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Hoffnung trotz Feuerwellen und Raketen

Löschfahrzeuge und Schutzbunker
Nick Hansen, Direktor der ICEJ-Dänemark
Zwei Männer stehen vor einem Löschfahrzeug

Der Kibbuz Erez gehört zu den besonders gefährdeten Orten in Israel. Raketenbeschuss und Brandstiftung machen den Bewohnern das Leben schwer. Wie lebt es sich in direkter Nachbarschaft zum Gazastreifen? Ein Besuch.

Gefährliche Nähe

Die Wolken am Himmel zeigen es deutlich: Regen ist im Anmarsch. Doch wir sind im Auftrag des Herrn unterwegs und haben keine Zeit, eine Pause einzulegen. Ich stehe im Zentrum vom Kibbuz Erez, direkt an der Grenze zum Gazastreifen. Gemeinsam mit Nicole Yoder, ICEJ-Vizepräsidentin für Alijah & Soziales und unserem Team sind wir vor Ort, um Gerätschaften zu besichtigen, die Spender der Christlichen Botschaft so großzügig bereitgestellt haben. Während wir durch den Kibbuz laufen, erklärt uns der örtliche Sicherheitschef die aktuelle Lage. Heute besuchen wir mehrere Ortschaften – auch um zu erfahren, welche neuen Initiativen ergriffen werden, um diesen israelischen Dörfern direkt an der Grenze eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

Zuvor hatten wir schon einen Termin mit Rabbi Shmuel Bowman, Direktor von Operation Lifeshield und langjähriger Partner der ICEJ. Wir trafen ihn auf einem Parkplatz. Direkt nach der Begrüßung zog er eine Karte heraus – eine richtige altmodische Karte aus Papier, die man zusammengefaltet im Handschuhfach verstauen kann. Er legte sie auf die Windschutzscheibe und zeichnete darauf herum.

Hamas-Raketen

„Das ist die Sieben-Kilometer-Linie, gemessen ab der Grenze zum Gazastreifen. Hier tragen wir keinen Sicherheitsgurt, damit wir schnell aus dem Auto herausspringen können, falls Mörsergranaten oder Raketen einschlagen“, sagte Shmuel, während er eine dicke Linie um den Gazastreifen herum einzeichnete. „Vor nur einer Woche hatten wir wieder Raketenbeschuss.“

Unsere Tour führte uns durch das Kernland Israels, von den Hügeln Jerusalems bis hinab in das saftig-grüne Tal, das Sderot umgibt. Ich saß im Auto neben Rabbi Shmuel, während wir uns über die Bibel und Prophetie unterhielten. Als wir das Ela-Tal passierten, sprachen wir darüber, wie David den Riesen Goliath besiegte, über die Bedeutung der fünf Steine und darüber, dass der Geist Davids immer noch im israelischen Volk wohnt.

Nur 17 Sekunden

Als erstes besuchten wir einen Kindergarten, um zwei neue mobile Luftschutzbunker einzuweihen, gespendet von der weltweiten ICEJ-Familie. Heulen die Sirenen los und warnen vor eingehenden Raketen, haben die Erzieherinnen gerade einmal 17 Sekunden Zeit, um die etwas mehr als 40 Kinder in Sicherheit zu bringen. Bis jetzt gab es keine Schutzvorrichtungen.

Shmuel sah mir in die Augen und sagte: „Es ist ein Wunder, dass bisher niemand verletzt wurde. An schlechten Tagen fliegen 400 Raketen über die Köpfe dieser Kinder“, schilderte er die Situation. „Diese Bunker werden den Mitarbeitern und Eltern die Sicherheit geben, die sie brauchen. Jetzt wissen sie, dass ihre Kinder geschützt sind.“

Kampf gegen Brände

Im Kibbuz Erez besichtigen wir nun ein zum geländegängigen Löschfahrzeug umgebautes Quad und einen schweren Anhänger mit großem Wassertank, den Christen gespendet haben. Shmuel erklärt mir, was es damit auf sich hat: „Terroristen aus dem Gazastreifen schicken Ballons mit Sprengstoff oder Drachen, an denen brennende Gegenstände hängen, zu uns herüber, einfach nur um die Felder und Plantagen abzubrennen. Was passiert, ist ihnen egal: Wenn eine Ortschaft anfängt zu brennen, gut. Wenn sie die Felder und die Lebensgrundlage dieser Gegend zerstören, auch gut. Wenn sie dadurch Wild- und Nutztiere töten – auch das stört sie nicht. Die entscheidende Frage für uns lautet: Wie können wir so schnell wie möglich dort ein Feuer löschen, wo ein großes Feuerwehrauto nicht hinkommt, mitten auf dem Feld? Die einzige Möglichkeit, die wir haben, sind die leichten, geländetauglichen Löschfahrzeuge, unsere Quads, die schnell jedes Ziel erreichen. Das rettet Leben, Wohnhäuser, Unternehmen und die Natur.“

Wellen aus Feuer

Die Idee, Quads in kleine Feuerwehrautos zu verwandeln, entstand in Gesprächen mit den Sicherheitschefs, erzählt der Rabbi: „Wir haben sie gefragt: ‚Was braucht ihr?‘ Die Antwort war ganz klar: Ein Fahrzeug, das uns so schnell wie möglich zum Brandherd bringt. Wenn man das Feuer ganz am Anfang erwischt, kann man es eindämmen. Wartet man nur ein paar Minuten, vergrößert es sich exponentiell“, erklärt er. Sechs Feldfeuer hat Shmuel selbst erlebt: „Sie sehen aus wie Ozeanwellen, richtige Feuerwellen, die über ein Gebiet hereinbrechen und alles zerstören.“

Als ich die Zitronen- und Orangenbaum-Plantagen bewundere und dann über die Grenze nach Gaza blicke, frage ich mich, was ich empfände, würde ich mit meinen Kindern hier wohnen und das erleben, was sie erleben. Wut und Hass?

Hoffnung statt Hass

Vom Wunsch nach Vergeltung ist in diesem Kibbuz nichts zu spüren. Im Gegenteil. „Die Menschen sind voller Hoffnung und Optimismus“, bestätigt Shmuel. „Uns ist vollkommen klar, dass die Feinde, die den Kibbuz mit Raketen beschießen, nur einem kleinen Prozentsatz der Gesamtbevölkerung von Gaza entsprechen. Auch zwei Millionen Palästinenser leiden unter dem Terror der Hamas.“

Unbeugsame Kibbuz-Bewohner

Angesichts der ständigen Terror-gefahr könnte man denken, dass viele Dorfbewohner ihre Koffer packen und in friedlichere Regionen ziehen. Doch die „Kibbuznikim“ lassen sich weder durch Raketenbeschuss noch durch Brandstiftung vertreiben. Stattdessen wachsen die bedrohten Ortschaften. „Es gibt sogar eine Warteliste für Zuzugswillige“, weiß der Rabbi. Da wird mir bewusst, dass es sich um denselben „Geist Davids“ handeln muss, über den wir zuvor gesprochen haben – der starke Wille, alle Hindernisse zu überwinden.

Resilienz der Israelis

Als sich unser Besuch dem Ende zuneigt, stehen wir inmitten einer Reihe von Obstbäumen. Der Gärtner fordert uns auf, uns reichlich zu bedienen. Es ist Erntezeit, und die Bäume sind beladen mit Orangen, Mandarinen und Zitronen. Was für eine Fülle! Ich schäle eine frisch gepflückte Orange und genieße ihre saftige Süße. Überall strahlende Gesichter, als wir die wunderbaren Früchte dieses umkämpften Fleckchens Israel probieren. Während ich über die Resilienz der Israelis nachsinne, die an diesem schwierigen Ort leben, kommt mir der Gedanke: „Wenn das Leben dir Zitronen schenkt…machen Israelis Limonade draus.“

(Foto: Nur mit kleinen und wendigen Löschfahrzeugen kann die Feuerwehr die Brandherde schnell erreichen. Nick Hansen im Gespräch mit Rabbi Schmuel)

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