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Über den Wolken

Rückblick: Laubhüttenfest-Solidaritätsreise 2025
Karin Lorenz
orthodoxe Jüdin dankt Gott

Die Nachricht erreichte uns 9.000 Meter über der Erde, beim Rückflug nach Deutschland. „Sie sind zuhause!“, verkündete der Pilot der EL AL Maschine. Der Rest seiner Durchsage ging im Jubel und Klatschen unter. Dieser Moment, die Rückkehr der noch lebenden Geiseln, war der Höhepunkt unserer Reise. Ein Rückblick auf weitere Highlights.

Zeugen der Bibel

Die betagte Jüdin erstarrt, als sie unsere deutsche Fahne in Jerusalem sieht. Ihr Gesicht spiegelt höchstes Erstaunen und Ungläubigkeit wider. „Die Propheten haben von euch geschrieben!“, ruft sie uns dann auf Englisch zu und deutet auf unsere Fahne. „Die Nationen werden nach Jerusalem ziehen!“

„Deshalb sind wir hier“, bestätigen wir. „Wir sind gekommen, um den Gott Israels anzubeten und sein Volk zu ehren.“ Die alte Dame bricht in Tränen aus. Aber es sind Tränen der Freude. „Ich habe von euch gehört", sagt sie. „Aber ich konnte nicht glauben, dass es wirklich passiert.“ Sie ist zutiefst erschüttert, ihre Stimme bricht. Da meldet sich ihr Mann zu Wort. Der betagte Herr spricht Deutsch – zum ersten Mal seit vielen, vielen Jahren. Man merkt, dass er sich mühsam an die Worte erinnern muss. „Willkommen“, sagt er dann, „seid willkommen“.

Begeisterte Medien

Nie zuvor wurde in israelischen Medien so viel – und so positiv – über christliche Besuchergruppen berichtet. Tageszeitungen und Fernsehsender veröffentlichen Hintergrundreportagen, stellen uns Fragen zu unserer Motivation, zu unserem Glauben. Noch mehr als in den Jahren zuvor sind die Israelis gerührt von der Solidarität der israeltreuen Christen. Beim Jerusalem-Marsch jubeln sie uns zu. Manche weinen hemmungslos. Selbst orthodoxe Juden lachen, singen und tanzen mit uns, geben Tipps, wie man den Schofar bläst. Das Laubhüttenfest der ICEJ ist die größte Solidaritätsveranstaltung in Israel seit dem 7. Oktober 2023. Mit der deutschsprachigen Reisegruppe der ICEJ sind 59 Christen angereist. Unsere älteste Reiseteilnehmerin ist 85 Jahre alt – Joliene Stephan, die Ehefrau des 2012 verstorbenen ersten Leiters der ICEJ Deutschland.

Das Versprechen

Eine schlichte Turnhalle ist die Kulisse, in der dieses Jahr ICEJ-Präsident Dr. Jürgen Bühler die Delegierten der Nationen begrüßt. Das Laubhüttenfest beginnt mit einem Solidaritätsbesuch: Denn in dieser Turnhalle im Kreis Schaar HaNegev hat Regional-Bürgermeister Ofir Libstein vor exakt zwei Jahren am 5. Oktober 2023 eine ICEJ-Reisegruppe empfangen. Man sprach über ein Friedensprojekt seiner Gemeinde. Ofir war tief berührt von der Liebe der Christen zu Israel. „Kommt wieder“, bat er uns damals. Keine 40 Stunden später war Ofir tot. Er war das erste namentlich bekannte Opfer des Hamas-Massakers. Nun sind wir hier, um Ofirs Bitte zu erfüllen.

Sein Bruder Doron heißt uns willkommen. Er will das Friedensprojekt seines Bruders fortsetzen. „Licht wird immer die Finsternis besiegen“, zitiert Doron seinen Bruder. Ofir Libstein war ein bekannter Friedensaktivist. Er wollte mit einem palästinensisch-jüdischen Firmenpark in der Grenzregion wirtschaftlichen Aufschwung für die Menschen in Gaza ermöglichen. „Ofir hat das arabische Volk geliebt“, berichtet sein Bruder. Dennoch ermordete die Hamas am 7. Oktober drei Generationen der Familie: Ofir, seinen 19-jährigen Sohn Nitzan und seine 81-jährige Schwiegermutter.

Botschaft vom Weltenende

Auch Fidschis stellvertretender Premierminister Viliame Gavoka ist zum Laubhüttenfest angereist. Von Jerusalem aus betrachtet liegt sein Inselstaat direkt auf der anderen Seite der Erdkugel. „Ich komme vom Ende der Welt“, wendet sich der Politiker mit großem Ernst an die Christen der Nationen: „Unsere Anwesenheit hier ist prophetisch. Ich will euch sagen: Die Schrift erfüllt sich. Das Evangelium hat das Ende der Welt erreicht! Und die Inseln singen Gottes Lobgesang!“

15 Sekunden, eine Bitte

„Die Zeit vom Raketenalarm bis zum möglichen Einschlag beträgt 15 Sekunden“, informiert eine Warntafel am Supernova-Festival-Gelände. An diesem Ort wurden 360 friedlich feiernde Israelis von Terroristen aus dem Gazastreifen bestialisch ermordet. Hier gedenken wir der rund 1.200 Terror-Opfer vom 7. Oktober. „Seid ihr deutsche Juden?“, fragt eine Opfer-Angehörige. Als sie hört, wer wir sind, kann sie nicht aufhören zu weinen. „Danke für euer Kommen“, sagt sie: „Danke, danke, danke. Sagt allen danke, die uns in dieser Zeit nicht im Stich lassen. Richte es aus!“, bittet sie eindringlich.

24 Stunden nach unserem Besuch heulen wieder die Sirenen entlang des Gazastreifens. 15 Sekunden später schlägt eine Rakete im offenen Gelände ein. Das ist der Grund, weshalb die ICEJ in vielen besonders raketengefährdeten Orten Schutzbunker direkt neben Spielplätzen, Bushaltestellen und Kindergärten aufstellt.

Spontane Blutspende

Ein Blutspenden-LKW von Magen David Adom, dem hebräischen Pendant zum Roten Kreuz, parkt heute zufällig vor dem Convention Center, dem Veranstaltungsort des ICEJ-Laubhüttenfests. Die beiden Sanitäterinnen sind plötzlich von Christen aus aller Welt umringt, die Blut spenden wollen. Die jungen Israelinnen staunen. Die Schlange der Spendenwilligen wächst und wächst, bis schließlich die Kapazität der kleinen Station aufgebraucht ist und der LKW zurück zur Zentrale muss.

Auch ein paar junge Soldaten spenden Blut. Wir liegen Seite an Seite. Über 1150 israelische Sicherheitskräfte starben im Krieg seit dem 7. Oktober 2023. Die Hälfte war unter 21 Jahre.

Kopftuch und Davidstern

Die Sanitäterin, die uns Blut abnimmt, trägt nicht nur den Davidstern auf ihrer Uniform, sondern auch ein Kopftuch. Sie ist palästinensische Israelin, Muslima und steht (wie viele arabische israelische Staatsbürger) fest an der Seite Israels. Der jüdische Staat ermöglicht ihr, gleichberechtigt zu leben, ihre Meinung zu äußern, zur Wahl zu gehen – Freiheiten, die kein arabischer Staat bietet. Apartheid in Israel gibt es nur in den Köpfen der Judenhasser.

Gebete der United Nations

Über 2.000 Christen aus 75 Nationen beten nahe der Knesset, dem israelischen Parlament, öffentlich für Israel – Christen aus dem Iran, Syrien, Libanon, der Ukraine und Russland, einträchtig Seite an Seite mit ihren Landesfahnen, manche auf den Knien, andere mit erhobenen Händen. In vielen Sprachen der Erde steigen die Gebete zum Himmel auf. Die zahlreichen jüdischen Passanten schauen fasziniert zu, filmen uns. Die Vereinten Nationen wurden gegründet, um der Welt Frieden zu bringen. Heute sind die wahren Vereinten Nationen zusammengekommen, im Namen des wahren Friedensfürsts.

Promis und Lobpreiser

Israels Präsident Isaac Herzog persönlich besucht unser Laubhüttenfest, auch Israels stellvertretende Verteidigungsministerin Sharren Haskel. Sie danken den Christen für ihre Solidarität, ihren Einsatz gegen Antisemitismus in ihren Heimatländern und für ihre Gebete: „Ihr seid eine Quelle der Stärke, des Trosts und des Lichts in einer Zeit überwältigender Finsternis.“ Bekannte Namen auch beim Lobpreis: Joshua Aaron, Shilo Ben Hod, SOLU Israel und Vesna Bühler gehören zu den musikalischen Höhepunkten.

Hütten und Freunde

Rabbi Shmuel Bowman und seine Nachbarn laden unsere Reisegruppe in ihre Sukkot ein, ihre selbstgezimmerten Laubhütten. Hier essen und schlafen fromme Juden während des achttägigen Laubhüttenfests. Rabbi Bowman lädt zum Probeliegen in seiner Schlaf-Sukka ein. Wir werden mit Kuchen, Keksen und Getränken verwöhnt. Die israelischen Familien geben uns Einblicke in ihr Leben, religiöse Bräuche und alltägliche Sorgen. Und sie bitten uns: Kommt wieder!

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