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Wieder einmal fahren mein Mann und ich nach Bethlehem – mit dem Bus von Jerusalem aus. Der Verkehr brandet – nicht nur im Süden Israels, auch nachdem wir die israelische Sperranlage nach Bethlehem, das in Zone A des palästinensischen Autonomiegebiets im sogenannten Westjordanland liegt, durchfahren haben. Viele Taxis stehen bereit, die Fahrer hupen und bedrängen uns, mit ihnen zur „Nativity Church“ (Geburtskirche) zu fahren, einer der heiligsten Stätten der Christenheit, wo einst der Tourismus boomte, insbesondere zu Weihnachten.
Unser Ziel ist die Teilnahme am 18-Uhr-Sonntagsgottesdienst der First Baptist Church des Pastoren-Ehepaars Elvira und Dr. Naim Khoury. Und am folgenden Tag ein Interview mit ihnen über ihre karitative Arbeit und das Weihnachtsprojekt „Nativity Encounter“ – „Weihnachten erleben“. Ihr Sohn Steven, ebenfalls Pastor, hat das Projekt vor zwei Jahren gegründet.
Bei der Ankunft fällt uns auf: Das Gemeindehaus ist aufgestockt worden, und ein Kirchturm mit einem großen Kreuz macht es unübersehbar in diesem Bereich Bethlehems. Hier werden künftig geistliche Leiter lokaler Gemeinden geschult. Für die Fertigstellung der Innenräume fehlen aktuell allerdings noch weitere finanzielle Zuwendungen.
Das Ehepaar Khoury, beide in der Jerusalemer Altstadt geboren und im griechisch-orthodoxen Glauben aufgewachsen, ohne je die Bibel in der Hand gehabt zu haben (Naims Vater, Großvater und Onkel waren alle Priester), haben sich als Teenager zu Jesus Christus bekehrt. Bei Naim geschah es in einem Gottesdienst in Jerusalem, geleitet von einem amerikanischen Missionar. Sein Leben erfuhr dadurch eine glückliche Wendung, bald danach auch das seiner Mutter und nach und nach auch seiner zehn Brüder. Sein ältester Bruder verlor sein Leben bei einem gezielten Attentat palästinensischer Terroristen auf ihn in der Jerusalemer Altstadt.
„Dass es heute so viele Menschen durch unseren Dienst zum lebendigen Glauben an Jesus Christus gekommen sind, ist für uns ein Wunder!“ Diesen Satz wiederholt Naim öfter im Gespräch. Und das Gebet sei die Grundlage all ihres Wirkens, so Naim.
Die politische Situation setzt ihnen zu. Islamisten wollten die Präsenz der Christen in Bethlehem beenden. 14 Anschläge schädigten das Gemeindegebäude, Gott sei Dank blieb niemand verletzt. Die Auswanderung vieler Gemeindemitglieder aus wirtschaftlichen Gründen, aber auch aus Angst vor Übergriffen, trifft die Khourys hart. Die Gemeinde Jesu wächst in Bethlehem nicht an ihrer Stelle.
Bei diesem Thema sind sich die arabischen Christen im „Heiligen Land“ nicht einig. Viele halten an der antizionistischen Ersatztheologie fest. Wenn Dr. Naim Khoury darauf angesprochen wird, lässt er sich nicht auf eine Diskussion ein: „Lest selber in der Bibel nach. Nirgends wird dort darüber berichtet, dass der Bund Gottes mit Israel aufgehoben worden ist.“
Als wir das Büro von Pastor Khoury nach dem Interview verlassen, sind alle Stühle im Vorzimmer besetzt. Gemeindemitglieder und auch andere Bewohner Bethlehems kommen täglich, um Hilfe bei den Khourys zu suchen. Fast alle sind arbeitslos, es gibt kein soziales System. Aufgrund der Zunahme des islamischen Extremismus und dessen Einfluss auf die lokale Wirtschaft finden Christen oft keine Anstellung mehr.
Je nach Spendenaufkommen kann die Gemeinde den Bedürftigen unter den rund 200 christlichen Familien etwa einmal im Vierteljahr Pakete mit Lebensmitteln zukommen lassen. Aber auch Kranken- und Behindertenhilfe gehört zum Dienst. Das Pastorenpaar ist manchmal mit menschlich hoffnungslosen Situationen konfrontiert. Weil sie bei ihnen um Hilfe bitten, erleben sie oft, dass Gott Gebetserhörungen schenkt. Elvira berichtet von einem Mann, der seit einem Tag derben Husten hatte, als sie ihn besuchte.
Naim Khoury erzählte uns, dass er im Oktober einen Besuch in der Knesset machen konnte, um dort zu berichten, dass insbesondere Christen in Bethlehem unter der Sicherheitslage und den Einschränkungen ihrer Bewegungsfreiheit seitens Israels sehr leiden.
Weil es immer weniger Christen in Bethlehem gibt, geht auch das Wissen um die historische und christliche Bedeutung dieses Ortes zunehmend verloren: Dass Josef und die schwangere Maria von Nazareth wegen einer vom römischen Kaiser Augustus angeordneten Volkszählung nach Bethlehem reisen mussten, da Marias Abstammung bis auf den König David zurückging; dass Jesus dort vor mehr als 2000 Jahren in einem Stall geboren wurde; dass ihn Hirten dort anbeteten und aus dem fernen Osten auf Herodes’ Befehl hin weise Männer fanden, die seine Familie mit Geschenken ehrten, und dass die heilige Familie mit dem Kind Jesus durch die Flucht nach Ägypten entkommen konnte.
Dieses brachte den in Bethlehem geborenen Sohn von Elvira und Naim, Pastor Steven Khoury, auf die Idee, diese Ereignisse in einem Parcours mit verschiedenen Stationen darstellen zu lassen. Steven, mit einer Amerikanerin verheiratet und Vater von fünf Kindern, ist Leiter der von seinem Vater gegründeten „Holy Land Mission“, HLM, sowie Pastor der Calvary Baptist Church, einer HLM-Gemeinde in Ostjerusalem. Der Vermieter der Räumlichkeiten, in denen sich seine Gemeinde versammeln konnte, wurde allerdings von Islamisten so unter Druck gesetzt, dass er die Calvary Church die Räume kündigte. Bereits acht Jahre zuvor war die HLM von Islamisten gezwungen worden, eine ihrer anderen Gemeinden zu schließen.
Steven Khoury hat dieselbe Liebe zu den Menschen Bethlehems wie seine Eltern und ließ sich durch keine der von seinen Gemeinden erlebten Maßnahmen davon abhalten, die Idee eines Weihnachtsparcours auch dieses Jahr in Bethlehem umzusetzen. Vor zwei Jahren war das Zelt, in dem das Projekt stattfand, von rund 6000 Menschen besucht worden. Durch Videos und andere Medien erfuhren sie, dass von Bethlehem und der Geburt Jesu an etwa 300 Stellen der Bibel die Rede ist. Das habe sie tief bewegt.
Dieses Jahr ist vom 15.12.2025 bis 15.01.2026 ein öffentlicher Raum im Süden Bethlehems für das Projekt „Weihnachten erleben“ angemietet worden. Der Verein von Steven Khoury veröffentlicht regelmäßig Berichte, Fotos und Videos aus Bethlehem. Herzliche Einladung, dieses Projekt durch Gebet und Spenden zu unterstützen.
Neu ist, dass alle Schulen Bethlehems eingeladen sind, an dem Projekt teilzunehmen und entsprechende Anmeldungen von Klassen bereits vorliegen.
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