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Musik als Sprache des Gedenkens

Braunau am Inn: Initiative zur Reichspogromnacht
Steven Bennett
eine junge Frau und ein junger Mann sitzen nebeneinander auf einer Bühne und lächeln in die Kamera. Im Hintergrund sind Bilder Kerzenständer und ein Davidstern, auf dem 'Jude' steht

Als Obmann der Internationalen Christlichen Botschaft Jerusalem (ICEJ) in Österreich bin ich dankbar für Initiativen wie das musikalische Gedenken an die Reichspogromnacht am 9. November 2025 in Braunau am Inn.

Bewegend & lebendig

Durch Berichte, Gespräche und Eindrücke der Beteiligten wurde mir deutlich, wie tiefgehend und berührend dieser Abend gestaltet war. Er zeigt, wie Erinnerung auf eine Weise lebendig werden kann, die Menschen nicht nur informiert, sondern innerlich bewegt.

Am 9. November 2025 gestalteten Annalena Pöschl und Habakuk Kirschhofer, zwei Studierende der Pädagogischen Hochschule Salzburg, ein musikalisches Gedenken an die Reichspogromnacht vom 9. November 1938, die auch als „Kristallnacht“ bekannt ist.

Musik, Wort und Bild

Gemeinsam mit dem Ensemble Capella Laudate Dominum verbanden sie historische Einordnung, Texte, Bilder und jüdische Musik zu einem eindrucksvollen Gesamtkonzept des Erinnerns. Getragen wurde das Projekt von einer engagierten Projektgruppe, die von der renommierten Braunauer Zeitgeschichte-Vereinigung unterstützt wird. Diese ist weit über die Region hinaus bekannt, insbesondere durch die jährlich stattfindenden Braunauer Zeitgeschichte-Tage, die einen wichtigen Beitrag zur kritischen Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart leisten.

Dass dieses Gedenken zur Reichspogromnacht in Braunau am Inn stattfand, einer Stadt, die als Geburtsort Adolf Hitlers traurige Berühmtheit erlangt hat, verlieh dem Abend eine besondere Tiefe. Orte tragen Geschichte in sich. Sie können verdrängen – oder sie können Verantwortung übernehmen. Gerade dort, wo Geschichte schwer wiegt, braucht es Zeichen der bewussten Auseinandersetzung. Das musikalische Gedenken war ein solches Zeichen: ruhig, würdevoll und zugleich eindeutig.

Trauer und Trost

Besonders eindrucksvoll ist die Wahl der Musik als zentrales Ausdrucksmittel. Jüdische Musik trägt Erinnerung in sich. In ihr finden sich Klage und Schmerz, aber auch Hoffnung, Würde und Überlebenskraft. Klagelieder, musikalisch unterlegte Gebete und Klezmer-Stücke machen spürbar, was Worte allein oft nicht zu fassen vermögen. Musik öffnet einen Raum, in dem Trauer zugelassen wird, ohne zu lähmen, und in dem Trost möglich wird, ohne zu verharmlosen.

Brisant und aktuell

Als ICEJ Österreich sehen wir es als unsere Verantwortung, gegen jede Form von Antisemitismus Stellung zu beziehen. Diese Verantwortung ist nicht nur historisch begründet, sondern zutiefst aktuell. Antisemitismus begegnet uns heute wieder – offen oder subtil, auf der Straße, in öffentlichen Debatten und zunehmend im digitalen Raum. Besonders beunruhigend ist, dass auch Kinder und Jugendliche damit konfrontiert werden. Erinnerung ist daher kein Blick zurück allein, sondern ein Auftrag für die Gegenwart.

Umso bedeutender ist der pädagogische Zugang dieses Projektes. Schule trägt gemeinsam mit Elternhaus und Gesellschaft die Verantwortung, junge Menschen zu Empathie, historischer Bewusstheit und kritischem Denken zu befähigen.

Zerbrochene Welt

Das begleitende Projekt mit einer dritten Klasse, in dem Kinder über eigenen Zerbruch, Schmerz und Hoffnung reflektierten, zeigt, wie ernsthaft und sensibel junge Menschen sich mit solchen Themen auseinandersetzen können. Die Arbeiten aus Spiegelfragmenten und Papier stehen sinnbildlich für eine zerbrochene Welt – und für die Möglichkeit, aus Fragmenten Hoffnung wachsen zu lassen.

Erinnerungsarbeit ist kein abgeschlossener Prozess. Sie fordert uns immer wieder neu heraus. „Nie wieder“ ist keine historische Formel, sondern eine tägliche Entscheidung. Dieses musikalische Gedenken hat eindrucksvoll gezeigt, wie Erinnerung lebendig, zugänglich und generationenübergreifend gestaltet werden kann.

Verantwortung

Beim Verlassen erhielten die Gäste kleine Erinnerungsgeschenke. Zugleich wurde zu Spenden für das Haifa-Heim für Holocaust-Überlebende eingeladen. Bei einem Imbiss und anregenden Gesprächen klang der Abend in angenehmer Atmosphäre aus.

Als ICEJ Österreich sind wir Annalena und Habakuk sowie allen Beteiligten, die dieses eindrucksvolle und mutige Gedenken möglich gemacht haben, von Herzen dankbar. Ihr Engagement zeigt, dass Erinnerung lebt, wenn Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Solche Abende verhindern, dass Geschichte verdrängt oder relativiert wird – sie geben Orientierung, schärfen das Gewissen und stärken unsere Gesellschaft in ihrer Wachsamkeit. Sie erinnern uns daran, dass Menschenwürde, Mitgefühl und Zivilcourage keine Selbstverständlichkeit sind, sondern Werte, die geschützt und immer wieder neu verteidigt werden müssen.

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