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Meist kommen sie in der Nacht. Im Schutz der Dunkelheit schleppen sich syrische Kriegsopfer zur syrisch-israelischen Grenze auf den Golanhöhen. Wer nicht selbst gehen kann, wird von Verwandten getragen und am Grenzzaun abgelegt. Israelische Soldaten sammeln die Schwerstverletzten ein, laden sie in Militär-Krankenwagen und bringen sie in zivile Krankenhäuser.
So wie Ibrahim. Eine Rakete hatte dem 15-Jährigen das Bein zerfetzt. Auch er war von Verwandten an der Grenze abgelegt worden. Als er aus der Bewusstlosigkeit erwachte, fand er sich im Galilee Medical Center wieder, dem zweitgrößten Krankenhaus Israels. Nackte Angst packte ihn. Juden! „Ich dachte, die wollen mich abschlachten“, erzählte der junge Syrer später. In Syrien hatte man den Teenager gelehrt, Israelis zu fürchten und zu hassen, doch dann erlebte er, wie die Ärzte und Pfleger alles taten, um ihm zu helfen. Und er erlebte, wie Juden, Moslems und Christen in diesem Krankenhaus friedlich und partnerschaftlich zusammenarbeiteten.
Zu den moslemischen Pflegekräften gehört Abusalih Usama. Der arabische Israeli hat in Deutschland seine Ausbildung zum Krankenpfleger absolviert und arbeitet jetzt in der Neurologie, wo Patienten mit schweren Hirnschäden behandelt werden. Er weiß, dass es vielen syrischen Patienten wie Ibrahim geht. „Wenn sie hier ankommen, haben sie Angst vor den Israelis. Aber nach ein paar Tagen merken sie, dass sie sicher sind“, weiß er zu berichten.
Seine jüdische Kollegin Smadar Ocampo, Leiterin der Kinderchirurgie, hat Arabisch gelernt, um besser mit ihren jungen Patienten kommunizieren zu können. „Die ersten Tage sind immer schwierig“, bestätigt sie, „weil die Kinder und Jugendlichen nicht wissen, wie sie auf uns Juden reagieren sollen. Aber dann sehen sie uns bald nicht mehr als Feinde, sondern als Freunde.“
Ihre jungen syrischen Patienten leiden nicht nur körperlich. „Die meisten Jugendlichen sind schwer traumatisiert. Sie sind sehr emotional und brauchen viel Liebe.“ Manche waren wohl auch selbst als Kämpfer an Einsätzen beteiligt. „Aber wir fragen nicht danach“, wehrt Smadar Ocampo ab. Die persönlichen Daten und Angaben der syrischen Kriegsopfer werden weder überprüft noch registriert. Behandelt wird jeder, der an die Grenze gebracht und von israelischen Soldaten eingesammelt wird.
Auch Ibrahim gehört zu ihren Patienten. Seine Augen leuchten, wenn die Stationsleiterin sein Zimmer betritt. Die Begrüßung ist sehr herzlich. „Wie geht es der Familie, was machen die Kinder?“, ruft der Jugendliche ihr entgegen. Oft entsteht im Laufe der monatelangen Behandlung eine tiefe Verbundenheit zwischen Personal und Patienten. „Eine syrische Mutter hat ihre Tochter nach mir benannt“, freut sich die jüdische Pflegerin.
Usama und Ocampo gehören zu den 2000 Mitarbeitern des Galilee Medical Centers, das die meisten syrischen Kriegsopfer aufnimmt. Es sind ausnahmslos Patienten mit schwersten Verletzungen, darunter Kinder mit abgerissenen Gliedmaßen, Frauen mit Brandwunden am ganzen Körper oder Männer, denen das Gesicht weggeschossen wurde. Oft sind komplizierte und aufwendige Operationen erforderlich. Die heimliche humanitäre Hilfsaktion läuft seit rund zehn Jahren – seit der Bürgerkrieg in Syrien begann.
Das Galilee Medical Center ist kein gewöhnliches Krankenhaus. Es liegt nur zehn Kilometer vom Libanon entfernt und ist immer wieder Raketenbeschuss ausgesetzt. Dann müssen die Patienten in den unterirdischen Teil der Klinik evakuiert werden. Unter dem Krankenhaus befindet sich eine riesige autarke Bunkeranlage, ein Labyrinth aus Gängen und Räumen, vollständig gesichert gegen konventionelle und unkonventionelle Waffen, gegen biologische und chemische Angriffe. Der Zugang befindet sich unmittelbar unter der Notaufnahme.
Während des zweiten Libanonkriegs lief der gesamte Krankenhausbetrieb 33 Tage lang unterirdisch ab. „Wir haben in der Untergrundklinik gelebt, zusammen mit den Kindern unserer Mitarbeiter“, erzählt Sarah Streit, die Pressesprecherin der Klinik. Die Untergrundklinik wird regelmäßig instandgehalten und die Evakuierung trainiert. „Es dauert nur 90 Minuten, bis das Krankenhaus komplett nach unten verlegt ist“, berichtet die Klinik-Sprecherin. Im Jahr 2006 wurden über 4.500 Raketen auf die Region abgeschossen. Das Krankenhaus erhielt einen Volltreffer, eine Station wurde vollständig zertrümmert und das Feuer breitete sich auf vier Geschosse aus. Weil alle Patienten und Mitarbeiter bereits in der unterirdischen Klinik waren, gab es keine Verletzten.
Ibrahim war leidenschaftlicher Fußballspieler, ehe er sein Bein verlor. Jetzt sitzt er im Rollstuhl. Fußball ist für ihn kein Thema mehr. Aber er macht sich Sorgen, wie er künftig einmal seinen Lebensunterhalt verdienen soll mit nur einem Bein. Deshalb lässt die Klinik für ihn eine leistungsfähige Prothese anfertigen, weiß Smadar Ocampo. Jeder Patient erhält die bestmögliche Versorgung, ohne Blick auf die Kosten. Säuglinge und Kleinkinder werden mit Babynahrung für ein halbes Jahr ausgestattet, ehe sie zurück über die Grenze gebracht werden. „Je nach Bedarf geben wir auch Kleider oder Medikamente mit“, berichtet Smadar Ocampo.
Chefarzt Dr. Eyal Sela ist Spezialist für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. Der jüdische Arzt rekonstruiert schwere Gesichts- und Kopfverletzungen. Auf seinem Operationstisch liegen oft Patienten, die jede Hoffnung aufgegeben hatten, darunter ein 17-jähriges syrisches Kriegsopfer, dem eine Granate den Kiefer, die Wangen und ein Auge weggerissen hatte. „Es gab kein Gesicht mehr, auch die Knochen waren weg. Er konnte weder Essen noch sprechen“, erinnert sich Dr. Sela. Syrische Kämpfer hatten den Jungen zur Grenze gebracht. Vermutlich war er einer ihrer Kameraden. „Aber für uns sind das keine Kämpfer. Es sind Kinder“, sagt der Chirurg. „Wir behandeln sie bestmöglich und nach ein paar Tagen kann man sehen, dass sie wieder Hoffnung bekommen. Man sieht es in ihren Augen.“ Der 17-Jährige bekommt eine 3-D-Protese der Nase und des Gesichts, erläutert Dr. Sela: „Es ist kompliziert, aber wir können das rekonstruieren.“
Wenn Dr. Sela von manchen Patienten erzählt, glitzern Tränen in seinen Augen. Oft bekommt er Dankesbriefe, ehe die Patienten zurückkehren nach Syrien. Er hebt jeden Brief auf. „Dr. Sela, ich werde dich nie vergessen“, schreibt ein Junge, der fast fünf Monate in seiner Behandlung war. Die Kontakte zu den Patienten enden allerdings in der Regel bei der Rückkehr nach Syrien. Dass Israel an der Grenze humanitäre Nothilfe leistet, gilt zwar als offenes Geheimnis in Syrien. Doch wer darüber redet oder in Grenznähe aufgegriffen wird, riskiert als „Kollaborateur“ hingerichtet zu werden. Ehe israelische Soldaten den Patienten nach der Behandlung zurück über die Grenze helfen, wird deshalb jedes hebräische Dokument, das den Aufenthalt in Israel verraten könnte, vernichtet. Denn jedes Beweisstück der humanitären Hilfe könnte für den Patienten den Tod bedeuten.
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