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Gemeinsames Kaddisch auf dem Friedhof

Gedenken in Nordmazedonien
Hannelore Illgen, Vorstandsmitglied der ICEJ-Deutschland
Auf einer Rasenfläche stehen mehrere Personen, darunter ein Mann mit Talar und ein Mann mit Kippa.

„Keine jüdische Gemeinde Europas hat im 2. Weltkrieg ein größeres Maß an Zerstörung erlitten als die nordmazedonische“ – diese Aussage machte die Forschungsdirektorin des Jüdischen Weltkongresses 2011 bei der Einweihung des beindruckenden Jüdischen Museums in Skopje, der Hauptstadt Nordmazedoniens.

Keiner überlebte

Was war geschehen? Am frühen Morgen des 11. März 1943 wurde die gesamte jüdische Bevölkerung der nordmazedonischen Städte Skopje, Bitola und Štip, insgesamt 7.215 Personen, durch die bulgarische Polizei unter Aufsicht der SS zusammengetrieben und in ein provisorisches Internierungslager in Skopje gebracht, das von der Gestapo bewacht wurde.

Elf Tage lang wurden die Deportierten unter schrecklichen Bedingungen in vier Lagerhallen des Tabakkonzerns Monopol in Skopje gefangen gehalten, dann an die rumänische Grenze transportiert und von dort in Zügen in das von Deutschland errichtete Vernichtungslager Treblinka im besetzten Polen transportiert. Keiner der dorthin Deportierten überlebte. Die Vernichtung der mazedonischen Juden beendete die Jahrhunderte lange Geschichte des Zusammenlebens von Juden und Mazedoniern.

80. Jahrestag

Im März flog ich zusammen mit meinem Mann nach Nordmazedonien, auf Anregen von Pfarrer i. R. Hans-Joachim Scholz und seiner Frau Rita. Mit einer kleinen deutschen Delegation wollten wir an Veranstaltungen zum 80. Jahrestag des Beginns der Deportation der mazedonischen Juden teilnehmen. Pfarrer Scholz hatte die vor rund acht Jahren aufgekommene Idee kennengelernt, den seit 1497 bestehenden jüdischen Friedhof von Bitola zu einer Begegnungsstätte umzugestalten. Dafür organisierte er mehrere Jugend- Sommer-Camps, die dem Aufräumen und Reinigen dieses Friedhofs dienten.

„Weg zur Versöhnung“

Im Zusammenhang damit fanden seit 2016 Begegnungen zwischen Mazedoniern, Deutschen und Israelis statt, die „Roadmap to Reconciliation“, „Weg zur Versöhnung“, genannt wurden. Dieses Jahr sind sich 60 Schüler begegnet, aus Kfar Sava/Israel, vom Tito-Gymnasium in Bitola sowie dem örtlichen Roten Kreuz. Die Gruppe machte beim „March of the Living“, dem „Marsch der Lebenden“ in Bitola mit, zu dem auch eine größere Gruppe Israelis angereist war. Zur deutschen Delegation gehörte die Direktrin des Ev. Schulzentrums Chemnitz. Sie nahm Kontakt mit den anwesenden Jugendlichen und Lehrern auf, und so wird es auch 2024 sicher wieder eine „Roadmap to Reconciliation“ geben, wieder mit deutschen Schülern.

Gedenkveranstaltungen

Am Gedenken an den Lagerhallen des ehemaligen Tabakkonzerns Monopol in Skopje nahmen viele Vertreter aus Politik und Gesellschaft des Landes teil, auch des Balkans sowie der örtlichen jüdischen Gemeinde. Sehr bewegend war danach das Kaddisch, das Lobpreisgebet, das Juden traditionell für Verstorbene beten, auf dem großen historischen Friedhof, gesungen von einem jüdischen Geistlichen. Pfarrer Scholz wurde gebeten, ebenfalls ein Gebet beizutragen, wozu er Psalm 139 auf Deutsch zitierte. Ein ganz besonderer Moment!

Am Abend lud der Leiter des nordmazedonischen Zweiges der ICEJ zu einem Konzert mit Volkstänzen von Schülern des Gymnasiums, an dem er unterrichtet, in eine Kirche ein, an dem alle 60 Jugendlichen des Projekts teilnahmen – ungewohnt, aber bewegend, besonders für die jüdischen Schüler.

(Foto: Kaddisch auf dem historischen Friedhof in Bitola, rechts der Sänger, in der Mitte Rita und Hans-Joachim Scholz)

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