Heimbewohner war es eine schöne Zeit der Freude inmitten der schwierigen Corona-Krise. Sofie war überglücklich angesichts der Aufmerksamkeit und der Liebe, die ihr entgegengebracht wurden.

Wir danken allen Spendern, die im vergangenen Jahrzehnt das Haifa-Heim unterstützt haben. Die Arbeit, die wir hier tun, berührt jeden Tag das Leben kostbarer Menschen. Weitere Heimbewohner werden in Kürze, nach Abschluss der letzten Erweiterungen, einziehen können.

Aktuelle Lage im Haifa-Heim

Seit Beginn der Corona-Krise haben wir ganz klar gesehen, dass Gott seine Hand auf besondere Weise über dem Haifa-Heim, den Bewohnern und Mitarbeitern gehalten hat. „Ich bin sicher, dass die vielen Gebete unserer wunderbaren Unterstützer dazu beigetragen haben“, erklärte Yudit Setz, ICEJ-Koordinatorin im Haifa-Heim. Inzwischen haben die meisten Bewohner des Haifa-Heimes ihre erste und manche bereits die zweite Covid-19-Impfung erhalten, ebenso wie ein Großteil der Mitarbeiter. In der Hoffnung, dass im Februar fast jeder geimpft sein wird, können wir darüber nachdenken, den Speisesaal wieder zu öffnen, der seit März 2020 fast durchgängig geschlossen war. „Das wird unseren Bewohnern ein ganz neues Leben ermöglichen“, freute sich Yudit Setz. Die Isolation und fehlende persönliche Begegnungen mit anderen Bewohnern, Familie und Freunden und hat vielen Holocaustüberlebenden psychisch zugesetzt und auch ihr physisches Wohlergehen beeinträchtigt. Mit der Impfung wächst die Hoffnung, dass das Leben wieder „normaler“ werden kann.

Bitte helfen Sie uns, weiterhin liebevoll für die Holocaustüberlebenden im Haifa-Heim zu sorgen. Sie können das mit einer Projekt-Patenschaft tun, herzlichen Dank!

(Foto: ICEJ, Bluma genießt die Zeit mit Volontärin Debora)

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