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Verabredungen mit Gott

Schätze des hebräischen Denkens
Alyosha Ryabinov
Datteln, welche an Palmen reifen

Das Wort מועד (moed - „festgelegte Zeit“) wird in 3. Mose 23,2 für die „eingesetzten Zeiten“ von Gott verwendet. Es gibt jede Woche eine eingesetzte Zeit, die wir שבת (Schabbat) nennen. Dazu kommen jährliche Zeiten, wie das Passahfest, das Fest der ungesäuerten Brote, das Fest der Erstlingsfrucht, das Wochenfest und das Fest des Posaunenblasens (vgl. z.B. 3. Mose 23,24-25), außerdem der Versöhnungstag und schließlich das Laubhüttenfest. Abgesehen vom Schabbat gibt es sieben dieser jährlich festgelegten Zeiten. Schabbat dagegen ist die wöchentliche מועד (moed).

Von Anfang an

In Genesis spricht Gott: „Es werden Lichter an der Feste des Himmels, die da scheiden Tag und Nacht. Sie seien Zeichen für Zeiten, Tage und Jahre.“ (1. Mose 1,14) Gott hat hier nicht die Jahreszeiten eingesetzt, sondern Verabredungen zwischen Mensch und Gott. Das Wort für Zeichen ist אות (oht), was auch „Wunder“ bedeutet. Wunder oder Zeichen sind in der Vergangenheit häufig zu den festgelegten Zeiten Gottes geschehen, und es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln, dass sie auch jetzt noch und in der Zukunft an genau diesen geheiligten Zeiten Gottes stattfinden können.

Diese מוֹעֲדִים (moedim - „festgelegte Zeiten“) sind Kreisläufe, die Gott selbst am vierten Tag seiner Schöpfung einsetzte. Am vierten Tag setzte er die Kreisläufe ganz allgemein ein, als er Sonne, Mond und Sterne schuf. Wir wissen alle, dass sich die Planeten drehen. Alles im Universum bewegt sich in Kreisen. Es wäre unmöglich zu sagen, wie lange die ersten drei Tage der Schöpfung gedauert haben, weil es weder Sonne noch Mond gab. Erst ab dem vierten Tag der Schöpfung können wir die Zeit messen.

Da die Moedim die Kreisläufe Gottes sind, bedeutet das, dass Gott selbst auch in diesen Kreisläufen wirkt. Vor 2000 Jahren haben sich die Gläubigen durch den Einfluss von Konstantin und den Kirchenvätern von diesen Kreisläufen entfernt, doch Gott hat diese Kreisläufe nie außer Kraft gesetzt. Auch heute noch wirkt er in ihnen und durch sie, und wenn wir beginnen, diese Kreisläufe als seine festgelegten Zeiten besser zu verstehen, werden wir sehen, dass unsere Leben um diese Moedim kreisen, ob wir ihre Bedeutung kennen oder nicht.

Zeitzyklen

Wir leben in Kreisläufen. Eine Woche startet mit dem ersten Tag, geht bis zum letzten und beginnt dann wieder von vorne. Im jährlichen Zyklus beginnen wir mit dem ersten Monat, enden mit dem letzten und starten dann wieder von vorne. Es scheint, als würden wir uns nicht von Punkt A zu Punkt B bewegen, sondern vielmehr immer wieder zum selben Punkt zurückkehren. Wenn wir von unserer Beziehung zu Gott sprechen, ist das, wie um einen Berg herumzuwandern. Wenn wir auf der einen Seite wieder ankommen, sind wir ein Stückchen weiter oberhalb des Startpunktes, weil wir in Gott immer weiter wachsen. Der Feind hat seine eigenen Kreisläufe, doch wenn wir uns in seinen abwärtsgerichteten Zyklen bewegen, geht es immer weiter nach unten.  Nach den Schriften beginnen die Zyklen im Frühling mit dem Passahfest, denn Gott spricht in 2. Mose: „Dieser Monat soll bei euch der erste Monat sein.“ (2. Mose 12,2). Das Passahfest gibt einem das Gefühl eines Neuanfangs, auch wenn wir in der Vergangenheit versagt haben. Wir können immer wieder neu anfangen, weil Gott uns immer wieder neue Hoffnung schenkt. Im Laufe unseres Lebens bewegen wir uns vom Passahfest zum Laubhüttenfest und beginnen dann wieder beim Passahfest.

Die biblischen Feste

Die sieben geheiligten Zeiten sind in drei Zeitspannen unterteilt: 1) Die Passahzeit פֶּסַח (Pesach im Hebräischen) vereint das Passahfest, das Fest der Ungesäuerten Brote und das Fest der Erstlingsfrucht. 2) Die Zeit des Wochenfestes שָׁבוּעוֹת (Schawuot). 3) Die Zeit des Laubhüttenfestes סֻכּוֹת (Sukkot), die aus dem Laubhüttenfest, dem Tag des Blasens der Posaunen (Jom HaTeruah) und dem Versöhnungstag (Jom Kippur) besteht. Zwei der Zeitspannen, die des Passah und die des Laubhüttenfestes, bestehen aus drei Festen, während Schawuot für sich alleine steht.  Es gibt ein Gesetz, das den Männern befiehlt, zu allen drei Zeiten vor dem Herrn zu erscheinen – also drei Mal im Jahr (vgl. 2. Mose 34,23). In jeder dieser drei Zeitspannen gibt es eine Ernte. Bei Ernten geht es immer um die Früchte. Wollen wir die Ernten auf uns beziehen, denken wir an die Worte, die Jeschua sprach: „Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.“ (Johannes 15,8) Unsere Leben laufen also im Herrn parallel zur Ernte. Die Schrift spricht von der Frucht des Geistes und von Früchten des Fleisches. Der Vater pflanzt allezeit den Samen der Liebe in unser Leben und erwartet daraus Frucht des Geistes. Der Feind jedoch pflanzt seinen eigenen Samen, der wächst und Früchte des Fleisches hervorbringt — Früchte wie Habgier, Bitterkeit, Unversöhnlichkeit und Begierde. Ich glaube, dass Gott bestimmte Zeiten in unserem Leben festsetzt, in denen die Ursachen für schlechte Früchte oder Unkraut aus unserem Leben herausgerissen werden sollen.

Versöhnung

Der יוֹם כִּפּוּר Jom Kippur (Versöhnungstag) symbolisiert den Tag des Gerichts. Ich glaube, dass die Salbung für Entwurzelung und Erlösung in dieser Zeit auf besondere Weise ausgegossen wird. Natürlich kann Erlösung auch zu anderen Zeiten geschehen, wenn Gott es führt, aber ich bin davon überzeugt, dass auf dem Jom Kippur eine besondere Salbung liegt, da dieser Tag genau aus diesem Grund eingesetzt wurde. Es ist der Tag, an dem der Vater die Salbung und die Kraft schenkt, negativ aufgebaute Mauern in unserem Leben niederzureißen. Wir selbst sind schon häufig mit genau dieser Erwartung in diese Festzeiten hineingegangen und haben die Kraft der Erlösung besonders am Versöhnungstag und am Tag des Posaunenblasens erfahren. Am Versöhnungstag (Jom Kippur) wird, metaphorisch gesehen, all der Dreck, der sich auf unserer Wanderung durch die Wüste an uns angeheftet hat, abgewaschen. Danach können wir frei von Sünde in die sieben Tage des Laubhüttenfestes (Sukkot) eintreten und vor dem Herrn feiern. In dieser Zeit können wir in die Fülle Gottes für uns hineintreten und für die kommenden sechs Monate auftanken, nach denen ein neuer Zyklus beginnt.

Gottesgeschenke

Die Feste sind ein Geschenk vom Vater an all seine Kinder, nicht nur an das jüdische Volk. Ich habe schon häufiger gesehen, dass Gläubige in der Zeit nach Sukkot (also kurz vor Weihnachten) in ihrem Leben verstärkt Kämpfe mit Stress und Enttäuschungen erlebten. Könnte das daran liegen, dass sie die Fülle der Kraft der Kreisläufe Gottes nicht für sich in Anspruch genommen haben? Wir alle haben Probleme in unserem Leben und werden immer wieder verletzt. Wenn wir in den Kreisläufen leben, die Gott uns gab, haben wir die Möglichkeit, erneuert zu werden. Jeschua ermöglicht die Fülle der Feste für alle in ihrer vollen Bedeutung.  Einige sagen, dass Jeschua nur vier der Feste erfüllte, doch das Herbstfest ausließ. Ich glaube, dass er alle erfüllte. In Matthäus 5,17 steht: „Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen.“ Die Schriften zu erfüllen heißt nicht, sie abzuschaffen oder aufzuheben. Das hebräische Wort, das dem griechischen am nächsten kommt, ist להשלים (le-haschlim), was „vollenden“ oder „zur vollen Geltung bringen“ bedeutet, und uns die Möglichkeit gibt, die Fülle dieser heiligen Zeiten zu erleben. Es gibt aber immer noch Aspekte der Feste, die sich prophetisch erfüllen müssen.

Über den Autor

Alyosha Ryabinov wurde 1958 in Kiew geboren. Er kommt aus einer sehr begabten jüdischen Musikerfamilie und komponierte bereits mit 14 Jahren eigene Opern und Symphonien. Heute lebt Alyosha mit seiner Frau Jody in Israel und ist ein international bekannter Komponist und Konzertpianist. Bei seinen Auftritten geschehen oftmals wunderbare Heilungen. Der himmlische Klang seiner Musik ergreift die Herzen und führt sie in neue Dimensionen der Liebe und des Friedens Gottes. Als Autor verbindet er den Tanach (AT) mit den Schriften des NT und gibt Einsichten in verborgene Edelsteine des Wortes Gottes.

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