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Wieder einmal fahren mein Mann und ich nach Bethlehem – mit dem Bus von Jerusalem aus. Der Verkehr brandet – nicht nur im Süden Jerusalems, auch nachdem wir die israelische Sperranlage nach Bethlehem, das in Zone A des palästinensischen Autonomiegebiets im sogenannten Westjordanland liegt, durchfahren haben.
Viele Taxis stehen bereit, die Fahrer hupen und bedrängen uns, mit ihnen zur „Nativity Church“ (Geburtskirche) zu fahren, eine der heiligsten Stätten der Christenheit, wo einmal der Tourismus boomte, insbesondere zu Weihnachten.
Doch wir kommen nicht als Touristen. Wir besuchen das Pastoren-Ehepaar Elvira und Dr. Naim Khoury von der First Baptist Church, um aus erster Hand zu erfahren, wie es den Christen in Bethlehem geht und was wir für sie tun können.
Bei der Ankunft fällt uns auf: Das Gemeindehaus ist aufgestockt worden, und ein Kirchturm mit einem großen Kreuz macht es unübersehbar in diesem Bereich Bethlehems. Hier werden künftig geistliche Leiter lokaler Gemeinden geschult. Für die Fertigstellung der Innenräume fehlen aktuell allerdings noch weitere finanzielle Zuwendungen.
Elvira und Naim Khoury, beide in der Jerusalemer Altstadt geboren und im griechisch-orthodoxen Glauben aufgewachsen, haben sich als Teenager zu Jesus Christus bekehrt. In den folgenden Jahren trafen Naims Mutter und all seine Brüder dieselbe Entscheidung. Leider verlor sein ältester Bruder bei einem Attentat in der Jerusalemer Altstadt sein Leben.

Sie begannen 1979 mit Gottesdiensten in ihrer Wohnung in Bethlehem. „Dass bis heute so viele Menschen durch unseren Dienst zum lebendigen Glauben an Jesus Christus gekommen sind, ist für uns ein Wunder!“, sagen sie. Und dass Gebet die Grundlage all ihres Wirkens sei. „No prayer – no power!“
Die politische Situation setzt ihnen zu. Islamisten wollen die Präsenz der Israel-freundlichen Christen in Bethlehem beenden. 14 Anschläge schädigten das Gemeindegebäude, Gott sei Dank erlitt Naim dabei nur einmal eine Verletzung an der Schulter.
Es gab Austritt von Mitgliedern, die nicht der Erkenntnis der Khourys aus der Bibel folgten, dass die Juden nicht von Gott verworfen sind und die Gemeinde Jesu nicht an ihre Stelle getreten ist. Bei diesem Thema sind sich die arabischen Christen im „Heiligen Land“ nicht einig. Viele halten an der antisemitischen Ersatztheologie fest. Wenn Dr. Naim Khoury daraufhin angesprochen wird, lässt er sich nicht auf eine Diskussion ein: „Lest selber in der Bibel nach. Nirgends wird dort darüber berichtet, dass der Bund Gottes mit Israel aufgehoben worden ist."
Gemeindemitglieder und auch andere Bewohner Bethlehems kommen täglich, um Hilfe bei den Khourys zu suchen. Fast alle sind arbeitslos, es gibt kein soziales System. Aufgrund der Zunahme des islamischen Extremismus und deren Einfluss auf die lokale Wirtschaft, bekommen Christen oft keine Anstellungen mehr. Viele Gemeindemitglieder sind in den letzten Jahren aus wirtschaftlichen Gründen ausgewandert.
Je nach Spendeneingang kann die Gemeinde den Bedürftigen unter den rund 200 christlichen Familien etwa einmal im Vierteljahr Pakete mit Lebensmitteln zukommen lassen. Aber auch Krankheiten und fehlende Medikamente bereiten Not. Das Pastorenpaar ist mit manchen Notlagen konfrontiert, die menschlich hoffnungslos sind. Weil sie bei ihren Besuchen aber auch immer für die Bedürftigen beten, erleben sie oft, dass Gott Gebetserhörungen schenkt.
Naim Khoury erzählte uns, dass er im Oktober einen Besuch in der Knesset machen konnte, um dort zu berichten, dass insbesondere Christen in Bethlehem unter der Sicherheitsbarriere der Israelis am Checkpoint Bethlehems sowie der Einschränkung ihrer Bewegungsfreiheit seitens der Israelis sehr leiden.

Weil es immer weniger Christen in Bethlehem gibt, geht auch das Wissen um die historische und christliche Bedeutung dieses Ortes zunehmend verloren.
Dies brachte den in Bethlehem geborenen Sohn von Elvira und Naim, Pastor Steven Khoury, auf die Idee, die Geschichte zur Geburt Jesu in einem Parcours mit verschiedenen Stationen darstellen zu lassen. Steven ist Leiter der von seinen Eltern gegründeten „Holy Land Mission“, HLM, sowie Pastor der Calvary Baptist Church. Der Vermieter der Räumlichkeiten, in denen sich seine Gemeinde versammeln konnte, wurde allerdings von Islamisten so unter Druck gesetzt, dass er der Calvary Church die Räume kündigte. Bereits acht Jahre zuvor war die HLM von Islamisten gezwungen worden, eine ihrer anderen Gemeinden zu schließen.
Steven Khoury ließ sich durch keine der Maßnahmen davon abhalten, die Idee eines Weihnachts-Parcours auch dieses Jahr in Bethlehem umzusetzen. Im letzten Jahr war das Zelt, in dem das Projekt stattfand, von rund 6000 Menschen besucht worden.
Dieses Jahr ist vom 15. Dezember bis zum 15. Januar ein öffentlicher Raum im Süden Bethlehems für das Projekt „Weihnachten erleben“ angemietet worden. Neu ist, dass alle Schulen Bethlehems eingeladen sind und entsprechende Anmeldungen von Klassen bereits vorliegen.

Danke für Ihre Spenden, die es uns ermöglichen, die Gemeinde in Bethlehem und andere arabische Christen zu unterstützen.
Der Reisebericht in voller Länge erscheint im aktuellen Magazin „Wort aus Jerusalem“ (Ausgabe 6/2025).
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