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Und sie kam!

Deutschlandtour mit Holocaustüberlebender Eva Erben
Katja Bühler
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„Eva Erben kommt!“ Dies war der Slogan unserer Deutschlandtour Ende November 2025 mit der Zeitzeugin und Holocaustüberlebenden Eva Erben.

Deutschlandtour mit 95

Und sie kam! Noch einmal nahm Eva mit ihren 95 Jahren die weite Reise von Israel nach Deutschland auf sich. Begleitet wurde Eva von Jannie Tolhoek (ICEJ-Sozialabteilung, Jerusalem). Die beiden sind im Laufe der Jahre zu einem Dreamteam zusammengeschweißt. „Ohne Jannie bin ich nichts,“ betont Eva immer wieder sehr dankbar und liebevoll. Jannie sorgt nicht nur während der Reise dafür, dass es Eva an nichts fehlt. Auch in Israel besucht die ICEJ-Mitarbeiterin regelmäßig ihre betagte Freundin zu Hause. Oft unter lebensgefährlichen Umständen. Ob Bombenalarm, Gazakrieg oder Raketenangriffe aus dem Iran – Jannie lässt sich nicht abschrecken. Gerade in Krisenzeiten fährt sie nach Ashkelon, wo Eva lebt, um nach ihr zu schauen, sie zu ermutigen und ihr Hoffnung zu geben.

„Eva ist eine beeindruckende Persönlichkeit, die nicht in der Vergangenheit steckengeblieben ist“, stellt Gottfried Bühler, 1. Vorsitzender der Internationale Christliche Botschaft Jerusalem Deutschland, immer wieder mit großer Bewunderung fest. Er begleitete Eva auf ihrer Tour.

Gefragte Zeitzeugin

Die dynamische Zeitzeugin sprach in der Brüderkirche Altenburg, in der Stadthalle Eppingen, in der Sachsenlandhalle und auf der Langensteinbacher Höhe vor übervollem Auditorium. Das Publikum war generationenübergreifend, von jung bis alt, von Schülern, Lehrern, Eltern bis Großeltern. Jedem war bewusst: Es ist wahrscheinlich das letzte Mal, dass man die außergewöhnliche Möglichkeit geboten bekommt, einen Zeitzeugen des Holocaust live zu hören.

Kritik an Medien

Eva erzählte Auszüge aus ihrer dramatischen Kindheit während der deutschen Naziherrschaft. Sie sprang aber immer wieder von der Vergangenheit in das Heute und Jetzt. Sie zog Parallelen zu damals, rüttelte wach und motivierte die Zuhörer, kritisch zu sein. Gerade gegenüber Medien äußerte Eva den Vorwurf, dass diese nicht objektiv über Israel informieren und Fakten verdrehen. „Das schürt erneut Antisemitismus, das muss man wissen“, betonte Eva mit großer Besorgnis. Zur Medienberichterstattung, die tatsächlich immer wieder von Hamas-Propaganda beeinflusst ist, wie Untersuchungen beweisen, fand sie deshalb deutliche Worte: „Systematische Verbreitung von Halbwahrheiten und Lügen fanden im Dritten Reich breite Akzeptanz in der Bevölkerung und heute erleben wir das Gleiche.“

Erneutes Versagen

Kritik übte Eva auch am Roten Kreuz. Mit eigenen Augen hatte sie gesehen, wie die NS-Propaganda vor über 80 Jahren dem Roten Kreuz eine Scheinwelt in Theresienstadt präsentierte. Als sie später Vertreter der humanitären Hilfsorganisation gegenüberstand und sie fragte, warum sie den Nazis so viel Glauben geschenkt hatten, bekam sie zur Antwort, dass es politisch nicht korrekt gewesen sei, sich in das Kriegsgeschehen einzumischen. „Das gleiche heute“, kommentierte Eva. Wieder sei es in den Augen der Hilfsorganisation wohl politisch inkorrekt gewesen, den israelischen Geiseln in Gaza zu helfen und sich für ihre Befreiung einzusetzen. „Ein großes Versagen in der Geschichte hat sich da wiederholt“, bedauerte Eva Erben.

Kein Groll

Trotz all der schlimmen Erlebnisse in ihrer Kindheit hegt Eva wie durch ein Wunder keinen Groll gegenüber den Deutschen. Im Gegenteil. Heute hat sie einen engen Freundeskreis in Deutschland. „Einige meiner deutschen Freunde sind meine zweite Familie geworden“, schwärmt Eva. Trotzdem ziehen für Eva wieder dunkle Wolken am Himmel über Deutschland und Europa auf.

Gibt es einen Gott? Bewundernswert an Eva Erben ist, dass sie immer offen ist, Neues zu entdecken und ihren Wissenshorizont zu erweitern. Als letzte Station unserer Deutschlandtour stand das Jesaja-62-Gebetstreffen in Stuttgart auf dem Programm. Für Eva eine eher ungewohnte Art von Veranstaltung.

Gastrednerin Jannie Tolhoek gab Einblicke in ihre Arbeitswelt im Headquarter der ICEJ in Jerusalem und schilderte, wie sie als junge Frau nach Israel kam. Es war eine Führung Gottes, die mit der biblischen Geschichte von Naomi und Rut untermauert wurde. Ruts Zusage an Naomi „Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott!“ (Rut 1,17) wurde zu Jannies Lebensmotto. Jannie motivierte die Gebetsfreunde, weiter treu an der Seite Israels zu stehen und für das jüdische Volk zu beten!

Gänsehautmoment

Sichtlich bewegt von diesem besonderen Gebetsabend griff Eva in ihrer Abschlussrede ebenfalls die biblischen Worte aus dem Buch Rut auf – in einer bemerkenswerten eigenen Interpretation: „Auch wenn ich kein religiöser Mensch bin, aber ich glaube, euer Gott ist auch mein Gott!“ Es war ein unvergesslicher Gänsehautmoment, diese Worte der Wahrheit aus Evas Mund zu hören!

Wir wünschen Eva Erben alles Gute und Gottes Segen für die Zukunft. Wir hoffen, dass sie noch lange fit und gesund bleibt und uns bald wieder in Deutschland besuchen wird!

Auszüge aus der Rede von Eva Erben: "Auch wir waren Flüchtlinge"

„Heute liebe ich Deutschland, aber wohnen möchte ich hier auf keinen Fall. Der unkontrollierte Zustrom von so vielen Menschen aus anderen Kulturen bereitet mir große Sorge. Eigentlich habe ich großes Mitgefühl für Flüchtlinge, da ich mehrmals in meinem Leben auf der Flucht vor sehr schlimmen Lebensumständen war.

Als nach dem Zweiten Weltkrieg erneut Antisemitismus unter der kommunistischen Herrschaft in der Tschechoslowakei aufflammte, wanderten mein Mann Peter und ich in den neugegründeten Staat Israel aus. Wir wurden erneut zu ‚Flüchtlingen‘.

Wir haben als junge Menschen, ich war damals 18 Jahre alt, aus den Splittern des Holocaust das Land Israel mühsam aufgebaut. Wir waren traumatisiert, hatten unsere Familien auf grausame Weise verloren, hatten keine Bildung, kein Geld, beherrschten die hebräische Sprache nicht, ... Aber wir waren motiviert, wollten das Beste aus unserem Leben machen und die Chancen in unserem neuen Land optimal nutzen.

Ich habe meinen Beruf als Kinderkrankenschwester ausgeübt und Peter hat in der Baubranche hart gearbeitet. Wenn heute Flüchtlinge nach Deutschland kommen, um zu arbeiten, ist das in Ordnung. Aber wenn sie das nicht machen möchten und randalieren, ist es besser, sie in ihr Heimatland zurückzuschicken.

Deutschland ist ein sehr schönes Land und muss bewahrt werden! Man darf nicht alles passiv akzeptieren, sondern muss Zivilcourage zeigen und gegen Unwahrheit und Ungerechtigkeit aufstehen.“

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