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Zion – Zufluchtsort für jüdische Vertriebene

Zion - Zufluchtsort für jüdische Waisen und Vertriebene

Rückkehr nach Israel in unserer Zeit
David Parsons, ICEJ-Vizepräsident und Sprecher
Rechts im Bild sitzt ein Mann auf dem Boden und trinkt aus einer Tasse. Neben ihm sitzt eine Frau, vor ihnen ein Kind. Sie tragen lockere Kleidung und Tücher oder Hüte auf dem Kopf.

Zu Fuß nach Zion

Die moderne Rückkehr des jüdischen Volkes nach Israel begann in den 1880er Jahren, als sich Juden aus dem Süden Russlands entschieden, vor den andauernden Pogromen zu fliehen. Sie ließen alles zurück und machten sich auf den Weg nach Jerusalem – die Richtung kannten sie, weil sie sich im Gebet immer der Heiligen Stadt zugewandt hatten. Um die gleiche Zeit zog es auch die uralte jüdische Gemeinschaft im Jemen zurück ins verheißene Land, und so kamen sie zu Fuß, ihre wenigen Besitztümer tragend, nach Israel.

Das entspricht der Vision des Propheten Jesaja von der jüdischen Heimkehr in den letzten Tagen: „Und was wird man den Boten der Völker sagen? ‚Der HERR hat Zion gegründet, und hier finden die Elenden seines Volks Zuflucht.‘“ (Jesaja 14,32) Dieses prophetische Wort hat sich genau so erfüllt, wie es geschrieben steht.

Exodus aus Europa

Die nächste große Alijah-Welle folgte, als Israel 1948 seine Unabhängigkeit erlangte. Der junge jüdische Staat machte es sich zur vorrangigen Aufgabe, alle bedrängten jüdischen Flüchtlinge aus Europa heimzubringen, denen unter dem britischen Mandat die Einreise verweigert worden war. Der Fokus lag auf den 250.000 Holocaustüberlebenden, die noch immer in Flüchtlingslagern in ganz Europa festsaßen. Sie waren hauptsächlich europäische Juden, die unter der Nazi-Herrschaft und im Holocaust alles verloren hatten – nicht nur ihre Häuser und ihr Vermögen, sondern auch ihre Familien. Viele von ihnen waren die einzigen Überlebenden ihrer gesamten Verwandtschaft. So wurden viele mittellose Waisen in ein Land mit 660.000 Einwohnern aufgenommen, das ohnehin schon ums Überleben kämpfte.

Zion: Von Waisen aufgebaut

In seinem Buch „Mein gelobtes Land: Triumph und Tragödie Israels” schreibt der Journalist Ari Shavit darüber, wie der Staat Israel von europäischen Juden aufgebaut wurde, die der Holocaust zu Waisen gemacht hatte. Viele ihrer Eltern und Großeltern schickten sie in den 1930erJahren voraus ins damalige Mandatsgebiet Palästina, schafften es jedoch nicht nachzukommen. Andere rebellierten gegen ihre Eltern und reisten allein nach Eretz Israel. Sie sahen Vater und Mutter nie wieder. „Der Zionismus war eine Waisenbewegung, eine verzweifelte Kampagne der Waisen Europas”, schreibt Shavit. „Als die ungewollten Söhne und Töchter des christlichen Kontinents vor dem Hass ihrer Leihmutter flohen, stellten sie fest, dass sie ganz allein in der Welt waren… Sie hatten eine Zivilisation verloren und mussten deshalb eine andere aufbauen. Sie hatten ihr Heimatland verloren und mussten deshalb ein neues schaffen. Aus diesem Grund kamen sie nach Palästina und halten bis heute mit verzweifelter Entschlossenheit an diesem Land fest.“

Flucht aus Nahost

Die eingewanderten, hauptsächlich aschkenasischen Juden mit europäischem Hintergrund sahen sich plötzlich mit einer neuen Krise konfrontiert: Nach Israels Sieg im Unabhängigkeitskrieg 1948 begannen viele arabische Länder, jüdische Gemeinschaften zu vertreiben, die mehr als 2.000 Jahre unter ihnen gelebt hatten. In den frühen 1950er Jahren ließen über 800.000 sephardische und misrachische Juden (mit spanischem und orientalischem Hintergrund) von Marokko bis zum Irak all ihr Hab und Gut zurück und kamen nach Israel, oft zu Fuß. Viele von ihnen hatten in ihrem Herkunftsland in großen Villen gelebt und lukrative Unternehmen geführt – ihre nächsten Lebensjahre in Israel verbrachten sie in Zelten. Schon früh kam es zu gesellschaftlichen Spannungen zwischen den aschkenasischen und sephardischen Juden, doch Israel schaffte es als Nation, diese riesige Welle mittelloser Flüchtlinge erfolgreich zu integrieren.

Alijah aus dem Norden

Die nächste Alijah-Welle folgte auf den Zusammenbruch der kommunistischen Sowjetunion. Dieser öffnete über einer Million russischsprachiger Juden die Tür, in den 1990er Jahren nach Israel heimzukehren. Bei der Ausreise aus ihren Herkunftsländern beschränkten die Behörden die Güter und Finanzen stark, die sie mitnehmen konnten. Wenn die Nachbarn von den Auswanderungsplänen einer jüdischen Familie nach Israel erfuhren, wollte niemand ihr Haus abkaufen, da man wusste, dass es billig zu haben war, sobald sie weggegangen waren. Es gibt viele Geschichten von sowjetisch-jüdischen Olim, die nach der Landung auf dem Ben-Gurion-Flughafen ihre wenigen letzten russischen Rubel und Kopeken auf das Rollfeld warfen.

Beteiligung an Gottes Werk

Auch heute noch brauchen viele Juden, die Alijah machen, Hilfe bei ihrem Neustart im Land der Verheißung – etwa die äthiopischen Juden oder die Bnei Menasche aus Indien. Selbst französische Juden zählen dazu, denn nicht alle können es sich leisten, auszuwandern und sich von Grund auf ein neues Leben aufzubauen. Deshalb sind wir vor Ort, um zu helfen – in dem Bewusstsein, dass Israel in der Tat ein von Waisen und Vertriebenen aufgebautes Land ist. Sie wurden gesammelt aus den heidnischen Nationen, von denen sie immer abgelehnt worden waren. Es stimmt: „Der HERR hat Zion gegründet, und hier finden die Elenden seines Volks Zuflucht.“ (Jesaja 14,32)

(Foto: Jüdische Einwanderer aus dem Jemen)

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