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Zuchterfolge hatten die Israelis bereits sehr früh, auch schon vor der Staatsgründung. Dazu gehörten die Ha‘Ogen-Zuckermelone, die Galia-Melone und die Ananas Yogne‘am. Das Saatgutunternehmen Zeraim Gedera Syngenta kreierte Cannon, eine Paprikasorte, die im schwierigen Klima der Aravasenke gedeiht. Oder Black Galaxy, eine von Seeds Technology entwickelte schwarze Tomate. Für die attraktive Schwarzfärbung der Außenhaut sorgt das aus Heidelbeeren extrahierte Anthocyanine. Apropos Tomate: Auch die berühmte Cherrytomate wurde in Israel gezüchtet. Sie besticht nicht nur mit einem intensiven Aroma, sondern bleibt auch lange frisch - ideal für den Export.
Alle sieben Jahre muss in Israel die Erde ruhen. Im so genannten Schmitta-Jahr soll nach biblischem Gebot auf der Erde des Heiligen Landes nichts gepflanzt, gesät und geerntet werden. „Sechs Jahre sollst du dein Feld bestellen und deine Weinberge beschneiden und ihren Ertrag ernten“, heißt es in der Tora (3. Buch Mose 25,3). Und weiter ist zu lesen: „Im siebten Jahr aber soll das Land völlige Ruhe haben, eine Ruhezeit zu Ehren Adonais“. Im religiösen Sinne geht es dabei um einen achtsamen Umgang mit der Schöpfung und darum, dass jeder irdische Besitz Gott gehört. Das aber macht in der Neuzeit erhebliche Produktions- und Einkommensprobleme, die Schmitta könnte Eingangspforte für Preissteigerungen sein. Also schufen die Rabbiner Schmitta-Schlupflöcher – sie erlauben den Besitzern, das Ackerland symbolisch für ein Jahr an Nichtjuden zu verkaufen. Eine Chance für palästinensische Farmer. Ein „Aufseher“ (Mashgiach) muss die Produkte allerdings sorgfältig überprüfen, damit die Waren das begehrte Kaschrut-Label erhalten. Nur damit ist es für strenggläubige Juden genießbar. So wird seit hundert Jahren die kontinuierliche Bewirtschaftung des Bodens gesichert, ohne gegen das nur für Juden geltende biblische Gebot zu verstoßen.
Doch auch andere „Tricks“ werden angewendet. Bei ihrer Suche nach erschwinglichem Obst und Gemüse finden sich Partner in arabischen Nachbarländern. Der damalige israelische Minister für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, Oded Forer, unterzeichnete im Sommer 2021 eine Sondervereinbarung mit seinem jordanischen Amtskollegen Mohammad Daoudiyeh, um während eines Schmitta-Jahres wirtschaftliche Produkte aus Jordanien zu importieren. Denn nur eine Minderheit der jüdischen Israelis richtet ihren Alltag streng nach biblischen Geboten aus. Doch auch diese Bürger wollen ernährt sein. Das letzte Schmitta-Jahr war 2021. Landschaftsarchitekten und Aktivisten schlugen Alarm, weil auch die Bepflanzung in den Städten ruhen sollte. In Zeiten des Klimawandels sei das „komplett verrückt.“ Neue Bäume und Pflanzungen seien eine Frage von „Leben und Tod“.
Der Nahe Osten wird die Folgen der Erderwärmung früher und heftiger zu spüren bekommen als andere Regionen der Erde. Der Klimawandel verknappt fruchtbare Böden und erschwert den Anbau von Obst, Gemüse und Getreide. Israel forscht deshalb an Lösungen, die auch die arabischen Nachbarn interessieren. Experten aus Israel und mehreren muslimischen Staaten haben sich kürzlich in den Vereinigte Arabische Emirate getroffen. Dabei ging es um die Zusammenarbeit bei der Wasser- und Lebensmittelsicherheit. Auch Länder ohne diplomatische Beziehungen zu Israel waren beteiligt.
Bis 2050, schätzen Experten, wird die Weltbevölkerung rund zehn Milliarden Menschen erreicht haben. Die Nahrungsmittelproduktion muss sich dafür um 70 Prozent steigern. Die klassische Landwirtschaft verbraucht viel Land. „80 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche wird für den Anbau von Tierfutter verwendet“, sagt die israelische Biologin Roni Hochman Sussman. Alternativen zur klassischen Lebensmittelproduktion müssten gefunden werden. Die Biologin denkt auch an Alternativen aus der Aquakultur. Die kontrollierte Aufzucht von Fischen, Muscheln, Krebsen und Algen könne nachhaltig betrieben werden. Da ist es nur logisch, dass das Unternehmen Nature Beta Technologies in der Nähe von Eilat am Roten Meer die älteste Algenfarm Israels betreibt. Sie gehört einer japanischen Mutterfirma, die in Israel Nahrungsergänzungsmittel herstellen lässt.
Algen sind vor allem als Salat, Suppeneinlage oder Beilage in der traditionellen wie modernen Küche Chinas, Koreas und Japans fester Bestandteil. Für europäische Geschmäcker gelten sie als gewöhnungsbedürftig, obwohl auch Mittelmeervölker und Nordseebewohner Algen und Seegras als Nahrungsmittel kennen. Algen gelten als sogenanntes Superfood. Sie enthalten große Mengen an Protein, Mineralstoffen und Vitaminen. Algen wachsen schnell und können nachhaltig angebaut werden, da sie weder Ackerboden noch Trinkwasser brauchen. Damit kommt Algen für die Ernährung des Menschen künftig vielleicht eine besondere Bedeutung zu.
Nach Schätzungen der Vereinten Nationen könnten 2050 weltweit fünf Milliarden Menschen von Wasserengpässen betroffen sein. Konflikte bei der Verteilung sind vorprogrammiert, die massive Wassernutzung in der Landwirtschaft begrenzt das Angebot für andere Bedürfnisse. Trotz dieser Aussichten gibt es Gegenden in der Welt, wo auch im Trockenklima wasserintensive Kulturen angebaut werden. Ein besonderes Beispiel für diesen Fall ist Israel. Hier lassen sich Klimazonen vom Mittelmeerklima bis zum extremen Wüstenklima antreffen – Landwirtschaft gibt es in allen Bereichen. Israel hat sich in ein durchindustrialisiertes Exportunternehmen verwandelt, das auf Ausfuhren von Produkten wie Zitrusfrüchte, Mangos, Avocados, Weintrauben, Paprika, Tomaten, Kartoffeln, Melonen, Süßkartoffeln, Erdnüssen, Datteln, Feigen, Schnittblumen und Kräutern nach Europa spezialisiert ist. Doch ohne Bewässerung geht nichts.
Acht Kilometer von Be‘er Sheva liegt der Kibbuz Chazerim. Hier, mitten in der Wüste Negev, befindet sich die Produktionsstätte von Netafim. Das Unternehmen gehört zu den weltweit größten Herstellern künstlicher Bewässerungssyteme. Chazerim war einer der ersten Kibbuzim, dessen Bewohner nach anderen Einkunftsquellen neben der traditionellen Landwirtschaft suchten. 1965 gründeten sie Netafim. Seitdem werden hier Sprinkler, aber auch Erntemanagement-Technologien wie Kontroll- und Überwachungssysteme, Dosiereinrichtungen und die dazugehörige Software konzipiert, hergestellt und vertrieben.
Dass ausgerechnet hier technologische Lösungen rund um Bewässerungsprobleme erdacht werden, ist kein Zufall. Netafim ist mit dem Namen des Wasseringenieurs Simcha Blass verbunden. Simcha Blass hatte 1946 die erste Wasserpipeline in die Negev-Wüste geplant. Die Röhren dazu stammten aus London. Sie dienten im Zweiten Weltkrieg zum Feuerlöschen nach deutschen Bombenangriffen. Diese Pipeline hatte die Errichtung von elf neuen jüdischen Siedlungen im Negev ermöglicht. Die Pipeline-Aktion wurde in der Jom-Kippur-Nacht von 1946 durchgezogen und brachte die Vereinten Nationen dazu, den überwiegenden Teil der Negev-Wüste in den neu zu gründenden Staat Israel zu integrieren. Prompt wurde die neue Wasserader zum Angriffsziel der ägyptischen Armee im israelischen Unabhängigkeitskrieg 1948/49.
1959 revolutionierte Blass gemeinsam mit seinem Sohn Yesha-yahu die Tröpfchenbewässerung. Netafim ist nur eines der mehr als 160 Technologieunternehmen des israelischen Wassersektors. Der internationale Wassermarkt verspricht gute Geschäfte: 450 Milliarden Dollar bei jährlichen Wachstumsraten um sieben bis acht Prozent. Israels Know-how ist gut positioniert: Die weltweit zur Tröpfchenbewässerung eingesetzte Technologie stammt bis heute zu 50 Prozent aus Israel.
Auszug aus der Sonderausgabe Wort aus Jerusalem: "Israel - 75 Jahre Start-up Nation"
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Israel.
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