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Rund 21% der Einwohner Israels sind Nichtjuden. Araber, mehrheitlich Muslime, machen den größten Teil aus. Israelreisende treffen gelegentlich auch auf Drusen, eine arabischsprachige, nicht-muslimische Volksgruppe, die auf dem Karmelgebirge und den Golanhöhen beheimatet ist. Aber nur wenige wissen von den Tscherkessen, einer muslimischen, nicht-arabischen Minderheit im jüdischen Staat.
Die Tscherkessen, ihre Eigenbezeichnung lautet Adyge, zählen zu einem der ältesten Völker der Welt. Sie setzen sich aus zwölf Stämmen zusammen, die bis ins 19. Jahrhundert im Nordkaukasus, am Ostufer des Schwarzen Meeres, lebten. Bereits ab dem 3. Jahrhundert wurden viele Tscherkessen christianisiert, zur Zeit des Osmanischen Reichs erfolgte dann die allmähliche, vollständige Hinwendung zum Islam. Ihre Identität und ihr Selbstverständnis gründet jedoch weniger auf der Religion, sondern vielmehr auf ihrer Folklore, ihrem strengen Verhaltenskodex und ihrer Sprache.
Dem Russisch-Tscherkessischen Krieg (1763–1864), in dem die Tscherkessen 101 Jahre lang der Invasion durch das zaristische Russland widerstanden, fielen zwischen 800.000 und 1,5 Millionen Tscherkessen zum Opfer: sie starben im Kampf, wurden massakriert, ausgehungert oder vertrieben. Historiker sprechen vom größten Völkermord des 19. Jahrhunderts. Nur etwa 10% der ursprünglichen Bevölkerungszahl lebte nach 1864 noch auf dem Gebiet des ehemaligen Tscherkessiens. Alle übrigen Überlebenden waren ins Osmanische Reich vertrieben worden.
Heute gibt es weltweit schätzungsweise 5,5 Millionen Tscherkessen. Nur rund 700.000 leben in Russland. Etwa drei Millionen leben in der Türkei, eine halbe Million im Nahen Osten, wo sie vor allem in Jordanien zu finden sind. Die jordanische Hauptstadt Amman geht auf eine Wiederbesiedelung durch tscherkessische Flüchtlinge zurück.
Die heute rund 4.000 tscherkessischen Israelis leben vor allem in zwei Dörfern, Kfar Kama (ca. 3.000) und Rehanya (ca. 800), die sie 1870 gründeten. Die übrigen wohnen, meist aus beruflichen Gründen, in verschiedenen Städten und Dörfern im ganzen Land verteilt, unterhalten jedoch starke Bindungen zu ihrem Heimatdorf und ihrer Gemeinschaft.
Historiker gehen davon aus, dass das Verhältnis zwischen Tscherkessen und ihren arabischen Nachbarn von Beginn an schwierig war. Zu den ab 1880 verstärkt ins Heilige Land zurückkehrenden Juden entwickelten sie jedoch rasch gute Beziehungen. Diese wurden 1948 gefestigt, als Tscherkessen im Unabhängigkeitskrieg Seite an Seite mit den Juden kämpften. Seit 1958 leisten tscherkessische Männer den obligatorischen dreijährigen Wehrdienst in der israelischen Armee.
Obwohl die israelischen Tscherkessen zu den kleinsten Gruppen in der tscherkessischen Diaspora zählen, sind sie es, die ihre Traditionen am besten bewahrt haben. Seit sie sich 1870 in Galiläa niederließen, passten sie sich weder an die Juden noch an die Araber an, von denen sie sich durch ihre Religion bzw. ihre Sprache und Kultur abgrenzten. In Israel, der einzigen Demokratie im Nahen Osten, dürfen die Tscherkessen ihre Folklore pflegen und feiern. Darin erhalten sie auch Unterstützung durch die israelische Regierung. Beispielsweise wird seit 1971 in den Schulen in Kfar Kama und Rehanya wieder die tscherkessische Sprache unterrichtet.
Im heutigen Israel wachsen tscherkessische Kinder viersprachig auf: in Rehanya ist Arabisch die Unterrichtssprache, in Kafr Kama wurde 1978 auf Wunsch der Eltern Hebräisch als Unterrichtssprache eingeführt. Die jeweils andere Sprache wird als Zweitsprache unterrichtet. Hinzu kommen Tscherkessisch, das 1971 in den Lehrplan aufgenommen wurde, und Englisch. Tscherkessisch ist die im Alltag dominierende Sprache. Im Verhältnis zu ihrem geringen Anteil an der israelischen Gesamteinwohnerzahl (rund 9,5 Millionen) ist eine überdurchschnittlich hohe Zahl tscherkessischer Israelis an israelischen Hochschulen vertreten.
Aufgrund ihrer geringen Zahl werden tscherkessische Israelis in offiziellen Statistiken meist nicht separat aufgeführt. Oft rechnet man sie zu den Drusen, mit denen sie einige Charakteristika teilen: beide Volksgruppen leisten Wehrdienst, was in der israelischen Gesellschaft einen hohen Stellenwert hat, und beide sind eine nicht-jüdische, nicht-arabische Minderheit. Als solche stehen Drusen und Tscherkessen auch vor ähnlichen Herausforderungen, u.a. in der Frage, wie es sich mit ihrer rechtlich verankerten Gleichberechtigung in der Praxis verhält. Beispielsweise beklagen beide Bevölkerungsgruppen, trotz ihres Beitrags zur Verteidigung und Sicherheit Israels benachteiligt zu sein. Beispielsweise fehlen tscherkessischen und drusischen Ortschaften ausreichend öffentliche Gelder für den Ausbau der Infrastruktur, des Transportnetzes und anderer öffentlicher Einrichtungen. Zudem leben sie in Nordisrael, wo es kaum Industrie und somit wenig attraktive Arbeitsplätze gibt.
Ein prominenter tscherkessischer Israeli ist übrigens Bibras Nathko, Kapitän der israelischen Fußballnationalmannschaft.
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