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Am Vorabend des 77. Gedenktages der Reichskristallnacht haben sich Sonntagabend in Berlin insgesamt 150 Parlamentarier aus Europa und Israel sowie Pastoren und geistliche Leiter aus Deutschland getroffen, um ihrer Solidarität mit Israel Ausdruck zu verleihen. Veranstalter des festlichen Galadinners, das auch 50 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen Israel und Deutschland würdigte, waren die Internationale Christliche Botschaft Jerusalem (ICEJ) zusammen mit der „Israel Allies Foundation“ und dem Israelischen Tourismusministerium. Zirka 20 Parlamentarier verschiedener europäischer Länder nahmen ebenfalls an der Veranstaltung teil.
„Es ist das erste Mal überhaupt, dass sich deutsche und israelische Politiker und deutsche Leiter christlicher Gemeindeverbände und Netzwerke in einem solch offiziellen Rahmen begegnet sind“, erklärte Gottfried Bühler, Leiter der ICEJ-Deutschland, der das Galadinner federführend mitorganisiert hatte. „Eine solche Begegnung war längst überfällig, wir sind sehr froh, dass sie nun stattfinden konnte!“ Die Ehrengäste kamen aus den unterschiedlichsten politischen Parteien und Hintergründen, doch sie alle verband ihre Freundschaft zu und ihre Identifikation mit Israel.
Zu den israelischen Teilnehmern zählten der Botschafter des Staates Israel in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsman, der frühere israelische Finanzminister und jetzige Oppositionsführer Yair Lapid (Jesch Atid), der stellvertretende Knessetpräsident Yoel Hasson (Zionist Union) sowie weitere Abgeordnete verschiedener israelischer Parteien. Der Präses des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden Johannes Justus und der Leiter des D-Netzes und Pastor des GOSPEL FORUM Stuttgart Peter Wenz sowie der Vorsitzende der Volksmission Bernhard Röckle vertraten viele christliche Gemeinden und Verbände in Deutschland. Zu den teilnehmenden Mitgliedern des Bundestages gehörten Roderich Kiesewetter (CDU), Volker Beck (Die Grünen), Dietmar Bartsch (Die Linke) und Michaela Engelmeier (SPD).
Dr. Jürgen Bühler, Gesamtleiter der ICEJ in Jerusalem, bezeichnete es in seinem Grußwort als ein Wunder, dass sich die jüdisch-christlichen Beziehungen 70 Jahre nach Ende des Holocaust weltweit so positiv entwickelt hätten. Gleichzeitig forderte er die Abgeordneten des Deutschen Bundestages heraus, den vielbeschworenen Satz, dass die Sicherheit Israels zur deutschen Staatsräson gehöre, mit Leben zu füllen. „Stellen Sie sich vor, ein Verbündeter der USA würde den Vereinigten Staaten von Amerika ständig versichern, dass sie ein Recht hätten zu existieren. Das würde die Vertreter der USA auf Dauer doch ziemlich verwundern. Was bedeutet denn das konkret? Die besondere Verpflichtung Deutschlands gegenüber Israel muss sich in politisch relevantem Handeln ausdrücken!“
Roderich Kiesewetter von der CDU reagierte spontan auf diese Aufforderung, indem er sein Redemanuskript zur deutschen Staatsräson beiseite legte. Stattdessen formulierte er vier konkrete Bereiche, in denen sich Deutschland zugunsten Israels stärker engagieren müsste. Er zitierte dabei die Bedrohung Israels durch den Iran, das Erfordernis für Deutschland, die israelischen Nachbarstaaten Syrien und Jordanien zu stabilisieren, die Notwendigkeit für Berlin, die europäische Außenpolitik stärker zu beeinflussen und die Überwindung des Antisemitismus innerhalb der deutschen Gesellschaft. Dem letzten Punkt komme angesichts der Flüchtlingsströme aus dem Nahen Osten eine besondere Bedeutung zu.
Yair Lapid (Jesch Atid) führte den Zuhörern sehr eindrücklich vor Augen, was die aktuelle palästinensische Gewaltwelle in Israel für das Leben einfacher israelischer Bürger bedeute. „Menschen werden umgebracht, einfach nur, weil sie Juden sind“, sagte er. „Der Holocaust hat uns zwei unterschiedliche Lektionen gelehrt“, schlug er dann den Bogen zur Reichskristallnacht und zum Holocaust: „Erstens, wir müssen überleben, um jeden Preis, wir müssen es allein tun, niemand wird uns helfen ... und zweitens müssen wir in unserem Handeln moralisch bleiben.“ Dieser Konflikt sei nicht einfach aufzulösen, doch Israel bemühe sich seit Jahren, im Kampf gegen den Terrorismus seine Werte nicht zu verraten.
Lapid kritisierte die Scheinheiligkeit der Vereinten Nationen, ständig Israel für sein vermeintlich menschenrechtswidriges Verhalten zu kritisieren, während Massaker in Syrien, in Libyen, im Kongo und im Irak nicht dasselbe Ausmaß an Kritik nach sich zögen. Sehr deutliche Worte fand er schließlich gegen die Bestrebungen der EU, Waren aus den Gebieten jenseits der grünen Linie besonders zu kennzeichnen. „Es ist ein klassischer verschleierter Boykottversuch – man stellt sich dumm und versucht gleichzeitig, den künftigen Grenzverlauf (zwischen Palästinensern und Israelis) ohne vorherige Verhandlungen einseitig festzulegen“, erklärte er.
Johannes Justus vom BFP, der knapp 800 freikirchliche Gemeinden in Deutschland vertritt, betonte in seinem Grußwort seine unbedingte Unterstützung Israels auf Grundlage des christlichen Glaubens und die Wichtigkeit von Versöhnung und Gnade in den deutsch-israelischen Beziehungen.
Peter Wenz, Hauptpastor der größten Freikirche in Deutschland, deren Gottesdienste jeden Sonntag über 4000 Menschen besuchen, berichtete, dass die Zahl gläubiger Christen, die durch die Liebe zu Israel und zum Mitmenschen motiviert seien, stetig wachse. „Aus diesem Grund habe ich Hoffnung für unser Land und auch für Israel“, erklärte er.
Musikalisch umrahmt wurde das festliche Galadinner von dem siebzehnjährigen Stuttgarter Schüler David Meussling, der bereits mehrfach am ICEJ-Programm „Peacemakers today“ für israelische, deutsche und tschechische Jugendliche teilgenommen hat. Am Flügel gab der junge Pianist u.a. seine Interpretation der Hatikva, der israelischen Nationalhymne, zum Besten.
Die Liebe ist nicht dafür geschaffen zu konsumieren,
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