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Die deutsche Physiotherapeutin Simcha Kirsch arbeitet seit fast vier Jahren im Haifa-Heim für Holocaust-Überlebende und hat inzwischen zahlreiche Raketen- und Drohnenangriffe miterlebt. Ein Gespräch mit Redaktionsleiterin Karin Lorenz.
Simcha: Sie würden dir sagen: „Es wird gut werden“. Dies zeigt zum einen ihre Willensstärke und zum anderen sagt man diese Redewendung auch, wenn man nicht antworten will. Wenn du Israelis kennst, mit ihnen lebst, dann merkst du, sie haben zerbrochene Herzen. Sie kämpfen um ihre Existenz.
Für mich ist alles nur mit Gottes Hilfe zu meistern. Der 7.Oktober fühlte sich an, als ob mein Herz implodieren würde, durch die krassen Emotionen. Es gab keine Pause, um all die bisherigen Ereignisse zu verarbeiten. Weil es nicht aufhört. Die Geiseln sind immer noch in Gaza. Seit dem Terrorangriff der Hamas wird jede Freude von Leid begleitet.
Gott hat mir während der Angriffe immer Frieden geschenkt. Je dramatischer die Situation war, desto mehr Frieden hatte ich. In all der Gefahr erlebte ich täglich Gottes Wunderwirken in Israel – und das hat in mir eine tiefe Freude ausgelöst, die ich an unsere Heimbewohner weitergeben konnte. Mitten drin zu sein, im 7-Fronten-Krieg, fühlt sich surreal an, nur schwer zu begreifen.
Es gibt viele zusätzliche stille Energieräuber. Deine Augen scannen stets den Himmel ab, weil Drohnen vom Radar nicht immer erfasst werden. Du interpretierst jedes Geräusch. Beim Einkaufen oder auf dem Weg zur Arbeit überlegst du ständig, wohin du bei Raketenalarm jetzt fliehen würdest. Du fragst dich, ob du duschen kannst, ehe der nächste Alarm folgt. Auch das stetige Bereitsein für Extremsituationen kostet Energie: Handy aufgeladen, Brille, Pass, Notfallrucksack, alles muss jederzeit griffbereit sein. Du weißt nicht, ob deine Wohnung nach dem Angriff noch steht. Dies sind nur ein paar wenige Beispiele für Energieräuber im Kriegsalltag.
Die meisten Häuser in meiner Region verfügen über keinen Schutzraum. Der Weg zum öffentlichen Bunker bedeutete für mich zwei Minuten zu sprinten – zu lange, um vor den Explosionen in Sicherheit zu sein. Inzwischen lebe ich in einer Wohnung mit Schutzraum.
Die Abwehrwunder der ersten beiden iranischen Großangriffe, als Hunderte Raketen unschädlich gemacht worden waren. Ich ging in der Nacht zu unseren Holocaust-Überlebenden, um sie zu tröste. Mit manchen habe ich gesungen, sogar getanzt und Gott gedankt, weil er uns und Israel bewahrt hat.
Manchmal höre ich: Du musst nur stark genug glauben und beten, dann kann dir nichts passieren, weil der Kampf im Himmel bereits gewonnen ist. Oder: Du bist geheilt, du musst das nur im Glauben annehmen! Aber wenn vor deinem Haus eine Rakete einschlägt und die Hauswand wackelt oder Freunde traumatisiert oder schwer verletzt weiterleben müssen … Es ist für viele Betroffene sehr verletzend, wenn man ihnen sagt, sie müssten nur stark genug glauben. Die Lebensgefahr hier ist real. Es gibt gläubige Soldaten, die sterben oder schwer verletzt werden – trotz Gebete und starkem Glauben. Die Bibel und Israel lehren mich, worauf es wirklich ankommt.
Es geht nicht um ein sorgenfreies Leben. Sondern um die Frage, ob ich die Kraft und den Glauben hätte, auch in Extremsituationen oder mit einer Kriegsverletzung Gott zu lieben, ihm zu vertrauen und meine Berufung zu leben. Und: Wir müssen auf unser Herz aufpassen, dass es nicht verhärtet, trotz der herausfordernden Zeiten.
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