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Nach dem Fall der Mullahs

Nach dem Fall der Mullahs

Wird der Iran eine Demokratie?
Carmen Shamsianpur, Islamwissenschaftlerin & Historikerin
Eine Karte, die aufzeigt, wie der Iran nach einem möglichen Zerfall von den Regionen her aussehen könnte

Das ist passiert: Am frühen Samstagmorgen haben die israelische und die US-amerikanische Armee gemeinsam strategische Ziele im Iran angegriffen. Ausdrücklich geht es nicht mehr nur darum, die Islamische Republik militärisch zu schwächen. Eine neue Regierung ist das Ziel, im besten Fall ein Sturz des Regimes. Im Zentrum vieler Debatten und teilweise als Argument gegen den Regimechange steht die Frage: Was kommt danach?

Das sollten Sie wissen: Oft war zu hören, das iranische Volk werde keine Einmischung von außen akzeptieren und sich im Falle eines Krieges hinter seine Regierung stellen. Tatsächlich kann der Sturz einer Regierung ohne klare Vorstellung davon, wie es danach weitergehen soll, unerwünschte Blüten tragen. Manche warnen vor der Machtergreifung eines noch schlimmeren Regimes.

Der erste Einwurf wurde bereits widerlegt: Die Iraner feierten zu Hunderttausenden, nicht nur im Exil, sondern auf den Straßen Teherans. Sie jubelten, als der Präsidentenpalast bombardiert wurde, und waren außer sich vor Freude, als sie vom Tod des Revolutionsführers Ali Chamenei erfuhren. Empörung über einen „völkerrechtswidrigen“ Angriff hört man allenfalls aus der unverbesserlichen europäischen Linken oder der US-amerikanischen Oppositionspartei.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Iraner wieder eine islamistische Regierung akzeptieren oder gar wählen würden, geht gegen Null. Dennoch ist der Schritt zu einer lupenreinen Demokratie groß. Denn dem Iran fehlen bislang grundlegende Strukturen einer demokratischen Bürgerbeteiligung. Dazu gehören zum Beispiel Parteien, Gewerkschaften und Vereine. Unter dem bisherigen Regime hätten solche Grundlagen niemals entstehen können. Deswegen ist der Umsturz der erste Schritt in die richtige Richtung.

Darum ist es wichtig: Anders als der Gazastreifen hat der Iran eine große, zunehmend organisierte Opposition im In- und Ausland. An deren Spitze steht mit den besten Umfragewerten der Schah-Sohn Reza Pahlavi. Sein Angebot lautet, an der Spitze einer Übergangsregierung die Voraussetzungen für einen Volksentscheid zu schaffen. Gegen den Willen der Bevölkerung wolle er keine neue Monarchie errichten. Ganz ausgeschlossen hat er es aber nie. Der Iran wird jemanden brauchen, der ihn vor Zersplitterung bewahrt. Einige der vielen ethnischen Gruppen sehen im Umsturz eine Chance auf Unabhängigkeit. So verständlich dieser Wunsch unterdrückter Minderheiten ist, liegt darin die Gefahr, dass das Land in einen Bürgerkrieg schlittert.

Trotz aller Risiken gibt es zum ersten Mal seit 47 Jahren eine reelle Chance auf einen Iran, der in Einheit seine Vielfalt feiert, ein Verbündeter Israels ist und ein demokratisches Staatswesen entwickelt.

(Foto: ChatGPT Image)

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