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Eigentlich meidet Dana Silberman-Seaton die Öffentlichkeit. Die Schwester von Shiri Bibas beantwortet keine Fragen, gibt keine Interviews. Zurückgezogen lebt sie mit ihrer Familie im kleinen Moschaw Yesha, wenige Kilometer entfernt von Nir Oz, dem einstigen Wohnort der Familie Bibas. Doch als sie vom Trostbuch der deutschen Christen erfährt, lädt sie spontan die kleine Delegation der ICEJ zu sich nach Hause ein.
Danas Geschichte Es folgen zweieinhalb ungezwungene Stunden in Danas Küche. Wir sitzen zusammen, unsere Gastgeberin redet über Farmarbeit, über die Paprika-Ernte und die Vorteile des Landlebens. Wir lachen zusammen über ihren trolligen Familienhund – und dann erzählt Dana, was die Terroristen ihrer Familie angetan haben. Die Welt soll es wissen.
Ausgelöschte Familie Drei Generationen ihrer Familie wurden beim Massaker der Hamas ermordet, beginnt Dana. Die erste Generation: „Meine Eltern.“ Margit and Yossi Silberman wurden bei lebendigem Leibe verbrannt. Es dauerte drei Wochen, bis die verkohlten sterblichen Überreste in ihrem Haus gefunden und identifiziert werden konnten.
Die zweite Generation: „Meine einzige Schwester.“ Shiri Bibas starb in Geiselhaft. In ihrem Sarg, den die Hamas im Zuge des „Geiseldeals“ im Februar an Israel übergab, lag eine unbekannte tote Palästinenserin. Erst später wurde Shiris Leiche übergeben.
Und die dritte Generation: „Meine Neffen.“ Die Kleinkinder Kfir und Ariel Bibas wurden mit bloßen Händen ermordet, ergaben forensische Untersuchungen. Ihre misshandelten Körper wurden in einem Sarg voller Müll an Israel übergeben.
„Deshalb bin ich nun also die Letzte der Familie Silberman, die noch am Leben ist“, schließt Dana die Aufzählung und wechselt zum Tag des Massakers.
Besorgt ruft Dana ihre Eltern an im Nachbar-Kibbuz Nir Oz. Ob alles in Ordnung ist? Die Verbindung bricht ab. Dafür erreicht sie ihre Schwester. Shiri Bibas verspricht, nach den Eltern zu schauen, sobald es möglich ist. Es ist das letzte Mal, dass Dana die Stimme ihrer kleinen Schwester hört, die sie liebevoll „Baz“ nennt, hebräisch für „Falke“.
Horror im Schutzraum Dann erreicht sie auch ihre Schwester nicht mehr. Über die sozialen Medien verbreiten sich erste Nachrichten und Bilder vom Massaker. Geschockt lauschen sie auf die Geräusche von draußen. „Da sind Mörder. Wenn sie uns hören, kommen sie und töten uns“, flüstert Dana den Kindern zu. „Wir mussten ihnen leider Angst einjagen, um sie still zu halten. Sie hätten sonst den Ernst der Lage nicht begriffen.“
Irgendwann während der Stunden, die sie im Schutzraum ausharren und durch die Nachrichten scrollen, sieht sie dieses Video. Das Video, auf dem ihre Schwester zu sehen ist. Ihre kleine Schwester, für die sich Dana immer verantwortlich fühlte, inmitten der Terroristen, mit ihren Kindern in den Armen, eingewickelt in eine Decke! Sie sieht die Panik in Shiris Gesicht. „Ich schrie!“, erinnert sich Dana. Sie schrie und schrie! Ein endloser Schrei. Sie konnte nicht aufhören. Bis ihr Mann sie an ihre Kinder erinnerte und an die Gefahr, in der sie sich befanden.
Shiris Versprechen Der Schmerz hält an. Doch an Shiris Beerdigung gab Dana ihrer kleinen Schwester und ihren Eltern ein Versprechen. „Die Monster jenseits des Zauns werden uns nicht brechen. Sie werden uns nicht besiegen“, versprach Dana. „Weil wir unzerbrechlich sind. Sie haben verloren.“ Sie schloss ihre Abschiedsrede an ihre verlorene Familie mit einem Wunsch: „Ich hoffe, dass ihr zusammen seid, wo auch immer ihr seid, eingewickelt in Mamas und Papas Umarmung.“
Unzählige Trauerbekundungen gingen bei der deutschen Zweigstelle der ICEJ ein, als das Schicksal der Bibas-Familie bekannt wurde. Vater Yarden, Mutter Shiri, Söhnchen Ariel (4 Jahre) und Baby Kfir (9 Monate) waren am 7. Oktober 2023 von der Hamas entführt worden. Nach knapp 16 Monaten Geiselhaft kam Yarden frei. Doch seine Frau und seine Söhne, die neben dem israelischen auch einen deutschen Pass besaßen, waren von den Terroristen bestialisch ermordet worden. Wir haben die tröstenden Zuschriften gesammelt und einige davon in einem Trostbuch für Yarden in einer Auflage von 5 Exemplaren drucken lassen. Zwei Exemplare des Trostbuchs konnten wir im März an Yardens Schwägerin übergeben, Shiris Schwester Dana Silberman.
Shiri, Kfir und Ariel – eingeschrieben im Buch der Lebenden. Und in unseren Herzen.
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