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Meilensteine in der Medizin

Vorbild und Vordenker in der Gesundheitsforschung und -versorgung
Karin Lorenz
Kinderklinik gpo moshe milner

Vorreiter bei Innovationen

Das Leben hat einen hohen Wert im Judentum. Das ist wohl ein Grund für die besonderen Erfolge, die jüdische Forscher und Gelehrte immer schon in der Medizin vorweisen konnten. So ist es vielleicht nicht überraschend, dass sich der junge jüdische Staat zum internationalen Vorbild und zur treibenden Kraft in der Gesundheitsforschung und -versorgung entwickelt hat. Ob Endoskopie-Kamera oder flexible Stents – viele medizinische Innovationen, die aus dem Klinikalltag nicht mehr wegzudenken sind, stammen aus Israel.

Heilungs-Weltrekord

Auch in der Krebsforschung und -behandlung setzt Israel immer wieder neue Standards, die Patienten weltweit zugutekommen. In keinem anderen Land sind die Überlebenschancen beispielsweise höher bei Brustkrebs und Darmkrebs. „Nahezu nirgendwo haben Menschen bessere Chancen, vom Arzt geheilt zu werden“, musste auch die sonst so israelkritische Frankfurter Allgemeine Zeitung bei vergleichenden Recherchen anerkennen – das war bereits 2018. Damals belegte Israel im Bloomberg Global Health Index den neunten Platz. Im weltweiten Gesundheitsindex für 2023 erreicht Israel laut Statista aktuell nun Rang 5, deutlich vor der Schweiz (Rang 10), acht Plätze vor Deutschland (13) und 17 Plätze vor Österreich (22).

Israel als Vorbild

Mediziner und Politiker aus aller Welt reisen nach Israel, um vom israelischen Gesundheitssystem zu lernen. Im Sheba Medical Center nahe Tel Aviv ist man längst an die vielen ausländischen Gäste gewöhnt – während die Besuchergruppen schon im Eingangsbereich der Klinik ins Staunen geraten: Reinigungsroboter wischen die Böden, während selbstfahrende Roboter die Besucher begrüßen und fragen, wie sie weiterhelfen können. Alle Prozesse, die digitalisiert und automatisiert werden können, sind auch digitalisiert und automatisiert. Im Sheba Medical Center gibt es 1900 Betten und über 14.000 Beschäftigte, 159 Abteilungen und 75 Labore, in denen jedes Jahr vier Millionen medizinische Tests durchgeführt werden. Rund zwei Millionen Patienten werden hier jährlich stationär und ambulant behandelt.

Virtuelle Sprechstunden

Auch in Israel herrscht Personalknappheit im Gesundheitswesen. Um das Mitarbeiterproblem zu lösen, arbeiten viele Start-ups an technischen Lösungen, mit deren Hilfe medizinisches Personal eingespart oder Arbeit erleichtert werden kann. Dazu gehört das Ziel, digitale Diagnosen erstellen zu können und Patienten die Möglichkeit zu bieten, Untersuchungen selbst daheim durchzuführen. Das israelische Unternehmen TytoCare entwickelte beispielsweise ein Gerät für den Hausgebrauch, das Patienten ein selbstständiges Abhören der Lunge, Untersuchungen der Gehörgänge und des Mund- und Rachenraums ermöglicht. Die Daten werden an den Arzt geschickt. Ein ähnliches Gerät für Untersuchungen in den eigenen vier Wänden gibt es für Schwangere – damit lassen sich die Vitalwerte des ungeborenen Kindes überprüfen. Videosprechstunden waren ohnehin schon vor Corona üblich. Rund 20 Prozent aller Patientengespräche bei Hausärzten erfolgen online.

Zukunft der Medizin

Das Sheba Medical Center wurde vom Newsweek Magazine und dem Marktforschungsunternehmen Statistica unter die besten zehn Krankenhäuser der Welt gewählt und gilt als eines der globalen Zentren für medizinische Innovationen. Wie viele andere Kliniken in Israel kooperiert die Einrichtung mit zukunftsorientierten Start-ups der Medizinbranche – davon profitieren beide Parteien fachlich und finanziell. „Diese Klinik zeigt, wie Zukunft in der Medizin gelingt“, lobte das deutsche Handelsblatt das israelische Modell und urteilte: „Ein Vorbild für Deutschland, das seine Kliniken modernisieren will.“

Gute Perspektiven

Ein Blick auf einige neue medizinische Innovationen zeigt, dass Israel auch in Zukunft weiterhin Meilensteine in der Medizin setzen wird. So gelang es jüngst Wissenschaftlern der Ben-Gurion-Universität, mithilfe eines künstlichen Moleküls Mäuse von Alzheimer zu heilen. Der neue Behandlungsansatz könnte zum Durchbruch in der Alzheimer-Forschung werden. Und Forscher der Hebräische Universität Jerusalem fanden heraus, wie Bauchspeicheldrüsenkrebs gehemmt werden kann – Bauchspeicheldrüsenkrebs gehört zu den aggressivsten und tödlichsten Krebserkrankungen.

Gesuchte Partner

Da wundert es nicht, dass sich medizinische Fakultäten und Universitäten aus der ganzen Welt um Partnerschaften mit israelischen Forschungseinrichtungen reißen. Die berühmte Charité-Universitätsmedizin Berlin startete bereits vor ein paar Jahren eine Kooperation mit der Israelische Innovationsbehörde. Ziel des Pilotprojekts: Ein gemeinsames Programm zur Innovationsförderung und Validierung im Bereich der digitalen Medizin und Medizintechnologie. Denn der jüdische Staat verfügt auch über eines der modernsten digitalen Gesundheitssysteme der Welt. Wohl kein anderes Land hat so früh – bereits vor zwei Jahrzehnten – die Potenziale der Digitalisierung im Gesundheitswesen erkannt. Daten gelten hier als entscheidende Ressourcen für Innovationen.

KI in der Medizin

Und die wertvollen Daten gelten zudem als Basis für eine individuell bestmöglich angepasste Behandlung. E-Rezepte, ein optimales Patientenmonitoring, Telemedizin und digitale Zugänge zur eigenen Patientenakte sind bereits seit mehr als zehn Jahren selbstverständlich. Auch eine bessere Bildgebung und der Einsatz künstlicher Intelligenz spielen eine wichtige Rolle – letztere wird genutzt, um Bilder und digitale Daten schneller und zuverlässiger auswerten zu können. So lassen sich sekundenschnell einzelne Proben mit Tausenden ähnlichen Fällen vergleichen. Die KI-Programme liefern zum Diagnosevorschlag auch gleich mögliche Behandlungswege. Die Vorschläge müssen vom behandelnden Arzt nur noch überprüft, bestätigt und eventuell ergänzt werden. Das spart Zeit – und auch Patienten mit schweren oder seltenen Erkrankungen erhalten schneller eine zuverlässige Diagnose.

Begeisterte Fachkreise

Der Einsatz künstlicher Intelligenz und die systematische Auswertung vorhandener Daten ermöglicht es außerdem, frühzeitig potenzielle Erkrankungsrisiken und Wahrscheinlichkeiten zu erkennen. Die internationale Fachpresse beobachtet Israels Einsatz auf diesem Gebiet sehr aufmerksam und das deutsche Ärzteblatt anerkannte jüngst: „Wer nach Israel blickt, sieht schon heute eine mögliche digitale Zukunft des deutschen Gesundheitssystems vor sich.“

Terroristen als Patienten

In israelischen Krankenhäusern erfährt jeder Patient die bestmögliche Behandlung – unabhängig von Nationalität oder Religion, ob Terrorist oder Terroropfer. So zahlt Israel jährlich rund sechs Millionen Euro für die medizinische Versorgung inhaftierter Terroristen. Immer wieder nehmen auch Angehörige prominenter Führer der Terrororganisation Hamas die Dienste der israelischen Ärzte und Pfleger in Anspruch. So wurde 2021 eine Nichte des Hamas-Führers Ismail Haniyeh über einen Monat lang in einem Krankenhaus in Tel Aviv behandelt – während Israel vom Gazastreifen aus mit Raketen beschossen wurde. Auch die Schwester des ranghohen Hamas-Führers Mussa Abu Marzouk bevorzugte eine israelische Klinik zur Behandlung ihrer Krebserkrankung, und Ismail Hanije, Ex-Premierminister der Hamas in Gaza, schickte seine Tochter in ein Krankenhaus bei Tel Aviv. Selbst die Ehefrau von Palästinenserführer Mahmud Abbas ließ sich in einem israelischen Krankenhaus behandeln. In israelischen Kliniken werden außerdem regelmäßig kostenlos herzkranke palästinensische, jordanische, kurdische und syrische Kinder operiert.

Gut versichert

Jeder Bürger ist gesetzlich zur Mitgliedschaft in einer Gesundheitspflegeorganisation verpflichtet, den sogenannten Health Maintenance Organizations (HMO). Es stehen vier Gesundheitspflegeorganisationen zur Auswahl: Clalit, Leumit, Maccabi und Meuhedet. Die Versichertenbeiträge werden in Form einer Gesundheitssteuer vom Gesundheitsministerium erhoben und an die HMOs verteilt. Die HMOs sind gemeinnützig und nicht gewinnberechtigt, aber sie konkurrieren miteinander und können dabei weitgehend unabhängig vom Staat agieren. Sie sind gleichzeitig Versicherer, Leistungserbringer und Krankenhausbetreiber. Das israelische Gesundheitssystem ist nicht nur sehr effektiv, es gibt auch keine ausufernden Kosten: Laut Statistik der OECD gibt Israel nur rund acht Prozent des Bruttoinlandprodukts für die Gesundheit aus (Deutschland: 12,8, Österreich: 12,2, Schweiz: 11,8).

In neunzig Sekunden am Unfallort

Nur 90 Sekunden dauert es im Durchschnitt, bis in israelischen Städten nach einem Notrufeingang ein Rettungssanitäter am Unfallort eintrifft. Eine Rekordzeit. So funktioniert die Rettungskette in Israel: Zusätzlich zum regulären Rettungsdienst sind über 6.000 ehrenamtliche Sanitäter der Rettungsorganisation United Hatzalah als „First Responder“ via Smartphone rund um die Uhr erreichbar. Bei einem Notfall werden automatisch sofort die fünf Sanitäter informiert, die sich am nächsten am Unfallort befinden. Sie erhalten die Stichworte zum Notfall und die Position des Patienten direkt auf ihr Smartphone.

Damit die Sanitäter nicht im dichten Verkehr steckenbleiben, sind sie mit kleinen, wendigen Motorrädern oder Mountainbikes unterwegs, den „Ambu-Cycles“. Damit können sie sich zwischen den Autos durchschlängeln und Patienten versorgen, bis ein Krankenwagen eintrifft. Die „Ambu-Cycles“ sind bestens ausgestattet mit Defibrillator, Sauerstoff, Atemwegssicherungs- und Traumaversorgungsmaterial. United Hatzalah arbeitet ausschließlich spendenfinanziert.

Auszug aus der Sonderausgabe Wort aus Jerusalem: "Israel - 75 Jahre Start-up Nation"

Foto: Kinderklinik gpo Moshe Milner

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