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Danny Majzner wollte den schönen Morgen des 7. Oktober für einen Ausflug nutzen. Gegen 6.30 Uhr schwang er sich auf sein Rad und fuhr Richtung Kibbuz-Ausgang. Doch ehe er das große Tor erreichen konnte, begann der Raketenbeschuss.
Die Grenze zum Gazastreifen liegt nur vier Kilometer entfernt. Wer hier lebt, ist Raketenbeschuss gewohnt. Majzner wechselt noch ein paar Worte mit einer Nachbarin am Straßenrand, Carmel Gat, 39 Jahre alt. „Ich war vermutlich der Letzte, der sie gesehen hat, bevor sie in den Gazastreifen verschleppt wurde“, erzählt Majzner. Carmel Gat verbrachte 330 Tagen in Geiselhaft. Kurz bevor sie befreit werden konnte, schoss ihr die Hamas aus nächster Nähe eine Kugel in den Kopf.
Als der Raketenalarm beginnt, ahnt Majzner nichts von dem, was passieren wird. Aber er hat ein ungutes Gefühl. Er wendet sein Rad und fährt zurück. Wäre er nur wenige Sekunden weiter Richtung Tor gefahren, wäre er den ersten Terroristen direkt vor die Mündungen ihrer Waffen geraten. „Ich bin nicht religiös“, sagt der Israeli. „Aber ich weiß, dass mich an diesem Tag jemand beschützt hat.
Im Schutzraum seiner Wohnung erfährt er in der WhatsApp-Gruppe des Kibbuz von der Invasion der Terroristen.
„Schließt euch ein“, liest er. Doch Schutzräume sind nicht abschließbar. Sie sind gegen Raketen konstruiert, nicht gegen Angreifer, die mit Granaten und Schusswaffen eindringen
Majzner verbringt 20 endlose Stunden im Schutzraum, während Horden von Terroristen durch den Kibbuz Be'eri ziehen, morden, plündern und vergewaltigen. Sein Handy ist die einzige Verbindung zur Außenwelt. Eine verzweifelte Nachricht nach der anderen ploppt auf: „Die Terroristen zünden mein Haus an! – Sie brechen die Wohnungstüre auf! – Helft mir, sie nehmen meinen Vater gefangen“, zitiert Majzner einzelne Hilferufe.
Auch seine Schwester Galit lebt im Kibbuz. Sie ist allein in ihrem Schutzraum, nur 200 Meter entfernt. Aber er kann nicht zu ihr. Die Terroristen sind überall. Er hört, wie sie nebenan Menschen umbringen und dabei „Allahu akbar“ brüllen. Um 12.09 Uhr sagt seine Schwester am Telefon: „Ich kann Terroristen in meinem Haus hören. Was soll ich tun?“ Danny Majzner spricht ihr Mut zu: „Sei leise, mach dir keine Sorgen. Die Armee wird gleich hier sein.“ Es ist der letzte Kontakt, den er mit seiner Schwester hat.
Doch erst um 13.30 Uhr kommen die ersten Soldaten in den Kibbuz. Es folgt ein harter Straßenkampf. Die Mörder verschanzen sich in den Häusern ihrer Opfer. Erst am frühen Sonntagmorgen um 3 Uhr kann die Armee Danny Majzner und andere Bewohner evakuieren, während ringsum noch Kämpfe toben. Der Fluchtweg führt vorbei an Leichen, verbrannten Häusern, verkohlten Autos. Zwei Tage hofft er auf ein Lebenszeichen seiner Schwester. „Dann erfuhr ich, dass man Galits Leiche gefunden hat“, berichtet Majzner. Es folgte der schwerste Gang seines Lebens. „Ich musste meinem Vater sagen, dass seine Tochter ermordet wurde.“ Vater Simon Majzner hatte einst den Holocaust überlebt. Nun erfuhr er, dass seine Tochter in Israel, im jüdischen Staat, Opfer eines antisemitischen Pogroms geworden war.
Viele Überlebende sind nicht nur schwer traumatisiert, sondern auch voller Schuldgefühle. Weil sie nicht helfen konnten. Weil sie am Leben sind. „Man hat Zusammenbrüche“, gibt Majzer vorsichtig Einblick in seine inneren Kämpfe. Bis heute lebt er als Inlandsflüchtling in einem Hotelzimmer, inzwischen in Tel Aviv.
Der 7. Oktober 2022 war der Hochzeitstag seiner ältesten Tochter Nicole, 29. Am Tag des Massakers hätte sie ihren ersten Hochzeitstag gefeiert. Das junge Ehepaar beschloss, neu zu heiraten, an einem anderen Datum. Ihre zweite Hochzeit fand im August 2024 statt. In Kibbuz Be’eri. Es war die erste Hochzeitsfeier im Kibbuz seit dem Massaker.
„Das Leben wird weitergehen“, sagt Danny Majzner zuversichtlich. Auch in Be’eri. Der Kibbuz wird neu aufgebaut, schöner als zuvor.
„Ich wähle das Leben. Dazu habe ich mich entschieden“, betont der Überlebende des Massakers am Ende seines Berichts. Und wiederholt dann noch einmal langsam und ernst: „Ich entscheide mich – für das Leben.“
(Foto: Danny Majzner bei der Israel-Gebetskonferenz in der Filderhalle bei Stuttgart)
Amud heißt Säule. Das Wort kommt vom
Verb amad was stehen, stellen, bestehen
bedeutet. Amad kann aber auch wiederherstellen
und aufrichten bedeuten. Eine Säule symbolisiert
Stabilität, Festigkeit. Sie ist eine tragende
Kraft, die Lasten trägt.
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