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Tröstet, tröstet mein Volk

40 Jahre ICEJ-Deutschland
Birte Scholz
drei ältere Menschen und eine jüngere Frau in einem Garten arbeitend

Vor 40 Jahren wurde die ICEJ-Deutschland gegründet. Voll Dankbarkeit blicken wir zurück auf diese vier Jahrzehnte. Gott hat die kleinen Anfänge gesegnet und einen stetigen Segensstrom zwischen Deutschland und Israel anwachsen lassen. Dafür sagen wir dem Gott Israels Dank und geben ihm alle Ehre!

Gründung

Am 19. August 1981 wurde die „Internationale Christliche Botschaft Jerusalem, Deutscher Zweig e.V.“ gegründet. Gründungsmitglieder waren Pfarrer und Buchautor Dr. David Jaffin, Pfarrer Dr. W. Künneth (Paul-Gerhardt-Gemeinde München, „Kirchliche Sammlung um Bibel und Bekenntnis“), Günter Maisch (Rechtsanwalt, Baptistengemeinde Ludwigsburg), Karl-Heinz Frenzel (Christliche Freunde Israels e.V.), Hans Köpke, Richard und Margarete Habeck (Gemeinde der Christen Ecclesia e.V.), Gerhard Kühl (Ev.-freikirchliche Gemeinde Hagen) und Peter Hahn (Deutsche-Evangelische Allianz). Am 14. Januar 1982 erfolgte dann die Eintragung ins Vereinsregister Stuttgart.

Gebetsgrundlage

Die deutsche Zweigstelle wurde auf Gebet gegründet. Durch Gebetskreise für Israel sollte mehr Interesse am Bundesvolk der Bibel geweckt werden, wofür der Gebets- und Informationsbrief aus Jerusalem ins Deutsche übersetzt wurde. Anfang der 1980er Jahre war die Freilassung sowjetischer Juden und Christen ein wichtiges Gebetsanliegen. Später (Februar 1986) wurde es mit einer Demonstration vor der sowjetischen Botschaft in Bonn-Bad Godesberg unterstrichen.

Pionierarbeit

Die ICEJ-Leitung in Jerusalem bat Christian Stephan (1924-2012) und seine Frau Joliene 1981, die Leitung der jungen ICEJ-Zweigstelle in Deutschland zu übernehmen. Schon vor seiner Zeit bei der ICEJ war Christian jedes Wochenende als Prediger und Evangelist in Deutschland, Europa und weltweit unterwegs gewesen, um Jugend-, Gemeinde- und Evangelisationsarbeit zu leisten. „Ausruhen kann ich mich im Himmel“, sagte er. Stephan, der als Junge das Nazi- Eliteinternat Napola besucht hatte, nahm nun Gottes klaren Auftrag an, die Liebe zum Volk Israel in die Gemeinden zu tragen, zu predigen, zu informieren und zum Gebet aufzurufen. Jedes Jahr luden Christian und Joliene zudem zu Reisen nach Israel und insbesondere zur ICEJ-Laubhüttenfestkonferenz nach Jerusalem ein. „Mein Vater nutzte seine Kontakte, Israel in die Gemeinden zu bringen, in die er zuvor Jesus getragen hatte“, erinnert sich seine Tochter Elisabeth Stephan- Brämer.

"Tröstet, tröstet, mein Volk" - Abbildung eines Ehepaars
Joliene und Christian Stephan

Das deutsche ICEJ-Büro zog nach Michelstadt um, vorübergehend in den Israel-Laden von Joliene Stephan, die „Jerusalem-Boutique“ (Tel. 06061- 73416). Joliene führt sie bis heute, um Projekte in Israel zu unterstützen. „In der Anfangszeit haben wir ICEJ-Publikationen von unserem Wohnzimmer aus versandt, die ganze Familie half dabei“, erinnert sich Joliene.

Wichtige Projekte

Der enorme, persönliche Einsatz der Familie Stephan trug bald Früchte. Immer mehr Christen in Deutschland lernten den Dienst der ICEJ kennen und begannen, ihn durch Gebet und Gaben zu unterstützen. Viele wichtige Projekte wurden durch deutsche Spenden realisiert. Zum 50. Jahrestag der Reichspogromnacht 1988 beispielsweise der Ausbau einer neuen Synagoge in Ma’ale Adumim bei Jerusalem. Beim Besuch vor Ort sagte Christian: „Wir bitten euch um Verzeihung und versprechen, dass wir nie wieder tatenlos neben dem jüdischen Volk stehen wollen.“ Aber auch verschiedene Baumpflanzungsprojekte, um Israel zu begrünen und die Vision der blühenden Wüste umzusetzen, wurden unterstützt. Dank deutscher Spenden pflanzten wir mit dem KKL (Jüdischer Nationalfonds) zehntausende Bäume in Israel, u.a. den „Christian- Stephan-Wald“ bei Beerscheba.

Alijah-Charterflüge

Ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Deutschen Zweiges war die Finanzierung des ersten ICEJ-Charterflugs für sowjetische Juden, die am 28. Mai 1990 in Tel Aviv ankamen. Durch deutsche Spenden wurden weitere 20 Charterflüge für sowjetische Juden gesponsert.

"Tröstet, tröstet, mein Volk - Frau empfängt Einwanderer am Flughafen
Christians Tochter Elisabeth empfängt die ersten sowjetischen Einwanderer in Tel Aviv

Zudem unterstützte Deutschland den wichtigen „Fischerdienst“ (Jeremia 16,16) in der ehemaligen Sowjetunion und das EXOBUS-Projekt. Auch ältere, verarmte Juden, die keine Alijah machen konnten oder wollten, vergaß Christian nicht, und die Jugend-Alijah zu fördern war ihm ein besonderes Anliegen. Mit dem Fall der Berliner Mauer 1989 und der Wiedervereinigung weitete sich der Israeldienst in Zusammenarbeit mit Pastor Winfried Amelung, der schon in der DDR unerschrocken für Israel eingetreten war, auch auf Ostdeutschland aus.

Beistand für Israel

Als Saddam Hussein 1991 während des Golfkriegs Raketen auf Israel feuerte, reiste Christian nach Israel, um während der Bedrohung bei israelischen Freunden zu sein. „Wir danken dir, dass du uns auch in dieser Zeit nicht allein lässt, so treu bist und gleich rüberkommst und mit uns mit Gasmaske im Bunker sitzt“, erklärten die Israelis dankbar. Neben der Unterstützung von Terroropfern der beiden Intifadas und dem beständigen Aufruf zum Gebet für Israel, förderte der Deutsche Zweig auch vielfältige soziale Projekte, Neueinwanderer, Berufsschulen sowie Behinderten- und Altersheime in Israel. Zum Beispiel wurde das Jugenddorf Kedma gesponsert. Ab 1994 unterstützte auch Vorstandsmitglied Norbert Spahn mit seiner Frau Liane von Herzen die verschiedenen Projekte, u.a. den Bau eines therapeutischen Schwimmbads für Kinder mit Behinderungen in Aschkelon (2005), und leitete Reisen nach Israel, z.B. zur ICEJ-Laubhüttenfestkonferenz.

Holocaust-Gedenken

Während des Laubhüttenfests 1994 fand eine besondere Gedenkfeier in Yad Vashem statt. Viele größere israelische Medien berichteten darüber. Fast 3.000 Christen aus aller Welt, die bis dahin größte Versammlung von Christen in Yad Vashem, taten Buße über den Mord an sechs Millionen Juden im Holocaust. Christian Stephan, der in der Nazizeit aufwuchs, sagte: „Wir können keine Vergebung erwarten – der Schmerz ist zu groß, die Wunden zu tief –, aber ich wage, alle unsere jüdischen Freunde im Namen der hier anwesenden Christen zu bitten: Geben Sie uns die Chance, Ihre Freunde zu sein, Ihnen zur Seite zu stehen, Sie nie mehr allein zu lassen und zusammen mit Ihnen dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs zu dienen!“

"Tröstet, tröstet mein Volk" - Mann spricht in Yad Vashem
Christian Stephan spricht in Yad Vashem

Generationswechsel

Im Herbst 2001 übergaben Christian und Joliene Stephan die Leitung des Deutschen Zweiges an Dr. Jürgen Bühler und seine Frau Vesna, die bereits seit 1999 Mitarbeiter der ICEJ-Hauptstelle in Jerusalem waren und eng mit der Deutschen Zweigstelle zusammenarbeiteten. „Christian und Joliene Stephan haben sowohl in Deutschland als auch in Israel viele segensreiche Spuren hinterlassen“, bedankte sich Jürgen für ihren Herzenseinsatz und ihren stetigen Aufruf an Christen in Deutschland, Israel praktisch und betend zu unterstützen.

Trostspender

Christians Motto „Israel, du bist nicht allein!“ wurde von Jürgen weitergetragen. Es war ein vielgebrauchter Ausruf während der von der ICEJ und anderen Israelwerken organisierten Solidaritätskundgebungen in Deutschland Anfang der 2000er Jahre, als Israel durch die zweite Intifada und viele tödliche Terroranschläge erschüttert wurde. Hilfe für Terroropfer und Gebet um Bewahrung und Frieden prägten diese Zeit. Die ICEJ-Deutschland finanzierte einen kugelsicheren Bus für die judäische Ortschaft Efrat in Judäa. Die Unterstützung der Alijah und sozialer Hilfsprojekte für Bedürftige blieb integraler Bestandteil des Dienstes. Der Deutsche Zweig stellte ab Frühjahr 2002 das Beit HaTikwa (Haus der Hoffnung) in Jerusalem als Gästehaus für hilfebedürftige Neueinwanderer zur Verfügung. Seit über zehn Jahren finanziert Deutschland einen Kleinbus, mit dem unsere Partnerorganisation „Pitchon Lev“ Lebensmittelspenden für bedürftigen Israelis verteilt.

Informieren über Israel

Jürgen und das deutsche Team fingen an, Israel-Konferenzen in Nord- und Süddeutschland mit Sprechern aus Israel zu organisieren, um eine biblische, prophetische Perspektive auf das Handeln Gottes in Israel, der Gemeinde und den Nationen zu geben. Ein besonderer Höhepunkt waren die Europa-Tourneen des von der ICEJ initiierten Musicals „The Covenant“ („Der Bund“), das die Geschichte des jüdischen Volkes und Israels erzählt. Da es beim Europaparlament unter den damals 3000 Lobbygruppen keine gab, die Israel unterstützte, wurde 2002 mit vier anderen Pro-Israel Organisationen die „Europäische Koalition für Israel“ gegründet. Als ICEJ-Vertreter setzte sich Jürgen gegen Anti-Israelismus und Antisemitismus in der EU ein und informierte Politiker über die Situation in Israel. Der Deutsche Zweig sponsert zudem die Pastoren- und Leiterkonferenzen, die erstmals 2010 von den „Christlichen Freunden Yad Vashems“, der Partnerschaft zwischen der Jerusalemer Holocaustgedenkstätte Yad Vashem und der ICEJ, in Israel angeboten wurden. Sie vermitteln die Themen Holocaust und Antisemitismus, auch im christlichen Kontext, auf konstruktive Weise.

"Tröstet, tröstet, mein Volk" - zwei Männer schütteln sich die Hand
ICEJ-Präsident Jürgen Bühler (links) begrüßt den israelischen Präsidenten Reuven Rivlin bei der Laubhüttenfestkonferenz.

Hilfe für Holocaustüberlebende

Ende 2009 erreichte die ICEJ die Hilfsanfrage von Schimon Sabag (Helfende Hände), ein Altersheim für arme und einsame Holocaustüberlebende in Haifa zu gründen. „Ich fühlte, dass Gott zu mir sprach, und sagte zu, dass wir das Haus dafür kaufen würden“, erinnert sich Jürgen. „Es war ein Wunder, dass innerhalb kürzester Zeit das nötige Geld dafür zusammenkam, zu 90% von Spendern aus Deutschland und Österreich.“ Seit über zehn Jahren werden dank vieler deutscher Spenden rund 70 bedürftige Holocaustüberlebende im Haifa-Heim liebevoll umsorgt.

Stabübergabe

Als Jürgen Bühler 2011 zum ICEJ-Gesamtleiter berufen wurde, war sein Bruder Gottfried Bühler bereit, die Leitung des Deutschen Zweiges zu übernehmen. Gottfried war bereits seit zehn Jahren aktives Vereinsmitglied und hatte schon 1992 mit Jürgen eine Gedenkfeier zum 50. Jahrestag der Wannseekonferenz in Yad Vashem organisiert. 2012 initiierten beide erneut dieses wichtige Gedenken zum 70. Jahrestag der Konferenz, auf der der Massenmord an den europäischen Juden geplant worden war. Unterstützung und Zusammenarbeit mit Yad Vashem, Holocaust Gedenkveranstaltungen sowie die Unterstützung von Schoa-Überlebenden und die Initiierung von Bildungsprojekten und Begegnungen von deutschen Schülern mit Holocaustüberlebenden liegen Gottfried, dem ICEJ-Team in Stuttgart und dem ICEJ-Vorstand besonders am Herzen.

"Tröstet, tröstet, mein Volk" - zwei Männer sind abgebildet
Jürgen und Gottfried Bühler

Einsatz für Israel geht weiter

Seit 2012 haben sich uns in Deutschland mehr als 100 Gebetskreise und Gemeinden beim „Jesaja-62-Gebet“ für Israel angeschlossen. Neben unseren Berichten über ICEJ-Projekte, Israel-Nachrichten, Konferenzen und Israel-Vorträgen sowie Predigten, um auf Gottes Pläne für Israel aufmerksam zu machen, haben wir seit 2015 die Möglichkeit, mit unserem TV-Magazin FASZINATION ISRAEL ein buntes, facettenreiches Bild von Israel zu zeigen. „Wir freuen uns über alle Freunde und Unterstützer, die den Dienst der ICEJ-Deutschland seit 40 Jahren durch ihre Gaben und Gebete möglich machen und stärken. Aber vor allem danken wir dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs dafür, dass wir sein geliebtes Land und Volk Israel von Deutschland aus segnen dürfen“, erklärte Gottfried Bühler.

"Tröstet, tröstet, mein Volk - Gruppenfoto, Menschen halten Deutschlandflagge
Gottfried Bühler (vorne, 2. v. l.), Vorstandsmitglied Hannelore Illgen (Mitte) und Christoph Stang (ICEJ-Medienkoordinator, rechts) beim Jerusalem-Marsch

(Foto Seitenanfang: Familie Stephan beim Baumpflanzen in Israel)

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