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Drei göttliche Aspekte sind es, die Feuer in sich vereint, lehrte der 2001 verstorbene orthodoxe Rabbiner Aharon Soloveitchik: „Licht, Wärme – und Zerstörung.“ Das Feuer enthält konstruktive und destruktive Kräfte, es kann Leben ermöglich oder vernichten. Eine Flamme brennt nur, wenn zugleich Materie vernichtet wird. Wer ein Feuer entzündet, führt deshalb zwangsläufig eine zerstörerische Tätigkeit aus, kommentierte im Mittelalter Rabbiner Owadja ben Jaakow Seforno. Deshalb verbiete Gott in der Tora, an Schabbat Feuer zu entzünden, wie es im 2. Mose 35,3 heißt: „Ihr dürft am Schabbattag in allen euren Wohnsitzen kein Feuer anzünden.“
Es gibt aber auch ein Feuer, das ausschließlich konstruktive Eigenschaften besitzt, weiß die jüdische Lehre. Gottes Feuer: Diese Flammen brennen, ohne zu zerstören. Mose sah dieses Feuer, als er den brennenden Dornbusch entdeckte (2. Mose 3,2): „… der Dornbusch brannte im Feuer und der Dornbusch wurde nicht verzehrt. Und Mose sagte: Ich will doch hinzutreten und diese große Erscheinung sehen, warum der Dornbusch nicht verbrennt.“ Diese Art des Feuers steht für Menschen, die sich vollständig von der Liebe Gottes entzünden lassen. Sie werden nicht aufgezehrt. Das Feuer kann ihnen nicht schaden – wie Daniels Freunden im Feuerofen (Daniel 3,17ff).
Gott kommuniziert durch Feuer, nicht nur im brennenden Dornbusch. Als Gott die Tora an sein Volk übergibt, ist ER im Feuer gegenwärtig. „Und der ganze Berg Sinai rauchte, weil der HERR im Feuer auf ihn herabkam.“ Eine Feuersäule schützt und leitet das Volk bei der Flucht aus Ägypten. Im Stiftszelt und später im Tempel sollte ein ewiges Feuer brennen (2. Mose 6,6).
Im Judentum gilt der physische Tempel als Gleichnis für die Seele eines Juden. Jeder Bereich im Tempel entspricht einem Bereich im innersten Menschen. Der Altar symbolisiert das Herz. Wie auf dem Altar, so soll auch im Herzen jedes Juden Gottes Feuer brennen, lehren Rabbiner wie Schimon Bar Jochai und Abraham Jitzchak Kook: Das Feuer der Tora. Dieses Feuer im „inneren Altar“ taucht ebenfalls im Lukasevangelium auf. „Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete?“, zitiert Lukas die Emmaus-Jünger nach ihrer Begegnung mit dem auferstandenen Jesus (Lukas 24,32).
Feuer gilt auch als Symbol für den gelebten jüdischen Glauben, der von jedem Juden an die Gemeinschaft und an die nächste Generation weitergegeben werden soll. So wie eine Kerze die Flamme weitergeben kann an unzählige andere Kerzen, ohne selbst dabei an Leuchtkraft zu verlieren. Und nicht zuletzt: Wie jede Flamme entgegen der Schwerkraft vom Irdischen weg Richtung Himmel strebt, soll jeder Mensch nach oben streben, hin zu Gott.
Außerdem steht die Tora symbolisch für Licht. Licht besiegt die Dunkelheit. Brennen viele Kerzen, ist es taghell und die einzelne Flamme ist kaum bemerkbar. Doch je weniger Kerzen, desto wichtiger ist jede einzelne. Deshalb lehrt das Judentum, dass selbst wenige Gläubige in einer von Unglauben geprägten Umgebung einen bedeutenden Unterschied ausmachen. Vielleicht mag es sich anfühlen, als könne man nichts bewirken in der Übermacht der Gottlosen: Doch der Glaube strahlt unübersehbar in der Dunkelheit und wirkt wie ein klarer leuchtender Wegweiser.
Das gilt selbst dann, wenn der Glaube aufgrund schwieriger Lebensumstände vielleicht nur noch für ein schwaches Glimmen reicht. Je dunkler die Nacht, desto deutlicher sieht man selbst den kleinsten Funken. „Den glimmenden Docht wird ER nicht auslöschen“, heißt es in Jesaja 42,3 – und das bedeutet, dass Gott dieses schwache Glimmen nicht verachtet, sondern zärtlich betrachtet und am Leben erhält. Und der Funke kann wieder zu einer Flamme entfacht werden.
Feuer gilt im Judentum auch als Symbol für leidenschaftliche Liebe. In manchen religiösen Bewegungen gilt es als erstrebenswert, alle Gefühle zu überwinden, um ein Level völliger „Geistlichkeit“ zu erreichen. Nicht so im Judentum! Der Gott Israels will das Feuer leidenschaftlicher Liebe! ER will ein „fortwährendes Feuer“, lehrt der Jerusalemer Talmud – und das „selbst im Zustand der Unreinheit“, also nicht nur an Schabbat und Feiertagen, sondern im Alltag.
So wie eine Ehe nicht nur an Feiertagen geführt, sondern konstant gelebt wird. Im 3. Mose 6,6 heißt es dazu: „Ständig soll das Feuer auf dem Altar brennen und nie verlöschen (lo tiwke).“ Die hebräische Verneinung „lo“ kann allerdings auch mit „Nein“ übersetzt werden. Dann erhält der Vers eine weitere Bedeutung: „Das Feuer (der Liebe) erlöscht das Nein!“ Bei diesem „Nein“ handle es sich um das rebellische „Nein“ gegen das Gute, gegen Gerechtigkeit, Wahrheit – und gegen Gott, lehrte der einflussreiche Rabbiner Dow von Mesritsch („Raw Maggid“ 1710 bis 1772).
Ist dann nicht jede Religionslehre, die Liebe predigt, ein gottgefälliges Feuer? Nein, lehrt das Judentum – und warnt ausdrücklich vor „falschem Feuer“. Der 2014 verstorbene Rabbi Zalman Posner verwies dazu auf 3. Mose 10.1, als die Söhne Aarons ihr eigenes Feuer ins Heiligtum brachten: „… und brachten fremdes Feuer vor dem HERRN dar, das Gott ihnen nicht geboten hat“.
Als „fremdes Feuer“ gelten im orthodoxen Judentum Lehren, die zur Assimilation führen, zum Götzendienst und zur Verleugnung biblischer Wahrheiten. „Man übernimmt die Merkmale der Mehrheit“, nannte Rabbi Zalman Posner als größte Gefahr. Hauptgrund dafür: „Der Druck der Gesellschaft“.
Das „fremde Feuer“ kann auch mit „seltsames Feuer“ übersetzt werden. Seltsame Ideologien und unbiblische Einflüsse der Gesellschaft und des Zeitgeists drohen immer wieder, Gottes Wort zu verwässern und als „falsches Feuer“ ins Heiligtum zu gelangen, zeigt die Geschichte. So waren beispielsweise im zweiten Jahrhundert v. Chr. hellenisierte Juden der Meinung, der Gott Israels entspreche dem höchsten griechischen Gott Zeus. Der „Einheitsgott“ sollte auf griechische Art verehrt werden, dazu wurde im jüdischen Tempel ein Zeus-Altar aufgestellt. 3. Mose Kapitel 10 berichtet, dass das „fremde Feuer“ der Söhne Aarons zwar bis ins Heiligtum eindringen konnte. Doch die Flammen waren nur von kurzer Dauer: Dann erschien Gott den abtrünnigen Priestern in der dritten, tödlichen Eigenschaft des Feuers: „Da ging Feuer vor dem HERRN aus und verzehrte sie.“ (3. Mose 10.2)
Auch die Zeus-Ideologie in Jerusalem endete schließlich. Im Jahr 164 v. Chr. gelang es jüdischen Rebellen beim sogenannten Makkabäer-Aufstand, die Herrschaft des Seleukidenreichs über Judäa zu beenden und den Tempel vom Götzendienst zu reinigen. Zur Wiedereinweihung brannte die Menora, der siebenarmige Leuchter im Tempel, der nie erlöschen sollte. Doch es gab nur noch einen Krug mit geweihtem Öl – gerade genug, um die Flammen einen Tag lang am Leben zu halten.
Die Herstellung des neuen Öls dauerte acht Tage. Auf wundersame Weise brannte die Menora, bis das neue Öl bereit war. Daran erinnert der acht- bzw. neunarmige Chanukka-Leuchter: Jeden Tag wird eine Kerze mehr angezündet, bis alle acht Kerzen brennen (die zusätzliche Kerze, die es bei vielen Chanukka-Leuchtern gibt, dient nur dazu, die anderen Kerzen zu entzünden).
Das jüdische Lichterfest beginnt am 25. Dezember und endet am 2. Januar. Chanukka Sameach – fröhliche Chanukka-Festtage, frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr.
(Foto: Chanukka in Mea Shearim, GPO-Archiv, Moshe Milner)
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