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Drohende Stromabschaltung

Zu Besuch in Bethlehem
Hannelore Illgen, Vorstandsmitglied der ICEJ-Deutschland
Zwei Frauen ein Mann stehen nebeneinander, sie lächeln. Es scheint die Sonne.

Fast jedes Mal haben wir als deutsche ICEJ-Reisegruppe während der Laubhüttenfest-Konferenz das Pastoren-Ehepaar der „First Baptist Church“ Bethlehem, Dr. Naim und Elvira Khoury besucht. Dieses Jahr war es leider nicht möglich.

Besuch vor Ort

Deshalb lag mir und meinem Mann auf dem Herzen, das Pastorenehepaar nach der Laubhüttenfestkonferenz persönlich zu besuchen. Wir kommen etwas verspätet an. Der Bus, mit dem wir nach Bethlehem unterwegs waren, musste einen Umweg fahren, um Ausschreitungen auszuweichen. Die palästinensische Autonomie-Behörde reagiert immer wieder mit Protesten auf Maßnahmen der israelischen Regierung nach terroristischen Anschlägen.

Heilung erlebt

Die Pandemie habe sie schwer getroffen, berichtet das Ehepaar nach herzlicher Begrüßung. Acht ihrer Gemeindeglieder sind gestorben und Naim selber verbrachte sechs Wochen todkrank auf der Intensivstation – bis Jesus ihm an seinem Bett erschien. „Fürchte dich nicht, sagte er, ich habe noch etwas mit dir vor.“ Nach drei Monaten zuhause, unfähig zu gehen, ist Naim nun wieder völlig gesund!

Viele Herausforderungen

Seit Gründung der First Baptist Church 1979 in Bethlehem hat Pastor Khoury viele Herausforderungen bewältigen müssen. In einer griechisch-orthodoxen Familie in Jerusalem geboren, bekehrten seine Mutter und er sich zu Jesus Christus. Ihr Bekenntnis und jahrelange Gebete bewirkten, dass die ganze Familie zum lebendigen Glauben an Jesus kam. Der älteste Bruder starb in Jerusalem bei einem Anschlag. Naim selber überlebte drei fast tödliche Übergriffe. Seine Gemeinde erlitt rund ein Dutzend Anschläge. Seit der jüdische Staat 1995 Bethlehem aufgrund der Oslo-Verträge den Palästinenser zur Selbstverwaltung übergab – in der Hoffnung auf Frieden, entwickelte sich die Stadt zu einem Zentrum der Gewalt gegen Israel. Christen werden unter Druck gesetzt, sich dem Islam zuzuwenden oder der feindseligen Haltung der Palästinenser gegenüber Israel zu folgen. Letzteres tun die Khourys nicht, im Gegenteil. Durch das Lesen des Alten Testaments, was ihnen von ihrem Kirchenbund untersagt war, erkannten sie, dass Gott seinen Bund mit den Juden nicht zurückgenommen hat. Als Naim diese Erkenntnis seiner Gemeinde aus dem Wort Gottes predigte, blieben alle damaligen Mitglieder den Gottesdiensten fern. Die sechsköpfige Familie musste wieder bei Null beginnen.

Lebendiges Gemeindeleben

Heute hat die Gemeinde etwa 300 Mitglieder. Elvira strahlt, wenn sie von den gut besuchten Frauenfrühstückstreffen erzählt. „Betest du noch mit muslimischen Frauen, die dich wegen ihrer Nöte aufsuchen?“ frage ich. „Ja, aber jetzt machen wir das am Telefon.“ „Und wie sieht es mit eurer, Minarett-Verkündigung‘ am Sonntag aus?“ fragt mein Mann. „Oh ja, die geht weiter!“ Naim ist mutig. Der Kirchturm der Gemeinde, er sieht fast wie ein Minarett aus, hat einen Lautsprecher, der Naims Predigten – offiziell genehmigt – so verstärkt, dass sie in der gesamten Nachbarschaft zu hören sind.

Finanzielle Not

„Die Einschränkungen der Pandemie haben die Wirtschaft in Bethlehem zu 80 % zum Erliegen gebracht,“ berichtet Naim. „Das betrifft auch unsere Gemeinde. Dabei explodieren die Kosten. Wenn wir die 2.500 $ monatlicher Stromkosten für unser großes Gemeindehaus nicht mehr aufbringen können, was in zwei, drei Monaten der Fall ist, wird uns der Strom abgestellt.“ Sie haben sich bereits nach einer Solaranlage umgeschaut, mit der sie zu 95 % Selbstversorger sein können. 50.000 $ kostet der Aufbau, 20.000 $ werden als Anzahlung benötigt. Wir versprechen, diese finanzielle Not mit unseren ICEJ-Freunden zu teilen.

(Foto: V.l.n.r.: Hannelore Illgen mit Elvira und Dr. Naim Khoury)

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